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Brutpflege: Auch Spinnen säugen ihren Nachwuchs

Säugetiere versorgen ihren Nachwuchs am Anfang des Lebens auf eine Art und Weise mit Milch, die im Tierreich ihresgleichen sucht. Nun haben Forscher ein ähnliches Verhalten bei Springspinnen beobachtet.
Springspinnen haben gute Augen und sensible Tasthaare

Bei Springspinnen der Art Toxeus magnus haben Wissenschaftler ein Verhalten festgestellt, das verdächtig stark an das Fütterungsprozedere bei Säugetieren erinnert: Der Nachwuchs der Spinnen ernährt sich für einen relativ langen Zeitraum offenbar ebenfalls von einer milchähnlichen Flüssigkeit, die die Mutter aus der Geschlechtsöffnung an der Unterseite ihres Hinterleibs absondert. Das berichten Wissenschaftler um Zhanqi Chen von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften im Fachmagazin »Science«.

Die »Spinnenmilch« enthält etwa viermal so viel Eiweiß wie Kuhmilch. In den ersten Lebenstagen der Jungtiere hinterlässt die Mutter die Flüssigkeit auf der Oberfläche ihres Nestes, bevor die jungen Spinnen nach einer Woche schließlich beginnen, sie direkt aus dem Hinterleib des erwachsenen Tieres zu saugen. Bis zu einem Alter von etwa 20 Tagen scheint sich der Spinnennachwuchs ausschließlich auf diese Weise zu ernähren, wie die Forscher in Laborexperimenten beobachten konnten. Anschließend jagen die Tiere am Tag und trinken in der Nacht bis sie ein Alter von rund 40 Tagen – und damit beinahe auch ihre eigene Geschlechtsreife erreichen.

Dass auch Arten, die nicht zu den Säugetieren zählen, bisweilen milchähnliche Flüssigkeiten für die Ernährung ihres Nachwuchses produzieren, ist Wissenschaftlern nicht gänzlich neu. Die Intensität und die Dauer, mit der das Toxeus magnus tut, sei aber erstmals mit dem Stillen bei Mensch und Co vergleichbar, sagen Chen und Kollegen. Das deute darauf hin, dass diese Praxis im Tierreich womöglich verbreiteter ist als bislang angenommen.

49/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 49/2018

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