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Beobachtungstipps im Oktober: Planetengetümmel am Herbsthimmel

Der Abendhimmel gehört im Oktober den Riesen Jupiter und Saturn, die sich in bestem Licht zeigen. Merkurs Morgensichtbarkeit fällt eher durchschnittlich aus, bietet aber eine gute Gelegenheit, den flinken Planeten vor Sonnenaufgang zu betrachten.
Unser Sonnensystem von der Sonne bis zum Neptun
Welcher Planet unseres Sonnensystems ist wann gut zu sehen? Die besten Beobachtungstipps für Oktober.

Merkur ist im Oktober am Morgenhimmel zu finden – in der zweiten Woche des Monats ergibt sich für ihn sogar die beste Morgensichtbarkeit des Jahres. Dabei helfen die steile Ekliptik und Merkurs leicht nördliche ekliptikale Breite. Weniger kooperativ ist sein Winkelabstand zur Sonne, der mit 18 Grad am 8. Oktober, dem Tag seiner größten westlichen Elongation, einen sehr kleinen Maximalwert erreicht – hier wirkt sich die starke Exzentrizität der Merkurbahn aus. Alles in allem ist diese Morgensichtbarkeit also eher durchschnittlich: In den Tagen nach der größten Elongation, zwischen dem 8. und dem 15. Oktober, finden wir den flinken Planeten bei Beginn der sichtbaren Dämmerung (Sonnenstand -6 Grad gegen 07:00 Uhr MESZ) um 10 Grad über dem Osthorizont. Aufsuchhilfen fehlen; auch die Venus steht schon zu nah an der Sonne.

Morgensichtbarkeit von Merkur | Der innerste Planet präsentiert sich im Oktober als Morgenstern, hier jeweils etwa eine Stunde vor Sonnenaufgang. Eine gute Höhe hat er am 9. Oktober.

Venus entschwindet Anfang Oktober endgültig dem Glanz der Sonne. Am 23. Oktober erreicht sie um Mitternacht die obere Konjunktion. Danach ist sie erst im Dezember wieder am Abendhimmel sichtbar.

Mars wandert weiter durch das Sternbild Stier. Dort, zwischen den »Hörnern« der Sterne Beta und Zeta Tauri, macht er am 30. Oktober kehrt und beginnt seine Oppositionsschleife: Für die nächsten Monate scheint er sich falsch herum, das heißt relativ zu den Sternen westwärts zu bewegen. Grund dafür ist, dass die Erde auf der Innenbahn zwischen Sonne und Mars vorbeizieht. Dass sich der Mars der Opposition nähert, sieht man mit bloßem Auge auch an seiner Helligkeit, die im Monatslauf von -0,6 auf -1,2 mag ansteigt. Seine rote Farbe ist nun unübersehbar. Im Teleskop wächst das Marsscheibchen im gleichen Zeitraum von knapp 12 auf 15 Bogensekunden, der Beleuchtungsgrad steigt auf mehr als 93 Prozent. Die Aufgangszeiten des Planeten verfrühen sich von 21:58 Uhr MESZ am 1. Oktober auf 19:13 Uhr MEZ (20:09 Uhr MESZ) am Monatsletzten. Zum Monatsende erreicht Mars gegen 04:20 Uhr MEZ in fast 64 Grad seinen höchsten Punkt. Am Morgen des 15. Oktober passiert der abnehmende Mond den Mars nördlich.

Jupiter wandert nach seiner Opposition im Vormonat rückläufig durch das Sternbild Fische. Er ist mit -2,9 mag schon in der Abenddämmerung im Osten zu sehen. Am Monatsersten kulminiert er um 00:51 Uhr MESZ, am 31. Oktober um 21:41 Uhr MEZ. Auf seiner 49 Bogensekunden großen Scheibe kommen Teleskopbeobachter auf ihre Kosten: Wolkenbänder, Flecken und natürlich zahlreiche Erscheinungen seiner großen Monde sind zu verfolgen. Zwei Ereignisse sollte man sich merken: Am Abend des 19. stehen zwischen 18:12 Uhr und 18:42 Uhr MESZ Ganymed, sein Schatten und der Mond Europa gemeinsam vor der Jupiterscheibe; ab 19:18 Uhr dann Europa, dessen Schatten sowie der Schatten Ganymeds. Auch am 26. Oktober kommt es zu einem sehenswerten Mehrfachereignis: Von 21:54 Uhr bis 22:05 Uhr MESZ stehen wieder Ganymed und Europa sowie Europas Schatten vor Jupiter, zwischen 22:15 Uhr und 22:56 Uhr Europa, sein Schatten und der von Ganymed. Nachdem Europa an der Jupiterscheibe vorbeigezogen ist, sind die beiden Schatten noch bis 00:22 Uhr am 27. Oktober gemeinsam zu sehen. Der fast volle Mond passiert Jupiter am Abend des 8. Oktober; er steht nach seinem Aufgang etwa 2,7 Grad südlich des Planeten.

Stillstand im Steinbock | Der Mond »unterwandert« den Saturn am 5. Oktober. Am 23. des Monats beendet der Herr der Ringe seine Oppositionsschleife und steht scheinbar am Himmel still.

Saturn gerät am 23. Oktober ein halbes Grad nordöstlich des 4,3 mag hellen Sterns Iota Capricorni im Sternbild Steinbock in Stillstand und beendet damit seine Oppositionsschleife. Wir finden ihn am Abendhimmel; bei Ende der Dämmerung steht er, 0,7 mag hell, rund 20 Grad über dem Südsüdosthorizont. Seine Kulminationszeiten verfrühen sich vom 1. bis zum 31. Oktober von 22:05 Uhr auf 18:06 Uhr, seine Untergänge entsprechend von 02:50 Uhr auf 00:49 Uhr. Er erreicht maximal 23 Grad Höhe. Damit ist er bequem vor Mitternacht zu beobachten. Im Fernrohr erscheint die Saturnscheibe knapp 18 Bogensekunden groß, seine Ringe dehnen sich über 40 Bogensekunden aus. Der zunehmende Mond passiert Saturn am Abend des 5. Oktober 4,5 Grad südlich.

Uranus nähert sich seiner Opposition am 9. November. Am 1. Oktober geht er um 20:13 Uhr MESZ auf und kulminiert gegen 03:40 Uhr in 57 Grad Höhe. Bis zum Monatsletzten verfrühen sich diese Zeiten auf 17:13 Uhr MEZ (18:13 Uhr MESZ) beziehungsweise 00:42 Uhr MEZ. Im mit hellen Sternen nicht gerade gesegneten Sternbild Widder ist er nicht leicht zu finden. Man kann so vorgehen: Zunächst denkt man sich eine Linie von dem hellen Stern Aldebaran (Alpha Tauri) im Stier zu Hamal (Alpha Arietis) im Widder. Ungefähr nahe der Mitte dieser Linie, etwas näher bei Hamal, steht der mit bloßem Auge noch gut sichtbare Stern Delta Arietis – er ist der hellste in dieser Region. Uranus steht 3,5 Grad südwestlich von Delta Arietis. Er ist mit 5,7 mag unter dunklem Himmel mit bloßem Auge zu sehen, besser noch im Fernglas. Im Teleskop erscheint der Planet bei hoher Vergrößerung als blassgrüne, 3,7 Bogensekunden große Scheibe.

Neptun stand Mitte September in Opposition und ist im Oktober noch fast die gesamte Nacht zu beobachten. Im östlichen Wassermann, 5,5 Grad nordöstlich des Sterns Phi Aquarii (4,2 mag) gelegen, kulminiert er am Monatsersten um 00:15 Uhr MESZ, am 31. Oktober genau zwei Stunden früher. Er erreicht dabei eine Höhe von 36 Grad. Mit 7,7 mag scheinbarer Helligkeit kann man den äußersten Planeten des Sonnensystems nur mit optischer Hilfe sehen. Ein Fernrohr zeigt ihn bei hoher Vergrößerung und ruhiger Luft als 2,3 Bogensekunden große, blassblaue Scheibe. Ab etwa 200 Millimeter Teleskopöffnung lässt sich auch der 13,5 mag helle Neptunmond Triton erkennen. Er steht stets zwischen rund 8 und 17 Bogensekunden neben seinem Planeten.

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