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Reptilien: Auch Pythons kennen Mutterliebe

Von wegen kaltblütig: Afrikanische Felsenpythons kümmern sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs. Auch wenn die Bilder wimmelnder Schlangenleiber manchen vielleicht erschrecken.
Babyschlangen in der Sonne

Die Felsenpythons (Python natalensis) Südafrikas müssen mit einem Problem zurechtkommen, das ihre weiter nördlich, in wärmeren Gebieten lebenden Verwandten nicht kennen. Nachts wird es hier konstant so kalt, dass die Temperaturen nicht mehr ausreichen, um die Eier der Reptilien auszubrüten. Und auch tagsüber liegen die Durchschnittstemperaturen in den unterirdischen Nesthöhlen dafür immer wieder zu niedrig. Die Schlangen müssen deshalb ihre Eier aktiv wärmen, damit diese es mit rund 28 Grad Celsius ausreichend kuschelig haben. Doch die Fürsorge endet nicht, wenn die Jungtiere schlüpfen, wie Graham Alexander von der University of the Witwatersrand und sein Team im "Journal of Zoology" schreiben. "Wir haben erstmals beobachtet, dass sich bei Eier legenden Schlangen die Mütter um ihre Babys kümmern", erzählt Alexander in einer Mitteilung.

Für ihre Studie hatten die Biologen 37 Felsenpythons besendert, von denen acht während der Beobachtungszeit in Erdferkelbauten ablegten. Diese wurden dann mit Hilfe von Infrarotkameras gefilmt. Während der sechsmonatigen Aufzucht kümmern sich die Schlangen aufopferungsvoll um die Kleinen: Sie fressen die ganze Zeit nichts, weil sie nicht jagen kriechen können, und verlieren deswegen bis zu 40 Prozent ihres Gewichts. Gleichzeitig färben sie sich in dieser Zeit schwarz, was Alexander als "fakultativen Melanismus" bezeichnet. Die Tiere dunkeln wahrscheinlich aus einem speziellen Grund ein: Um ihren Nachwuchs nachts wärmen zu können, legen sich die Pythons tagsüber immer wieder in die Sonne. So heizen sie sich auf – was schneller und leichter geschieht, wenn sie möglichst schwarz sind.

Im Gegensatz zu anderen Schlangen muss diese Pythonart die Sonne nutzen, da sie sich beispielsweise nicht über Muskelzittern erwärmen kann. Durch die Sonne erreicht ihre Körpertemperatur bis zu 40 Grad Celsius, was für die Tiere nicht ganz risikolos ist: Nur wenige Grad mehr können für sie tödlich enden. Im Mittel sind Schlangenmütter um fünf Grad Celsius wärmer als nachwuchslose Artgenossinnen. Derart warm legen sie sich dann auf die Eier und Jungtiere.

Um sich von den ganzen Strapazen zu erholen, benötigen die Felsenpythons relativ lang. Sie legen deshalb nur alle zwei bis drei Jahre Eier – je nachdem, wie viel Beute sie nach Ende dieser Phase fangen. Die Schlangenmännchen tragen zur erfolgreichen Aufzucht nichts bei, doch lernten die Biologen auch von ihnen etwas überraschend Neues: Sie verfolgen teilweise mehrere Monate lang und über Kilometer hinweg empfängnisbereite Weibchen, bis sie diese eingeholt haben und sich mit ihnen paaren können.

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