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Beobachtungstipps im November: Uranus steht in Opposition

Mars ist auf dem Weg zur Opposition und dominiert das Sternbild Stier. Wo Mars noch hinmuss, ist Uranus schon: Er erreicht am 9. November seine Oppositionsstellung im Widder.
Der Gasriese Uranus, siebter Planet im Sonnensystem
Uranus steht am 9. November im Sternbild Widder in Opposition. Er ist dort mit 5,7 mag als schwaches Sternchen mit bloßem Auge zu sehen.

Merkur erreicht am 8. November die obere Konjunktion. Er wandert aus Erdsicht hinter der Sonne vorbei und bleibt auch danach im gesamten Monatsverlauf unsichtbar.

Venus stand am 22. Oktober in oberer Konjunktion. Der drittkleinste Planet unseres Sonnensystems entfernt sich ostwärts von der Sonne, erreicht aber bis Ende November keinen ausreichenden Winkelabstand für eine Abendsichtbarkeit.

Mars nähert sich mit Riesenschritten seiner Opposition am 8. Dezember: Er wandert rückläufig durch das Sternbild Stier und erscheint bald nach Ende der Dämmerung am Nordosthorizont, ist also fast die gesamte Nacht über zu sehen, vor allem zum Ende des Monats. Seine scheinbare Helligkeit steigt von –1,2 auf –1,9 mag bis zum Monatsletzten. Dabei ist seine charakteristische rote Farbe mit bloßem Auge problemlos sichtbar. Sie stammt von Eisenoxidverbindungen auf seiner staubigen Oberfläche. Diese zeigt sich nun schon in kleinen Fernrohren – ruhige Luft vorausgesetzt – mit dunklen Flecken gesprenkelt, den Albedostrukturen. Sie stellen keine geologischen Unebenheiten dar, sondern sind Gebiete geringeren Reflexionsvermögens (Albedo), in denen der rote Marsstaub den Blick auf dunklere Gesteinsschichten frei gibt. Auch die hellen, aus Wasser- und Kohlendioxideis bestehenden Polkappen sollten erkennbar sein. In diesem Jahr bekommen wir einen guten Blick auf beide Mars-Hemisphären, denn die Tag-und-Nacht-Gleiche, der nördliche Frühlingsanfang auf dem Mars, fällt auf den 26. Dezember. Zum Ende des langen Südsommers sollte die südliche Polkappe recht klein sein, die nördliche könnte hingegen im November noch von einem Eisnebel, der Polhaube, überzogen sein. Die Marsscheibe wächst vom 1. auf den 30. November von 15 auf 17,2 Bogensekunden. Diese im Vergleich zu den vorherigen Marssichtbarkeiten eher bescheidenen Werte werden durch die Kulminationshöhe von 65 Grad wettgemacht – endlich kann man den Roten Planeten wieder hoch am Himmel sehen! Der Mond passiert Mars vom 10. auf den 11. November nördlich.

© typeshift.io / Spektrum der Wissenschaft
Uranus in Opposition
Acht Planeten und der Zwergplanet Pluto kreisen um die Sonne. An manchen Tagen stehen sie in besonderer Position zueinander. Die Folge: Verfinsterungen, Konjunktionen, Oppositionen. Wann was geschah und wann das nächste besondere Ereignis bevorsteht, zeigt die Grafik.

Jupiter gerät am 24. November im Sternbild Fische in Stillstand und beendet damit seine Oppositionsschleife. Wir finden ihn, –2,7 mag hell, nach Ende der Abenddämmerung halbhoch im Südosten. Er wird zum Objekt der ersten Nachthälfte: Am Monatsersten kulminiert der Planet um 21:36 Uhr MEZ und geht um 03:31 Uhr des folgenden Morgens unter; bis zum Monatsletzten verschieben sich diese Zeiten auf 19:40 Uhr beziehungsweise 01:37 Uhr; seine Kulminationshöhe beträgt rund 38 Grad. Die über dem Äquator gemessen, 46 Bogensekunden große Jupiterscheibe bietet Gelegenheit für ausgiebige Teleskopbeobachtungen – besonders den 2. und den 10. November sollte man sich vormerken: Dann nämlich zeigen sich zusätzlich zwei Monde und deren Schatten vor dem Planeten. Am 2. des Monats sind ab 23:32 Uhr Ganymed, Europa und Europas Schatten vor Jupiter zu sehen, ab 01:22 Uhr am folgenden Morgen, wenn die Monde die Planetenscheibe bereits verlassen haben, die Schatten beider Monde. Am 10. November ziehen ab 01:14 Uhr wiederum Ganymed und Europa vor Jupiter vorbei, ab 02:08 Uhr gesellt sich Europas Schatten dazu. Die hellen Monde lassen sich nur bei guten atmosphärischen Bedingungen, fachsprachlich als ›Seeing‹ bezeichnet, und hoher Vergrößerung von der Jupiterscheibe unterscheiden; die Schatten hingegen fallen auf: Sie wirken wie pechschwarze, ausgestanzte Löcher im Planeten. Weitere Jupitermondereignisse sind in der Tabelle angegeben. Der zunehmende Mond steht am Abend des 4. November drei Grad südlich.

Jupiter in den Fischen | Der größte Planet des Sonnensystems wird zum Objekt der ersten Nachthälfte und begegnet am 4. November dem Mond. Am 24. des Monats gerät der Gasriese in Stillstand.

Saturn ist ein Planet des Abendhimmels und steht nach Ende der Dämmerung im Süden. Seine Kulminationshöhe beträgt knapp 24 Grad, seine scheinbare Helligkeit sinkt leicht von 0,7 auf 0,8 mag. Er bietet sich zur Beobachtung am frühen Abend an. Am 1. November geht der Ringplanet um 23:42 Uhr MEZ unter, am Monatsletzten schon um 21:55 Uhr; bereits eine Stunde zuvor versinkt er in den horizontnahen Dunstschichten. Im Teleskop zeigt sich Saturn 16,5 Bogensekunden groß. Sein Ringsystem misst 38 Bogensekunden und ist zu 15 Grad geöffnet. Der Mond besucht Saturn in diesem Monat zweimal: Vom 1. auf den 2. des Monats und wieder vom 28. auf den 29., er wandert jeweils südlich am Planeten vorbei.

Uranus steht am 9. November im Sternbild Widder in Opposition. Er ist dort mit 5,7 mag als schwaches Sternchen mit bloßem Auge zu sehen – wenn auch nicht in den Tagen um seine Opposition, in denen er Besuch vom Mond bekommt. Am 8. November wird Uranus sogar vom Vollmond bedeckt. Leider ist dieses Ereignis in Europa gänzlich unbeobachtbar, was umso schmerzlicher ist, als genau zum Zeitpunkt der Bedeckung eine totale Mondfinsternis stattfindet: In Japan beispielsweise wird man den Planeten hinter dem vollständig verfinsterten Erdtrabanten verschwinden sehen – auf die Bilder des grünlichen Uranus neben dem roten, verdunkelten Mond dürfen wir uns freuen! Trösten wir uns mit der Aussicht auf unsere Uranusbedeckung hier zu Lande, dann natürlich bei normalem, zunehmendem Mond, im kommenden Dezember und die Möglichkeit, den Planeten mit dem Fernrohr betrachten zu können: Er zeigt sich darin bei hoher Vergrößerung als 3,8 Bogensekunden großes Scheibchen mit blassgrüner Farbe. Unter guten Bedingungen sind in größeren Amateurfernrohren zwei bis vier Monde sichtbar: Titania und Oberon sind mit 13,9 beziehungsweise 14,1 mag zur Opposition die einfacheren beiden, Ariel (14,3 mag) und vor allem Umbriel (14,9 mag) sind eine Herausforderung. Bei einer Kulminationshöhe von mehr als 56 Grad sind die Chancen auf gutes Seeing gegeben.

Neptun wandert rückläufig durch den Wassermann. Den 7,7 mag hellen Planeten findet man mit Hilfe des strahlenden Jupiters in den benachbarten Fischen und des 4,2 mag hellen Sterns Phi Aquarii: Er liegt recht nahe der Mitte der Verbindungslinie zwischen den Objekten. Seine geringe Geschwindigkeit vor dem Sternhintergrund und Jupiters Stillstand Ende November gewährleisten diese Aufsuchhilfe für den gesamten Monat. Im Teleskop erscheint Neptun 2,3 Bogensekunden groß. Er geht zur Monatsmitte gegen 02:00 Uhr MEZ unter.

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