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News: Auf den zweiten Blick

Dass der Neutronenstern inmitten eines Überrest einer Supernova steht, hielten Forscher bisher für reinen Zufall. Denn der Neutronenstern sei in Wahrheit viel weiter entfernt. Doch eine genaue Entfernungsmessung zeigte: Beide Objekte sind das Ergebnis ein und derselben Sternenexplosion.
Auf den zweiten Blick
Mitunter fügen sich die Dinge wie von selbst - etwa im Fall des Neutronensterns PSR B0656+14, des Monogem-Rings und eines merkwürdigen Überschusses kosmischer Strahlung.

Doch beginnen wir am Anfang: Der Neutronenstern PSR B0656+14 - ein rasend schnell rotierender Pulsar - ist schon seit langem bekannt. Er steht am Himmel im Zentrum des Monogem-Rings, des Überrestes einer Supernova, der seinen Namen bekam, weil er die beiden Sternbilder Monoceros (Einhorn) und Gemini (Zwillinge) umspannt. Lange Zeit schien die Verknüpfung beider Objekte reiner Zufall zu sein, schließlich ist der Monogem-Ring rund 950 Lichtjahre von der Erde entfernt, PSR B0656+14 hingegen 2500 Lichtjahre.

Bei letzterem hingegen hatten sich die Astronomen bisher auf indirekte Methoden zur Entfernungsmessung verlassen müssen - und sich dabei gründlich verschätzt. Denn mit dem Very Long Baseline Array in Socorro, New Mexico, ist es Walter Brisken vom National Radio Astronomy Observatory und seinen Kollegen nun endlich gelungen, die Entfernung direkt mit parallaktischen Methoden zu bestimmen.

Dabei machten sich die Forscher zunutze, dass sich ihr Beobachtungspunkt auf der Erde entlang ihrer Bahn um die Sonne relativ zu den fernen Objekten verändert. Je näher ein Objekt ist, umso stärker wird es somit seine scheinbar Position am Himmel verändern, umso stärker ist die so genannte parallaktische Verschiebung.

Am Ende war klar, PSR B0656+14 ist nicht 2500 Lichtjahre von uns entfernt, sondern 950 Lichtjahre - der Pulsar liegt also wirklich unmittelbar im Zentrum des Monogem-Ringes.

Somit gilt als sicher: Pulsar und Monogem-Ring gehören zusammen, sind also das Ergebnis ein und derselben Supernova. Demnach war der ursprüngliche Stern am Ende seines Lebens, nachdem seine Wasserstoffvorräte verbraucht waren, explodiert und hatte seine äußere Hülle - den Monogem-Ring - ins All geschleudert. Im Zentrum blieb der Pulsar, der heute ungefähr die Masse der Sonne in sich vereint, aber nur höchstens 40 Kilometer groß ist.

Doch damit nicht genug, denn damit scheint nun endlich auch ein lange währendes astrophysikalisches Rätsel gelöst. Seit langem wundern sich Forscher nämlich über einen Zacken in der kosmischen Strahlung, jenem Strom aus subatomaren Partikeln und Atomkernen, der vermutlich von Supernovae beschleunigt wird und fast lichtschnell ist. Dass diese Strahlung in einem ganz bestimmten Energiebereich übermäßig kräftig ist, könnte - so das Modell der Astronomen - auf einen Stern zurückzuführen sein, der vor 100 000 Jahren in rund 1000 Lichtjahren Entfernung in einer Supernova verging. PSR B0656+14 ist dafür der perfekte Kandidat.

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