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Tipps für die Astropraxis: Wie fotografiere ich Kometen?

Prächtige Schweifsterne lassen sich auch ohne Teleskop und Astrokamera ansprechend fotografieren. Anhand von Beispielen wird veranschaulicht, wie mit Digitalkamera und Teleobjektiv eindrucksvolle Bilder und Animationen von Kometen entstehen.
Ein Komet mit einem leuchtenden Schweif zieht über einen nächtlichen Himmel, der von Sternen gesprenkelt ist. Im Vordergrund sind die Silhouetten von Bäumen zu sehen. Der Himmel zeigt einen sanften Übergang von dunklem Blau zu einem helleren Farbton nahe dem Horizont.
Diese Aufnahme des Kometen C/2020 F3 (NEOWISE) entstand am 6. Juli 2020 mit einer Canon EOS 7D und einem Canon-Teleobjektiv bei Blende 4,5. Trotz der kurzen Belichtungszeit von nur zwei Sekunden sind Kopf und Schweif in der Dämmerung deutlich erkennbar.

Kometen sind faszinierende Objekte, die teils aus den eisigen Randbezirken des Sonnensystems auf lang gestreckten Bahnen in die Nähe der Erde gelangen und dann als unberechenbare Besucher an unserem Himmel auftauchen. Leider bergen die Vorhersagen zur Helligkeitsentwicklung eines Kometen oft große Unsicherheiten. Deshalb können sie sowohl Enttäuschungen als auch positive Überraschungen bringen. Wenn es jedoch so weit ist und ein heller Komet mit ausgeprägtem Schweif am Himmel erscheint, sollten Sie vorbereitet sein, um Ihr eigenes spektakuläres Foto aufzunehmen. Das gelingt schon mit einer kleinen Ausrüstung: Eine herkömmliche Digitalkamera mit Objektiv und Fotostativ ermöglicht eindrucksvolle Bilder – doch gelungene Fotos erfordern eine sorgfältige Vorbereitung.

Bevor Sie mit der Fotografie eines Kometen beginnen, sollten Sie sich zwischen zwei unterschiedlichen Zielrichtungen entscheiden: Möchten Sie den Kometen in seiner vollen Pracht zusammen mit der umgebenden Landschaft ablichten oder liegt Ihr Fokus auf den detailreichen Strukturen des Schweifs? Die Entscheidung für eine der beiden Möglichkeiten beeinflusst nicht nur die Vorgehensweise beim Fotografieren, sondern auch die nachfolgende Bildbearbeitung.

Detaillierte Aufnahmen feiner Schweifstrukturen erfordern Objektive mit relativ langen Brennweiten (siehe »Fotografie mit unterschiedlichen Optiken«). Allerdings setzt das Bearbeiten solcher Detailaufnahmen fundierte Kenntnisse in Programmen wie Photoshop voraus. Wer schon einmal Sternhaufen, Galaxien oder galaktische Nebel fotografiert und Erfahrungen in der Bildbearbeitung gesammelt hat, könnte vermuten, dass sich diese Verfahren unmittelbar auf Kometen übertragen lassen. Doch hier bestehen wesentliche Unterschiede (siehe »Besonderheiten der Kometenfotografie«). Strebt man qualitativ hochwertige Ergebnisse an, so ist der Zeitaufwand für die Bildbearbeitung nicht zu unterschätzen. Deshalb empfehle ich Einsteigern, sich auf die Fotografie von sehr hellen Kometen zu konzentrieren. Wunderbare Übersichtsaufnahmen dieser Objekte gelingen bereits mit handelsüblichen Digitalkameras und Objektiven mit kurzen Brennweiten und sogar ohne Nachführung. Im Folgenden berichte ich über meine praktischen Erfahrungen.

Fotografie mit unterschiedlichen Optiken |

Ein heller Komet lässt sich mit nahezu jeder Brennweite eindrucksvoll in Szene setzen. Die drei Aufnahmen von C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) entstanden fast zeitgleich am 30. September 2024 auf der Farm Tivoli in Namibia. Das stimmungsvolle Bild oben zeigt den Kometen gemeinsam mit dem zunehmenden Mond, fotografiert mit einer Canon EOS 7D und einem 50-Millimeter-Objektiv. Ein Objektiv mit längerer Brennweite lässt neben dem Staubschweif bereits Details des blauen Ionenschweifs erkennen (Mitte). In diesem Fall wurden zwei Bilder kombiniert, um den Kontrast zu steigern: eine Aufnahme mit einer Canon EOS 6Da und einem 200-Millimeter-Objektiv von Canon sowie eine Aufnahme mit einer Astrokamera des Typs QHY 600 und einem 180-Millimeter-Objektiv Leica Apo-Telyt. Eine besonders hohe Auflösung ermöglicht ein Teleskop: Das Bild unten entstand an einem ASA-Astrografen mit 30 Zentimetern Spiegeldurchmesser und einer Brennweite von 1097 Millimetern in Verbindung mit einer CMOS-Astrokamera des Typs ZWO ASI 6200MM. Die drei Bilder veranschaulichen, dass mit zunehmender Brennweite nur noch ein kleinerer Teil des Kometen erfasst wird, jedoch mehr Details sichtbar werden.

Besonderheiten der Kometenfotografie

Die Fotografie von Kometen unterscheidet sich in mehreren Aspekten von der Aufnahmetechnik bei Deep-Sky-Objekten wie zum Beispiel Sternhaufen, galaktischen Nebeln und Galaxien:

Niedrige Horizonthöhe und Dämmerung: Da helle Kometen oft in geringem Winkelabstand zur Sonne stehen, limitiert die Dämmerung sowohl die Belichtungszeit pro Einzelaufnahme als auch die Gesamtbelichtungszeit. Die Dämmerung verursacht zudem störende Helligkeitsverläufe des Bildhintergrunds, sogenannte Gradienten.

Keine ergänzenden Aufnahmen möglich: Im Gegensatz zur Fotografie von Deep-Sky-Objekten können Bilder von Kometen nicht mit Aufnahmen an einem anderen Datum ergänzt werden, da sich der Komet täglich am Himmel weiterbewegt und sein Erscheinungsbild sich schnell ändert.

Wechselhaftes Wetter: Während man im Fall der Deep-Sky-Fotografie nur auf klares Wetter zu warten braucht, kann eine Schlechtwetterperiode zur kritischen Zeit Kometenaufnahmen gänzlich vereiteln; selbst die sorgfältigste Planung versagt hier.

Position ändert sich am Himmel: Die schnelle Eigenbewegung des Kometen vor dem Hintergrund der Sterne beschränkt die Belichtungszeit einer Einzelaufnahme. Die Bewegung wird umso deutlicher sichtbar, je länger die Brennweite des genutzten Objektivs ist.

Veränderliche Gestalt: Der Sonnenwind beeinflusst das Erscheinungsbild der Kometen erheblich. Der von der Sonne ausgehende veränderliche Plasmastrom kann sehr rasche Veränderungen im Gasschweif bewirken, wodurch die Belichtungszeit weiter eingeschränkt wird. Auch dieses Phänomen macht sich beim Einsatz einer langen Brennweite deutlicher bemerkbar als bei kurzen Brennweiten.

Satelliten in Horizontnähe: Leider finden sich auf zahlreichen Bildern störende Strichspuren. Sie werden von Erdsatelliten verursacht, die während der Belichtung das Bildfeld durchqueren. Viele von ihnen werden durch Objekte des Satellitennetzwerks Starlink verursacht.

Sorgfältiges Planen ist alles: Zunächst sollten Sie klären, von welcher Hemisphäre der Erde der interessierende Komet sichtbar ist, da einige Objekte nur am Südhimmel beobachtet werden können. Eine entsprechende Reise, beispielsweise ins südwestafrikanische Namibia, ist oft aufwendig und kostspielig, was in der Regel nur für leidenschaftliche Astrofotografen infrage kommt. Stellen Sie also sicher, dass ein angekündigter Komet am nördlichen Himmel sichtbar ist. Aktuelle Informationen erhalten Sie unter anderem in der Rubrik »Aktuelles am Himmel« der monatlichen Zeitschrift »Sterne und Weltraum«, auf Spektrum.de sowie auf der Website der Fachgruppe Kometen der Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) unter fg-kometen.vdsastro.de.

Der Beobachtungsplatz: Gelangt ein Komet in Sonnennähe, entwickelt er sich mitunter zu einem hellen Objekt mit auffälligem Schweif, das morgens vor Sonnenaufgang oder abends nach Sonnenuntergang gut sichtbar ist. Entscheidend für die Qualität von Kometenaufnahmen sind somit eine freie Sicht auf den Horizont und ein dunkler Himmel (siehe »Der Einfluss des Standorts«). Daher ist es ratsam, sich im Vorfeld über geeignete Beobachtungsplätze zu informieren und diese Orte selbst zu erkunden. Bei schlechtem Wetter, das die Sicht erheblich beeinträchtigen kann, sollten Sie alternative Standorte einplanen.

Der Einfluss des Standorts |

Diese Aufnahmen des Kometen C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) entstanden am 21. Oktober 2024. Sie zeigen eindrucksvoll, in welcher Weise der Standort und die Umgebung die Tiefe und die Gesamtqualität eines Übersichtsbildes beeinflussen. Das Foto oben wurde in der Nähe der Stadt Wien aufgenommen, wobei ein Objektiv mit einer Brennweite von 14 Millimetern zum Einsatz kam. Gleichzeitig gelang eine Aufnahme unter einem dunklen Gebirgshimmel (unten) bei einer Brennweite von 20 Millimetern.

Bei der Auswahl des Standorts lohnt es sich, nach Vordergrundmotiven Ausschau zu halten, die sich in Übersichtsaufnahmen integrieren lassen, denn stimmungsvolle Arrangements können zu beeindruckenden Bildern führen. Nach einer Belichtungszeit von mehr als 30 Sekunden werden die umgebenden Sterne zwar nicht mehr punktförmig abgebildet, sondern als Striche – doch die dadurch erreichte Tiefe der Aufnahme sowie ein imposanter Vordergrund entschädigen für dieses Manko.

Anforderungen an die Ausrüstung: Bei der Aufnahme selbst wirken sich die Dämmerung und die Höhe des Kometen über dem Horizont auf die Wahl der Belichtungszeit aus. Somit sind lichtstarke Objektive und Kamerasensoren mit hoher Empfindlichkeit von Vorteil. Ein heller Kometenschweif kann eine Länge von mehr als 20 Grad erreichen, wobei schwache Ausläufer mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. Deshalb sind Objektive mit kurzen Brennweiten von etwa 14 bis 50 Millimetern oft die bessere Wahl.

Da die Höhe eines Kometen über dem Horizont, seine Eigenbewegung vor dem Hintergrund der Sterne und Veränderungen im Schweif die Belichtungszeit begrenzen, ist es nicht sinnvoll, eine einzelne lang belichtete Aufnahme zu erstellen. Somit sind lichtstarke Optiken und ein Aufnahmesensor mit hoher Empfindlichkeit und geringem Ausleserauschen von Vorteil. Gängige DSLR-Kameras und Objektive erfüllen diese Kriterien. Die empfohlene ISO-Einstellung liegt bei 800 bis 1600.

Vorbereitungen am Beobachtungsort: Sind die Bedingungen günstig, sollten Sie Ihre Ausrüstung rechtzeitig aufbauen, um bereit zu sein, bevor die Dämmerung einsetzt. Dennoch kann es vorkommen, dass nach der Ankunft am Beobachtungsort nur wenig Zeit für den Aufbau verbleibt – beispielsweise, wenn Sie wetterbedingt den Standort wechseln mussten. Um Zeit zu sparen, sollten Sie die Teile Ihrer Ausrüstung stets am gleichen Platz im Auto verstauen, damit hilfreiche Utensilien wie Stirnlampen schnell griffbereit sind. Kleinteiliges Zubehör wie Objektive und Akkus führen Sie am besten in einem geeigneten Koffer mit. Stellen Sie sicher, dass die Stromversorgung Ihrer Kamera jederzeit gewährleistet ist.

Ein Beispiel aus der Praxis

Im September und Oktober 2024 fotografierte ich gemeinsam mit Michael Jäger auf der Farm Tivoli in Namibia den Kometen C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS). Zu dieser Zeit war der Schweifstern ein prächtiges Objekt am Morgenhimmel. Wir nutzten verschiedene Kameras, Teleskope und Objektive. Unter anderem fotografierten wir mit einer digitalen Spiegelreflexkamera (DSLR-Kamera) des Typs Canon EOS 7D (siehe »Mobile Ausrüstung«). Das verwendete Canon-Objektiv mit 50 Millimetern Brennweite hat eine Anfangsblende von 1,8. Die meisten Objektive benötigen eine Abblendung um zwei Blendenstufen, um eine gute Abbildung zu erreichen. Wir blendeten auf 4,0 ab, um eine saubere Abbildung bis in die äußersten Ecken des Bildes zu erreichen. Mit dem Sensor der Canon EOS 7D von 22,3 × 14,9 Millimetern (APS‑C) ergibt die verwendete Brennweite von 50 Millimetern ein wahres Gesichtsfeld von 25,56 × 17,08 Grad. Dasselbe Gesichtsfeld resultiert beim Einsatz eines Vollformatsensors (24 × 36 Millimeter) in Kombination mit einem 80-Millimeter-Objektiv.

Mobile Ausrüstung |

Um gute Übersichtsaufnahmen von Kometen zu gewinnen, bedarf es nicht viel. Die in Namibia genutzte Fotoeinheit, eine Canon EOS 7D mit 50-Millimeter-Objektiv, war auf einem kleinen klappbaren Reisestativ montiert. Gesteuert wurde die Belichtung mit einem Kabelfernauslöser mit Timerfunktion.

Das manuelle Scharfstellen des Bildes erfolgte anhand eines hellen Sterns, den wir im Livebild-Modus der Kamera mit zehnfacher Vergrößerung betrachteten. Bei ISO 1600 wählten wir eine Belichtungszeit von 35 Sekunden pro Aufnahme, wobei die Sterne und der Kometenkopf bereits strichförmig abgebildet wurden. Jedoch trat dieser Effekt nicht unangenehm in Erscheinung, da der helle Kometenkopf überbelichtet war. Dafür waren die Einzelaufnahmen tief genug, um auch den Schweif deutlich abzubilden (siehe »Schweif und Strichspuren«). Für die Erstellung von Aufnahmen in der fortgeschrittenen Dämmerung wurde die Belichtungszeit auf 1 bis 3 Sekunden reduziert und die Landschaftskulisse am Horizont eindrucksvoll ins Bild gerückt. Zusätzlich verwendeten wir einen Kabelfernauslöser mit Timerfunktion, den wir mit einem Intervall von 30 Sekunden über einen Zeitraum von 45 Minuten programmierten. So entstand eine Serie von Aufnahmen, die wir später zu einer Animation zusammenfassten.

Schweif und Strichspuren |

Mit stehender Kamera auf einem Fotostativ gelingen eindrucksvolle Aufnahmen heller Kometen. Das Bild von C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) entstand am 1. Oktober 2024 auf der Farm Tivoli in Namibia mit einer Canon EOS 7D. Belichtet wurde 35 Sekunden bei ISO 1600. Das genutzte 50-Millimeter-Objektiv von Canon wurde auf 4,0 abgeblendet. Infolge der Erddrehung während der Belichtungszeit hinterließen die Sterne kurze Strichspuren auf dem Bild.

Zeitgleich mit den Übersichtsaufnahmen fotografierten wir den Kometen mit längerer Brennweite: Zum Einsatz kam ein 200-Millimeter-Objektiv von Canon in Verbindung mit einer Kamera des Typs Canon 6 Da. Als Montierung verwendeten wir eine Losmandy G 11. Aufgrund des größeren Gesichtsfelds des Aufnahmesensors der Canon 6 Da von 10,31 × 6,88 Grad und mithilfe passender Verlängerungsaufnahmen konnten wir den Schweif über 20 Grad hinweg im Bild festhalten; zusätzlich dokumentierten wir Details im Gasschweif, wobei ein ASA-Astrograf mit 30 Zentimetern Spiegeldurchmesser (f/3,6) sowie eine Astrokamera vom Typ ZWO ASI 6200MM Pro zum Einsatz kamen.

Ausblick: Bildbearbeitung und Animationen

Auch wenn Sie zu Beginn noch nicht beabsichtigen, Ihre Bilder zu bearbeiten, sollten Sie alle Aufnahmen unbedingt im Rohdatenformat RAW speichern. So bleiben die Bilddaten unkomprimiert und mit ihrer vollen Detailtiefe erhalten. Später können Sie diese Dateien beispielsweise mit den Programmen Adobe Photoshop oder Adobe Lightroom öffnen und bearbeiten, sodass man sowohl in den sehr hellen als auch in den dunklen Bereichen des Bildes ein Maximum an Details herausholen kann. Natürlich gibt es zahlreiche andere Programme, mit denen man die Bilder im RAW-Format bearbeiten kann, beispielsweise Astro Pixel Processor sowie die kostenfreie Software Fitswork (siehe »Im Überblick: Weiterführende Informationen«).

Ein Beispiel für die Wirksamkeit der Bildbearbeitung ist die Beseitigung von Gradienten. Hierunter versteht man in der Astrofotografie einen störenden Helligkeitsverlauf des Bildhintergrunds, der beispielsweise durch die Dämmerung oder künstliche Beleuchtung verursacht wurde. Besonders beim Einsatz von Objektiven mit langen Brennweiten, mit denen man eventuelle Schweifstrukturen sichtbar machen möchte, ist es notwendig, die Gradienten zu reduzieren. Hierfür empfehle ich die kostenfreie Software GraXpert, die für Windows, macOS und Linux erhältlich ist; die Ergebnisse sind meist hervorragend (siehe »Gradienten eliminieren«).

Gradienten eliminieren |

Ein Helligkeitsverlauf im Hintergrund kann die Qualität von Kometenaufnahmen deutlich beeinträchtigen. Oben ist ein 90 Sekunden belichtetes Originalbild von C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) gezeigt, das mit einer Canon 6 Da und einem Canon-Teleobjektiv mit 200 Millimetern Brennweite aufgenommen wurde. Nach der Bearbeitung mit der Software GraXpert (unten) ist der störende Effekt verschwunden.

Aus der erwähnten Aufnahmeserie des Kometen C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) über einen Zeitraum von 45 Minuten habe ich mit Photoshop eine GIF-Animation erstellt. Das fertige Video zeigt, wie der Schweif des Kometen über dem Horizont aufsteigt. Schließlich wird der Komet im höchsten Stand langsam von der heller werdenden Dämmerung verschluckt. Das Video stelle ich zum Herunterladen zur Verfügung (siehe suw.link/2610-AP1). Auch die mit langer Brennweite an einem ASA-Astrografen gewonnenen Einzelbilder lassen Unterschiede erkennen (siehe »Wechselhafte Gestalt«). Die Bildserie ergibt eine interessante Animation, in der sich das Wandern der Schweifstrukturen verfolgen lässt (siehe suw.link/2610-AP2).

Wechselhafte Gestalt |

Strukturen im Plasmaschweif eines Kometen, verursacht durch einen starken Sonnenwind, verändern sich oft sehr schnell: Die beiden Bilder entstanden in einem Abstand von nur zwölf Minuten. Sie zeigen das erste beziehungsweise letzte Bild einer Aufnahmeserie. Zum Einsatz kam ein ASA-Astrograf mit 30 Zentimetern Öffnung und einer Brennweite von 1097 Millimetern.

Wer tiefere Einblicke in die Bearbeitung von Kometenaufnahmen erhalten möchte, findet auf meiner Website eine ausführliche Anleitung. Um den Aufwand zu minimieren und dennoch gute Ergebnisse zu erzielen, habe ich einen Workflow entwickelt, den ich in der Anleitung schildere. Dort beschreibe ich auch, wie sich eine Serie von Einzelbildern zu einer Animation zusammenfassen lässt.

Legen Sie los!

Die hier geschilderten ersten Schritte zeigen, dass die Fotografie von Kometen ein spannendes und herausforderndes Unterfangen ist, das Geduld und eine sorgfältige Vorbereitung erfordert. Ob man sich für stimmungsvolle Übersichtsaufnahmen oder detaillierte Ansichten des Schweifs entscheidet, hängt von den persönlichen Vorlieben ab. Letztlich führen eine strukturierte Herangehensweise und das Beherrschen der Technik zu beeindruckenden Ergebnissen, welche die Schönheit dieser kosmischen Wanderer zur Geltung bringen.

Im Überblick: Weiterführende Informationen

Wer sich in die Kometenfotografie und das Aufbereiten eigener Aufnahmen einarbeiten möchte, findet im Internet reichhaltige Angebote. Hier folgt eine Auswahl von Informationsquellen und Programmen, die sich in der Praxis bewährt haben.

Einführung und Aktuelles: Auf der Website der Fachgruppe Kometen der deutschlandweiten Vereinigung der Sternfreunde e. V. (VdS) unter fg-kometen.vdsastro.de kann man Kometenbilder der Mitglieder anschauen. Aktuelle Berichte über Kometen publiziert die Fachgruppe in ihrem Mitteilungsblatt »Schweifstern«.

Bahnelemente von Kometen: Neu entdeckte Kometen werden von Planetariumsprogrammen in der Regel nicht automatisch angezeigt. Um einen Kometen aufzunehmen, sind seine Bahnelemente erforderlich, welche die Form und Lage seiner räumlichen Bahn charakterisieren. Hieraus berechnet das Programm die aktuelle Position des Objekts. Entsprechende Daten stehen zum kostenlosen Herunterladen auf der Website von Gideon van Buitenen bereit: astro.vanbuitenen.nl/cometels. Weitere aktuelle Angaben über sichtbare Kometen einschließlich Lichtkurven bietet auch die Comet Observation Data Base (COBS) unter www.cobs.si/comet

Social Media: Empfehlenswert ist die Teilnahme an der privaten Facebook-Gruppe »Comet Watch« (siehe suw.link/2610-AP3) und an der deutschsprachigen Gruppe (siehe suw.link/2610-AP4). Hier kann man tagesaktuelle Beobachtungen und Bilder der Mitglieder verfolgen.

Bildbearbeitung: Eine Anleitung zur Bearbeitung von Kometenbildern stellt Gerald Rhemann auf seiner Website bereit (siehe suw.link/2610-AP5). Zur Bearbeitung seiner Aufnahmen nutzt er die kostenpflichtigen Programme Photoshop (siehe suw.link/2610-AP6) sowie StarXTerminator (siehe suw.link/2610-AP7). Eine kostenfreie Alternative bietet das Programm Fitswork (www.fitswork.de).

Eliminierung störender Einflüsse: Helligkeitsverläufe des Bildhintergrunds lassen sich mithilfe der kostenfreien Software GraXpert eliminieren (graxpert.com). Ebenfalls kostenfrei ist FitsWork mit umfangreichen Funktionen. Empfehlenswert ist zudem der kostenpflichtige GradientXTerminator (siehe suw.link/2610-AP8). Bei demselben Anbieter ist die Software NoiseXTerminator erhältlich, die ihre Stärken bei der Reduzierung des Bildrauschens ausspielt (siehe suw.link/2610-AP9). Sie eignet sich für die Beseitigung von Gradienten und erhöht die Brillanz der Aufnahmen.

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  • Quellen

Rhemann, G., Faszination Kometenfotografie, Sterne und Weltraum 1/2020

Sackenheim, F., Den Himmel fotografieren mit Kamera und Stativ, Sterne und Weltraum 5/2022

Sackenheim, F., Mit Kamera und Teleskop zum perfekten Astrofoto, Sterne und Weltraum 2/2024

Sackenheim, F., Die richtige Aufnahmetechnik für Galaxien, Sternhaufen und Nebel, Sterne und Weltraum 3/2024

Sackenheim, F., Astrofotos mit Bildbearbeitung in Szene setzen, Sterne und Weltraum 6/2024

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