Astronomie mit dem Fernglas: Zwei Schatztruhen am Fuß der Milchstraße

Wer auf dem Land oder in den Bergen geduldig den späten Beginn einer kurzen, mondlosen Sommernacht abwartet, wird Zeuge, wie sich die Milchstraße mit ihren hellen, wolkenartigen Gebieten über dem südlichen Horizont erhebt. Tief über dem Horizont, wo sich das blasse Sternenband im Dunst zu verlieren scheint, befinden sich die Sternbilder Schütze und Schild. Zu den schönsten Objekten dieser Himmelsregion gehören die offenen Sternhaufen Messier 6 und 7, die schon in einem Fernglas imposant erscheinen. Den 3,4 mag hellen Messier 7 sehen wir unter einem Winkeldurchmesser von rund einem Grad, was zwei scheinbaren Vollmonddurchmessern entspricht. Nur 3,3 Grad weiter nordwestlich von ihm befindet sich der kompakte, gut ein Viertel Grad große, 4,5 mag helle Messier 6. Die beiden Haufen mit ihren 6 bis 7 mag hellen Sternen funkeln bei unruhiger Luft wie kleine Diamanten (siehe »Kosmische Perlen im Dunst«).
Der enorm große Messier 7 ist geradezu ein Paradeobjekt für das Fernglas. Hier erwartet uns ein gutes Dutzend heller Sterne, außen weit verstreut, aber zum Zentrum hin dichter. Man mag vermuten, dass dieser prächtige Haufen erst recht für die Beobachtung im Teleskop geeignet wäre – doch in diesem Fall würde er bei 30-facher Vergrößerung nur knapp in das Gesichtsfeld hineinpassen, und der Haufencharakter ginge somit verloren. Eine handliche Optik reicht völlig aus: In einem 8 × 40-Fernglas brilliert dieses Objekt dank des etwa fünf bis sieben Grad großen Gesichtsfelds. Dieser Eindruck lässt sich noch steigern, indem Sie ein 10 × 50- oder 12 × 50-Fernglas auf einem Stativ montieren oder gut abstützen, damit das Bild nicht zittert. Nun zeigt sich ein weiteres Dutzend Sterne mit Helligkeiten von bis zu 7 mag.
Einen schönen Kontrast zu Messier 7 bildet der benachbarte Sternhaufen Messier 6, der durch seine kompakte Schmetterlingsform besticht. Seine hellsten Sterne scheinen beim Blick durch ein 8 × 40-Fernglas vor einem nebligen Untergrund zu stehen. Mit einer gut montierten 12 × 50-Optik lassen sich auch hier viele der schwächeren, nahe beieinanderstehenden Sterne schon einzeln erkennen – eine wahre Pracht, so tief über dem mitteleuropäischen Horizont, und gerade diese niedrige Stellung ermöglicht ein genussvolles Betrachten ohne jegliche Verrenkungen des Nackens.
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