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Astronomie und Praxis: Astrofotografie: Wie weit sieht ein Smart-Teleskop?

Prächtige Sternhaufen, farbige Emissionsnebel und ästhetische Spiralgalaxien – dies alles lässt sich mit einem kompakten Smart-Teleskop überzeugend fotografieren. Doch wie tief kann man jenseits solcher Paradeobjekte in den Kosmos vordringen? Zwei Amateurastronomen wagten das Experiment und staunten nicht schlecht.
Eine detaillierte Aufnahme des Weltraums zeigt eine Spiralgalaxie im Zentrum, umgeben von zahlreichen leuchtenden Sternen und kleineren Galaxien. Die Spiralgalaxie hat einen hellen Kern und spiralförmige Arme, die von einem diffusen Licht umgeben sind. Der Hintergrund ist tiefschwarz, was die Helligkeit der Sterne und Galaxien hervorhebt. Dieses astronomische Bild veranschaulicht die Weite und Vielfalt des Universums.
Kosmische Probe | Das mit einem Smart-Teleskop aufgenommene Bild zeigt die helle Galaxie NGC 7331 im Sternbild Pegasus. Darüber hinaus enthält das Foto zahlreiche lichtschwache Hintergrundobjekte. Welches von ihnen ist am weitesten entfernt? Dieser Frage widmeten sich Wolfram Fischer und Charles Dewey.

Smart-Teleskope sind kompakte Teleskope, die ausschließlich für die Astrofotografie konzipiert wurden. Ein derartiges bereits für wenige Hundert Euro erhältliches Gerät wird auf einem kleinen Stativ montiert und ist dann im eigenen Garten oder auf dem Balkon schnell einsatzbereit. Über eine App für die Betriebssysteme iOS oder Android lässt sich das Smart-Teleskop auf ein gewünschtes Himmelsobjekt ausrichten; anschließend nimmt es ganze Bildserien auf und verarbeitet sie intern zu einem Astrofoto. Nach ein wenig Übung entstehen auf diesem Weg Aufnahmen, wie sie bislang nur mit dedizierten Astrokameras an astronomischen Linsen- oder Spiegelteleskopen möglich waren.

In den vergangenen zwei Jahren führten Diskussionen über Smart-Teleskope unter Amateurastronomen beinahe zu einer Sinnkrise, insbesondere unter den gestandenen Astrofotografen. Manch einer belächelt die bei Smart-Teleskopen fehlende visuelle Beobachtungsmöglichkeit sowie den vermeintlich geringen Aufwand bei der Bildgewinnung und -bearbeitung und zweifelt sogar mitunter in der schnell wachsenden Community von Anfängern an deren Verständnis für die eigentliche Materie. Ein Grund mag darin liegen, dass die Objektivdurchmesser und Brennweiten von Smart-Teleskopen vergleichsweise klein sind. Beispielsweise liegen sie bei den populären Modellen Seestar S 30 und S 50 des chinesischen Herstellers ZWO bei 30 beziehungsweise 50 Millimetern. Dass mit derartigen Geräten aber nicht nur Anfängern ein angenehmer Einstieg in die Astrofotografie ermöglicht wird, sondern auch Aufnahmen größerer Himmelsareale mit erstaunlicher Tiefe und Auflösung gelingen, soll die hier vorgestellte Untersuchung belegen.

Für unsere Versuche nutzten wir ein Gerät vom Typ Vespera Pro der französischen Firma Vaonis (vaonis.com) aus Montpellier, Frankreich (siehe »Kompakt und mobil«). Bei diesem Gerät handelt es sich um einen Refraktor mit vierlinsigem Objektiv, einem sogenannten ED-Quadruplet. Das Kürzel »ED« steht für »Extra-low dispersion« und bezeichnet eine Glassorte, welche die bei Objektiven stets unvermeidbaren Farbabweichungen – die Dispersion – auf ein Minimum reduziert. Solche Objektive finden bei hochwertigen Linsenteleskopen, den ED-Refraktoren, häufig Verwendung. Das Objektiv des Vespera Pro hat einen Durchmesser von 50 Millimetern und eine Brennweite von 250 Millimetern, also ein Öffnungsverhältnis von 1:5.

Kompakt und mobil | Bei den Himmelsaufnahmen kam ein Smart-Teleskop vom Typ Vespera Pro zum Einsatz. Das Gerät lässt sich leicht zu jedem Beobachtungsort transportieren und auf einem Stativ montieren.

Das Vespera Pro verfügt über einen Kamerasensor des Typs Sony IMX 676 Starvis 2. Dieser Chip erlaubt eine Bildauflösung von 3536 × 3536 Pixeln (12,5 Megapixel) bei einer Pixelgröße von zwei Mikrometern (2 µm). Derart kleine Pixel erweisen sich für den astrofotografischen Einsatz als sinnvoll (siehe »Beugungsscheibchen und Bayer-Matrix«).

Beugungsscheibchen und Bayer-Matrix

Selbst bei einem Teleskop mit fehlerloser Optik beeinträchtigen zwei Effekte die erreichbare Bildschärfe: die atmosphärische Luftunruhe (englisch: seeing) und die Beugung des Sternlichts an der Eintrittsöffnung des Teleskops. Das Seeing führt dazu, dass Sterne nicht als Lichtpunkte, sondern als mehr oder weniger große Lichtflecken, sogenannte Seeing-Scheibchen, zu sehen sind. Im Extremfall sehr unruhiger Luft können die Sterne dann stark verwaschen erscheinen.

Doch selbst wenn der störende Einfluss des Seeings vollständig eliminiert werden könnte, wären die Sterne am Teleskop nicht absolut punktförmig zu sehen: Infolge der Beugung des Lichts erscheint ein Stern mit dem Auge am Okular oder auf dem Sensor einer Astrokamera bei hoher Vergrößerung als winziges Scheibchen, das von kreisförmigen Ringen umgeben ist (siehe »Beugungsbild eines Sterns«). Der Winkeldurchmesser des Beugungsscheibchens in Bogensekunden hängt von der Öffnung des Teleskops ab: Je größer die Öffnung ist, desto kleiner ist das Scheibchen, was einem höheren Auflösungsvermögen und somit einem schärferen Bild entspricht.

Beugungsbild eines Sterns | Die Optik eines Teleskops bildet einen Stern nicht punktförmig ab, sondern als ausgedehntes Beugungsmuster. Für ein Teleskop mit kreisförmiger Eintrittsöffnung, beispielsweise einen Refraktor, ergibt sich das hier dargestellte, im Computer berechnete Bild: ein zentrales Beugungsscheibchen, das von konzentrischen Ringen umgeben ist. Der Winkelabstand θ zwischen dem Zentrum des Beugungsscheibchens und dem ersten Beugungsminimum ist das Auflösungsvermögen der Optik. Dieser Abstand ist größer als der Radius des Scheibchens. Für eine Teleskopöffnung mit dem Durchmesser D und Licht der Wellenlänge λ gilt näherungsweise θ [''] = 0,0252 × λ [nm]/D [cm], wobei λ in Nanometern (nm) und D in Zentimetern (cm) einzusetzen ist; hieraus ergibt sich θ in Bogensekunden ('').

Das für die Himmelsaufnahmen genutzte Smart-Teleskop von Vaonis hat ein Öffnungsverhältnis von 1:5. Theoretisch könnte eine beliebig große fehlerlose Optik mit diesem Öffnungsverhältnis beispielsweise im grünen Spektralbereich, bei einer Wellenlänge von 550 Nanometern, Sternabbildungen mit zentralen Beugungsscheibchen von rund 0,0067 Millimetern Durchmesser liefern, was bei der gegebenen Öffnung einem Winkeldurchmesser von etwa 5,54 Bogensekunden entspricht.

Um Bilddetails mittels quadratischer Pixel aufzulösen, sollten die Pixel zwei- bis dreimal kleiner sein als der Durchmesser des Beugungsscheibchens. Dieses theoretische Kriterium ist im vorliegenden Fall erfüllt. Mit den zwei Mikrometer großen Pixeln des Sony-Sensors lassen sich die zentralen Beugungsscheibchen ausreichend genau darstellen: Dem Scheibchendurchmesser von 6,7 Mikrometern entsprechen 3,35 Pixel. Die hinzukommende Luftunruhe führt zu vergrößerten Sternabbildungen, die durch deutlich mehr Pixel dargestellt werden als theoretisch nötig (englisch: oversampling).

Diese Betrachtungen unterstreichen die Sinnhaftigkeit derlei winziger Pixel bei Smart-Teleskopen, auch wenn mit zunehmender Belichtungszeit das Bildwachstum bei Punktlichtquellen wie Sternen dem entgegenwirkt. Wird zur Fotografie ein Farbsensor genutzt, dann ist die resultierende Bildauflösung – je nach Farbanteilen des Himmelsobjekts – mitunter schlechter, da hierbei jeweils vier benachbarte Pixel zu einer Farbinformation verrechnet werden (siehe »Sensor mit Bayer-Maske«).

Sensor mit Bayer-Maske | Bei einem Kamerasensor für Farbaufnahmen sind die Pixel (grau) mit einer Filtermaske überzogen, der sogenannten Bayer-Matrix. Diese besteht aus einer regelmäßigen Anordnung von jeweils vier mal vier Filtern: Zwei grüne, ein roter und ein blauempfindlicher Filter liefern gemeinsam eine Farbinformation. Bei monochromen Himmelsobjekten ist nur ein Teil der Bildelemente aktiv. Beispielsweise leuchten Wasserstoffnebel vorzugsweise im roten Spektralbereich. Somit sind in diesem Fall die roten Bildelemente aktiv, was ein relativ grobes Raster erzeugt. Eine höhere Bildauflösung ergibt sich für Objekte, die sowohl im roten als auch im grünen und blauen Bereich leuchten; das Raster ist nun feiner, da alle Elemente am Aufbau des Bildes beteiligt sind.

Der Himmel als Mosaik

Zur Auswertung gelangte das Bildmosaik einer 2,4 × 2,4 Grad großen Region im nördlichen Teil des Sternbilds Pegasus (siehe »Tiefer Blick in den Kosmos«). In der Mitte des Himmelsfelds befindet sich die Galaxiengruppe Stephans Quintett (siehe »Prominente Galaxiengruppe«). Im betrachteten Himmelsgebiet des Mosaiks liegt ferner die helle Galaxie NGC 7331. Die für das Mosaik verwendeten 1800 Aufnahmen mit jeweils zehn Sekunden Belichtungszeit wurden in einer dunklen Neumondnacht im August 2025 unter guten Beobachtungsbedingungen gewonnen: bei einer Himmelshelligkeit von durchschnittlich 21,5 Magnituden pro Quadratbogensekunde (mag/arcsec²), einer Umgebungstemperatur von 10 Grad Celsius und einer Luftfeuchte von circa 60 Prozent.

Tiefer Blick in den Kosmos | Diese 2,4 × 2,4 Grad große Region im Sternbild Pegasus nahmen Wolfram Fischer und Charles Dewey mit einem Smart-Teleskop vom Typ Vespera Pro auf. Insgesamt 1800 Aufnahmen à zehn Sekunden Belichtungszeit flossen in dieses Bildmosaik ein. In der Bildmitte befindet sich die Galaxiengruppe Stephans Quintett, links oberhalb davon die helle Galaxie NGC 7331. Darüber hinaus ließen sich in diesem Himmelsausschnitt zahlreiche Galaxien in kosmologischen Distanzen identifizieren.
Prominente Galaxiengruppe | Der Ausschnitt aus dem zentralen Bereich des großen Bildmosaiks zeigt in der Bildmitte die 14 bis 17 mag hellen Galaxien von Stephans Quintett. Benannt wurde diese Gruppe nach dem französischen Astronomen Édouard Jean-Marie Stephan, der sie im 19. Jahrhundert entdeckte. NGC 7320C mit einer Rotverschiebung von z = 0,00149 ist uns näher als alle übrigen hier bezeichneten Galaxien, deren Rotverschiebungen bei rund 0,02 liegen.

Das Gesichtsfeld einer Einzelaufnahme mit dem Vespera Pro beträgt 1,6 × 1,6 Grad. Der Mosaikmodus ist eine erweiterte Funktion – bei Vaonis heißt sie »CovalENS« – , die es ermöglicht, ein bis zu vierfach größeres Himmelsfeld als bei der oben genannten klassischen Beobachtung aufzunehmen, also bis zu 3,2 × 3,2 Grad als Quadrat oder entsprechend großes Rechteck. Die Wahl des Gesichtsfelds richtet sich dabei nach dem interessierenden Objekt und wird per App, beispielsweise mithilfe eines Smartphones, gesteuert.

Die Akquisition der Daten, das Live-Stacking der Einzelbilder, die Gewinnung und Subtraktion von Dunkelbildern (englisch: dark frames) sowie die Flatfield-Korrektur erledigen Smart-Teleskope automatisiert und in Echtzeit. Nach Abschluss einer Aufnahmeserie stehen unterschiedliche Optionen einer Nutzung des finalen Bildes zur Verfügung. Sowohl Einzel- als auch Summenbilder lassen sich beispielsweise in den Formaten JPG, FITS oder TIFF als unkomprimierte 16-Bit-Daten speichern. Für die astrofotografische Weiterbearbeitung eignen sich jedoch vor allem die finalen TIFF-Summenbilder, deren Größe, je nach gewähltem Mosaik, zwischen 50 und 130 Megabyte beträgt. Mit dem Programm PixInsight der spanischen Firma Pleiades Astrophoto S.L. (pixinsight.com) haben wir unsere Aufnahmen geringfügig nachbearbeitet.

Erstaunliches Ergebnis

Auf der Grundlage jahrelanger Erfahrung mit eigenen Online-Galaxienverzeichnissen konnten wir die Tiefe unserer Mosaikaufnahme und damit das wahre Leistungsvermögen des verwendeten Smart-Teleskops überprüfen. Das Bild drang zu Objekten jenseits der in der Astronomie gebräuchlichen Objektkataloge NGC, IC, UGC, PGC und LEDA vor, in denen sich zahlreiche Galaxien finden. Von den lichtschwachen Objekten ist in unserem Bildmosaik außer Punktquellen oder leicht deformierten Pünktchen natürlich kaum etwas erkennbar. Dies ist bei Objekten in der Nähe der Nachweisgrenze jedoch der Regelfall, und selbst professionelle Datenbanken müssen hierbei oft passen: Zu groß sind die Anzahl schwächerer Galaxien und der Aufwand solcher Messungen, um beispielsweise die Rotverschiebung zuverlässig bestimmen zu können.

Die mit dem Formelbuchstaben z bezeichnete Rotverschiebung ist in der Kosmologie eine bedeutende Größe, da sie direkt messbar ist: Zerlegt man das Licht einer Galaxie in seine einzelnen Farben, entsteht ein Spektrum mit feinen Linien. Je weiter das so beobachtete Objekt von uns entfernt ist, desto weiter werden die Linien zu größeren Wellenlängen verschoben. Die Ursache dieser Rotverschiebung ist kosmologischer Natur: Das von der Galaxie ausgesandte Licht musste auf seinem Weg zur Erde den expandierenden Raum durchlaufen, und zwar umso länger, je weiter die betrachtete Galaxie von uns entfernt ist. Währenddessen werden die Wellenlängen des Lichts gedehnt, und das Spektrum erscheint rotverschoben.

Nur punktuell liegen auch für schwache Objekte Rotverschiebungen vor, beispielsweise wenn es darum geht, eine eventuelle Zugehörigkeit zu einer benachbarten helleren Galaxie nachzuweisen. Unsere Recherchen in astronomischen Datenbanken ergaben, dass sich im aufgenommenen Bildfeld sogar Quasare befinden müssen: extrem leuchtkräftige Kerne aktiver Galaxien in kosmologischen Distanzen. Ihre scheinbaren Helligkeiten liegen allerdings jenseits von 19 mag, weshalb sie von unserer Aufnahme nicht mehr erfasst wurden.

Um die scheinbare Helligkeit der schwächsten in unserem Bild enthaltenen Objekte – die sogenannte Grenzgröße – zu ermitteln, haben wir für eine Auswahl von Sternen die entsprechenden Helligkeiten im Archiv DR3 des Astrometriesatelliten Gaia recherchiert (siehe suw.link/2604-AP1). Dort sind für jedes Objekt mehrere Helligkeitsangaben verfügbar: Mean BP und Mean RP bezeichnen die mit Farbfiltern im blauen (B) beziehungsweise roten Spektralbereich (R) gemessenen Helligkeiten. Ferner bezeichnet Mean G die Helligkeit des Objekts im gesamten optischen Spektralbereich, wobei der entsprechende Filter im grünen Spektralbereich (G) maximal lichtdurchlässig ist (siehe »Die Farben von Gaia«).

Die Farben von Gaia

Die Empfindlichkeitsgrenze einer Himmelsaufnahme ist die scheinbare Helligkeit der schwächsten auf dem Bild noch sichtbaren Sterne in Magnituden (mag). Sie wird auch als Grenzgröße bezeichnet. Für das vorliegende Bildmosaik wurde die Grenzgröße ermittelt, indem einige schwache Sterne, die gerade noch sichtbar waren, im Datenarchiv DR3 (Data Release 3) des Astrometriesatelliten Gaia identifiziert wurden. Bei der Angabe der so ermittelten Grenzgröße ist darauf zu achten, dass die im DR3 angegebenen Helligkeiten sich von den in der Astronomie üblicherweise genutzten Sternhelligkeiten unterscheiden.

Sternhelligkeiten beziehen sich in der Astronomie üblicherweise auf das UBV-System: ein in den 1950er Jahren von dem US-amerikanischen Astronomen Harold Johnson (1921 – 1980) eingeführtes System, in dem die Helligkeiten im ultravioletten (U), im blauen (B) und im grünen Spektralbereich (V) gemessen werden. Das heute genutzte UBV-System wurde von dem südafrikanischen Astronomen Allen Cousins (1903 – 2001) verfeinert und um den Rotfilter (Rc) sowie um den Nahinfrarotfilter (Ic) erweitert (siehe »Vergleich zweier Filtersysteme«).

Vergleich zweier Filtersysteme | Dargestellt sind die Durchlässigkeit (Transmission) der Farbfilter von Gaia (oben) sowie der Filter des klassischen UBVRI-Systems nach Johnson und Cousins (unten). Die für Helligkeitsangaben des Data Release DR3 von Gaia verwendeten Farbfilter GBP (blaue Kurve), GRP (rote Kurve) und G (grüne Kurve) umfassen jeweils einen größeren Spektralbereich als die schmaleren Filter des UBVRI-Systems; hier werden die Sternhelligkeiten in den Spektralbereichen U (Ultraviolett), B (Blau), V (Visuell, Grün), Rc (Rot) und Ic (Infrarot) gemessen.

Der Kamerasensor von Gaia ist für Licht mit Wellenlängen von 300 bis 1100 Nanometern (milliardstel Metern) empfindlich. Dieser Spektralbereich wurde mithilfe von Breitbandfiltern in eine kurzwellige Hälfte (BP) und eine langwellige Hälfte (RP) unterteilt. Der Anteil des jeweils hindurchgelassenen Lichts, der sogenannte Transmissionsgrad, ist in den Bereichen BP und RP unterschiedlich groß: Im langwelligen Bereich ist die Transmission etwas höher, was bei der Ermittlung der Helligkeit von Himmelsobjekten zu berücksichtigen ist. Mean G ist der Mittelwert hiervon und somit ein Maß für die Helligkeit im gesamten Empfindlichkeitsbereich des Sensors. Da die breiteren Filter von Gaia mehr Licht hindurchlassen als die Filter des UBV-Systems, dürften die U-, B- und V-Helligkeiten der lichtschwächsten im Bildmosaik enthaltenen Objekte geringer sein als die mit den Daten von Gaia ermittelten Helligkeiten.

So hat der in unserem Bildfeld enthaltene Stern Gaia DR3 1 903 157 153 400 143 744 die Helligkeiten Mean G = 18,49 mag, Mean BP = 19,42 mag, Mean RP = 17,58 mag. Noch schwächer ist der Stern Gaia DR3 1 903 179 933 906 688 384 mit den Werten Mean G = 18,84 mag, Mean BP = 19,66 mag, Mean RP = 18,02 mag (siehe »Helle und lichtschwache Objekte«).

Helle und lichtschwache Objekte | Dieser Ausschnitt aus dem großen Bildmosaik zeigt die 46 Millionen Lichtjahre entfernte Galaxie NGC 7331 und ihre Umgebung. Nördlich der Galaxie befinden sich die zur Schätzung der Grenzgröße genutzten Sterne Gaia DR3 1903157153400143744 und Gaia DR3 1903179933906688384. Ihre scheinbaren Helligkeiten liegen bei rund 19 mag. Unten im Bild befindet sich eines der fernsten Objekte des gesamten Bildmosaiks: die Galaxie WISEA J223640.87+341319 mit einer Rotverschiebung von z = 0,0872. Die hierfür berechnete Lichtlaufzeit beträgt 1,09 Milliarden Jahre.

Demnach liegt die Grenzgröße unserer Aufnahme für punktförmige Objekte etwa bei 19 mag. Bei Galaxien ist sie etwas geringer, da diese Objekte ausgedehnt und nebelhaft sind, mit einer hellen Kernregion. Hingegen können ferne elliptische Galaxien und kompakte Galaxien mit hoher Flächenhelligkeit nahezu punktförmig erscheinen. Sie lassen sich daher noch bis in große Entfernungen nachweisen – so auch die »Rekordobjekte« in unserem Bildmosaik.

Eine weitere in der Kosmologie häufig verwendete Angabe ist die Lichtlaufzeit. Im einfachsten Fall berechnet man sie aus derjenigen Strecke in Lichtjahren, die das Licht vom Objekt bis zu uns zurückgelegt hat, dividiert durch die Lichtgeschwindigkeit c. Da der Raum expandiert, entspricht dieser Zeit aber weder die Entfernung des Objekts zu dem Zeitpunkt, als das Licht auf Reisen ging, noch dessen heutige Entfernung – und auch nicht diejenige Zeit, die ein von uns ausgesandtes Lichtsignal heute dorthin benötigte. Nur in kosmologischer Nähe zu unserer Galaxis – bis zu einer Rotverschiebung von = 0,1, also einer Lichtlaufzeit von etwa 1,2 Milliarden Jahren – ist diese vereinfachte Sicht in Anbetracht der Unsicherheiten hinnehmbar.

Grundsätzlich sollte der populäre Begriff »Entfernung« bei fernen Galaxien sehr genau spezifiziert werden, zum Beispiel als Leuchtkraft- oder Winkeldistanz. Der Grund: Die Distanz, die aus der Lichtlaufzeit durch Multiplizieren mit c resultiert, wird in einem beschleunigt expandierenden Universum mit wachsender Rotverschiebung ein zunehmend schlechter geeignetes Entfernungsmaß. Präziser und vom kosmologischen Modell unabhängig ist die Angabe der Rotverschiebung z der betrachteten Galaxie.

Zur Verifizierung der in unserem Bildmosaik enthaltenen Objekte und zur Recherche von Angaben nutzten wir zunächst die Datenbank SIMBAD der Universität Straßburg (siehe suw.link/2604-AP2). Mithilfe der dort ermittelten Objektbezeichnungen oder Koordinaten setzten wir unsere Suche in der US-amerikanischen NASA/IPAC Extragalactic Database (NED) fort (siehe suw.link/2604-AP3). Im Fall sehr lichtschwacher Objekte wird man zumeist nur dort fündig; so entnahmen wir diesem Archiv sämtliche Rotverschiebungen.

In der Regel kennen wir den Bewegungszustand der Galaxien im Raum nicht: Gehört eine Galaxie einem Haufen an, so wird ihre Bewegung durch das Schwerefeld des Haufens und Begegnungen mit benachbarten Galaxien beeinflusst. Ihre individuelle Geschwindigkeit überlagert sich dann mit dem Anteil der kosmologischen Expansion und beeinflusst somit die gemessene Rotverschiebung. Vernachlässigt man diesen Effekt und deutet die Rotverschiebung lediglich als kosmologische Expansion, darf die aus z berechnete Lichtlaufzeit Lz nur als Schätzung betrachtet werden.

Bei besonders fernen Objekten in unserem Bildmosaik haben wir neben der Angabe der Rotverschiebung z jeweils die Lichtlaufzeit Lz (englisch: light travel time) vermerkt, die sich mithilfe von Ned Wright's Javascript Cosmology Calculator aus z berechnen lässt (siehe suw.link/2604-AP4). Dieser Schritt setzt die Kenntnis des Hubble-Parameters H0 voraus: der Rate, mit welcher der Raum innerhalb einer Sekunde expandiert. Wir verwendeten ein Ergebnis aus den Gaia-Daten: 73,5 Kilometer pro Sekunde und Megaparsec. Demzufolge entfernt sich eine Galaxie in einer Distanz von einem Megaparsec (3,26 Millionen Lichtjahren) infolge der kosmologischen Expansion scheinbar mit der Geschwindigkeit von 73,5 Kilometern pro Sekunde von uns.

Als weitere kosmologische Parameter legten wir unseren Berechnungen von Lz ein geometrisch flaches Universum zugrunde, mit einer Materiedichte von 0,27 und einer Vakuumenergiedichte von 0,73 – konservative Werte, denn die im Cosmology Calculator voreingestellten Eingaben bedingen etwas größere Lichtlaufzeiten. Die Rotverschiebungen der meisten von uns verifizierten Galaxien liegen im Bereich von = 0,02 bis 0,03, was unter den genannten Voraussetzungen einer Lichtlaufzeit von etwa 260 bis 390 Millionen Jahren entspricht. Die Lichtlaufzeit der fernsten von uns nachgewiesenen Galaxie beträgt, gemäß den gewählten Einstellungen im Cosmology Calculator, 2,245 Milliarden Jahre.

Didaktisch wertvoll

Aktuelle Smart-Teleskope erreichen dank fortschrittlicher Softwarealgorithmen und sensorgestützter Bildverarbeitung eine bemerkenswerte Annäherung an klassische Premiumoptiken. Während diese aufgrund überlegener optischer Korrektur und mechanischer Präzision als Referenz für maximale Bildqualität gelten, liefern Smart-Teleskope bezogen auf Aufwand, Bedienkomfort und Portabilität ein ausgezeichnetes Verhältnis zwischen Leistungsfähigkeit und Effizienz. Vielleicht wird die Zukunft der Amateurastrofotografie sogar in einer Hybridisierung beider Ansätze liegen: einer Kombination hochwertiger Optik mit KI-gestützter Bildverarbeitung in Echtzeit – ein vielversprechendes Potenzial, vor allem bei einer hoffentlich wieder frühzeitigeren astronomischen Ausbildung an unseren Schulen.

Deshalb mögen die hier vorgestellten Beobachtungen und Auswertungen als Beispiel für einen didaktisch nutzbaren Einsatz von Smart-Teleskopen dienen. Wir hoffen, auf diese Weise zur Versachlichung der Kontroverse über Sinn, Qualität und Aussagekraft von Beobachtungen mit diesen neuartigen Geräten beizutragen.

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  • Quellen
Bastian, U.: Kosmische Entfernungen. Sterne und Weltraum 8/2024, S. 8
Bresseler, P.: Deep-Sky-Objekte – kurz belichtet. Sterne und Weltraum 2/2020, S. 72 – 77
Fischer, W., Beugungstheoretische Auflösung? – Na klar! Interstellarum 11/1996, S. 48 – 52
Hattenbach, J., Das eVscope: Per Smartphone-App zum Astrofoto. Sterne und Weltraum 10/2020, S. 70 – 77
Hattenbach, J., Smarte Astrokamera: Himmelsfotografie mit Stellina. Sterne und Weltraum 1/2021, S. 82 – 88
Jordan, S., Gaias neuer Datenschatz. Sterne und Weltraum 8/2022, S. 22 – 88
Pössel, M., Astrofotografie leicht gemacht: Die Smartscopes Seestar S 50 und S 30. Sterne und Weltraum 3/2026, S. 62 – 67

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