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Neuronale Verjüngung

Asthmamedikament als Jungbrunnen fürs Hirn

Manch einer sehnt sich nach der Pille für die ewige Jugend. Ein Asthmamedikament zeigte nun eine überraschende Nebenwirkung: Es macht das Gehirn alter Ratten wieder fitter.
Gehirn

Das Asthmamedikament Montelukast könnte eine verjüngende Wirkung auf Rattenhirne haben, berichtet eine Forschergruppe um Ludwig Aigner von der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg. Die Wissenschaftler haben das Medikament sechs Wochen lang an ältere Ratten verfüttert und festgestellt, dass sich deren Gedächtnis verbesserte. Möglicherweise hemmt der Wirkstoff Entzündungsreaktionen im Gehirn der betagten Tiere und führt so zu einer besseren kognitiven Leistung.

Aigner und Kollegen testeten die Gedächtnis- und Lernleistung ihrer Nager, indem sie diese in ein wassergefülltes Becken setzten und maßen, wie gut sich die Tiere an die Position einer unter Wasser verborgenen Plattform erinnern konnten. Die sieben 20 Monate alten Ratten, die das Medikament bekommen hatten, schnitten bei diversen Tests messbar besser ab als ihre nicht behandelten Altersgenossen. Mitunter erreichten sie sogar eine Lernleistung, die mit der von Jungtieren vergleichbar war. Bei jungen Ratten hingegen führte Montelukast zu keinerlei Verbesserungen.

Das Morris-Wasserlabyrinth
Das Morris-Wasserlabyrinth | 1984 entwickelte Richard Morris von der schottischen University of St Andrews eine Apparatur, um das Lernvermögen von Ratten und Mäusen zu testen: Das Versuchstier wird in ein großes, rundes Becken mit weiß gefärbtem Wasser gesetzt. Knapp unterhalb der Wasseroberfläche befindet sich eine kleine, nicht sichtbare Plattform. Sobald das Tier auf diese rettende Insel klettert, ist für es der größte Stress vorbei. Hat der Nager die Plattform einmal entdeckt, wird er nach ein paar Tests die Position gelernt haben. J. Neurosci. Methods 11, S. 47–60, 1984

Gedächtnis und Lernen hängen mit der Funktion des Hippocampus im Gehirn zusammen. So reifen beispielsweise in dessen Gyrus dentatus ein Leben lang Nervenzellen heran, die maßgeblich an der Abspeicherung neuer Gedächtnisinhalte beteiligt sind. Im Alter lässt die Nervenneuentstehung allerdings nach. Das Team um Aigner fragte sich nun, ob das Verabreichen von Montelukast in diesem Hirnareal Veränderungen hervorrufen würde. Tatsächlich war das der Fall: Im Gyrus dentatus entstanden bei den behandelten alten Ratten mehr neue Nervenzellen als bei ihren unbehandelten Altersgenossen.

Das Team um Aigner vermutet, dass dieser "Verjüngungseffekt" auf der Abmilderung von Entzündungsreaktionen beruht, die für das alternde Gehirn typisch sind. Montelukast hemmt die Wirkung von so genannten Leukotrienen, die in weißen Blutkörperchen enthalten sind und solche Entzündungen auslösen. Damit kann es Asthmasymptome lindern – und eben möglicherweise auch im Gehirn für einen eher jugendlichen Stoffwechsel sorgen, der weniger anfällig für Entzündungen ist. Untersuchungen, die Aigner und Kollegen an den Ratten vornahmen, unterstützten diese Hypothese. So war beispielsweise das Immunsystem im Gehirn der behandelten Nager weniger aktiv.

Ob Montelukast in dieser Weise auch auf das menschliche Gehirn wirkt und dort zu nützlichen Veränderungen führt, ist noch offen. Ein Einfluss ist aber immerhin denkbar, denn die Forscher konnten zeigen, dass das Medikament auch beim Menschen die Blut-Hirn-Schranke überwindet.

43/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 43/2015

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