Direkt zum Inhalt

Astronomie mit dem Fernglas: Zwei Schatztruhen am Fuß der Milchstraße

In den Sommermonaten können Sie bei klarer Sicht tief über dem Südhorizont zwei prächtige Himmelsobjekte bestaunen: die großen offenen Sternhaufen Messier 6 und Messier 7, die sich hervorragend für die Beobachtung mit einem Fernglas eignen.
Silhouette einer Person mit Fernglas vor dem Hintergrund eines dunklen Himmels.
In den Julinächten wird der Nachthimmel in unseren Breiten nicht gänzlich dunkel. Mit einem Fernglas fällt es jedoch leicht, interessante Objekte aufzufinden und zu beobachten.

Wer auf dem Land oder in den Bergen geduldig den späten Beginn einer kurzen, mondlosen Sommernacht abwartet, wird Zeuge, wie sich die Milchstraße mit ihren hellen, wolkenartigen Gebieten über dem südlichen Horizont erhebt. Tief über dem Horizont, wo sich das blasse Sternenband im Dunst zu verlieren scheint, befinden sich die Sternbilder Schütze und Schild. Zu den schönsten Objekten dieser Himmelsregion gehören die offenen Sternhaufen Messier 6 und 7, die schon in einem Fernglas imposant erscheinen. Den 3,4 mag hellen Messier 7 sehen wir unter einem Winkeldurchmesser von rund einem Grad, was zwei scheinbaren Vollmonddurchmessern entspricht. Nur 3,3 Grad weiter nordwestlich von ihm befindet sich der kompakte, gut ein Viertel Grad große, 4,5 mag helle Messier 6. Die beiden Haufen mit ihren 6 bis 7 mag hellen Sternen funkeln bei unruhiger Luft wie kleine Diamanten (siehe »Kosmische Perlen im Dunst«).

Kosmische Perlen im Dunst | Die sich im Süden majestätisch erhebende Sommermilchstraße hält viele Schätze bereit, darunter die eindrucksvollen offenen Sternhaufen Messier 6 und 7 im Sternbild Skorpion. Um sie zu finden, gehen Sie am besten vom benachbarten Sternbild Schütze aus, dessen Form an eine Teekanne erinnert. Für die Aufnahme dieses Bildes nutzte Harald Lutz eine Canon EOS 1100D mit einem 28-Millimeter-Weitwinkelobjektiv bei Blende 2,8. Er belichtete acht Sekunden bei ISO 6400.

Der enorm große Messier 7 ist geradezu ein Paradeobjekt für das Fernglas. Hier erwartet uns ein gutes Dutzend heller Sterne, außen weit verstreut, aber zum Zentrum hin dichter. Man mag vermuten, dass dieser prächtige Haufen erst recht für die Beobachtung im Teleskop geeignet wäre – doch in diesem Fall würde er bei 30-facher Vergrößerung nur knapp in das Gesichtsfeld hineinpassen, und der Haufencharakter ginge somit verloren. Eine handliche Optik reicht völlig aus: In einem 8 × 40-Fernglas brilliert dieses Objekt dank des etwa fünf bis sieben Grad großen Gesichtsfelds. Dieser Eindruck lässt sich noch steigern, indem Sie ein 10 × 50- oder 12 × 50-Fernglas auf einem Stativ montieren oder gut abstützen, damit das Bild nicht zittert. Nun zeigt sich ein weiteres Dutzend Sterne mit Helligkeiten von bis zu 7 mag.

Einen schönen Kontrast zu Messier 7 bildet der benachbarte Sternhaufen Messier 6, der durch seine kompakte Schmetterlingsform besticht. Seine hellsten Sterne scheinen beim Blick durch ein 8 × 40-Fernglas vor einem nebligen Untergrund zu stehen. Mit einer gut montierten 12 × 50-Optik lassen sich auch hier viele der schwächeren, nahe beieinanderstehenden Sterne schon einzeln erkennen – eine wahre Pracht, so tief über dem mitteleuropäischen Horizont, und gerade diese niedrige Stellung ermöglicht ein genussvolles Betrachten ohne jegliche Verrenkungen des Nackens.

WEITERLESEN MIT »SPEKTRUM +«

Im Abo erhalten Sie exklusiven Zugang zu allen Premiumartikeln von »spektrum.de« sowie »Spektrum - Die Woche« als PDF- und App-Ausgabe. Testen Sie 30 Tage uneingeschränkten Zugang zu »Spektrum+« gratis:

Jetzt testen

(Sie müssen Javascript erlauben, um nach der Anmeldung auf diesen Artikel zugreifen zu können)

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

Partnerinhalte

Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalität von Spektrum.de zu erhalten.