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News: Auf der Durchreise

Die Atacama-Wüste - eine der trockensten Regionen der Erde - hat der Mensch erst sehr spät für sich entdeckt. Die Besiedlung hing stark von den wechselnden klimatischen Begebenheiten ab.
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Erst nach einiger Zeit setzte Homo sapiens seinen Fuß in die neue Welt. Auch wenn sich die Gelehrten noch streiten, ob es 15 000 oder vielleicht sogar 40 000 Jahre her ist, Amerika war, von der Antarktis abgesehen, der letzte Erdteil, den der Mensch erreichte. Einmal hier angekommen, breitete er sich jedoch – so die gängige Lehrmeinung – schnell aus und erreichte schließlich jeden entlegenen Winkel des Doppelkontinents.

Auch in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, die heute zu den trockensten Regionen der Erde zählt, finden sich prähistorische Spuren menschlicher Besiedlung. Sie reichen bis etwa 13 000 Jahre zurück, sind damit allerdings 2000 Jahre jünger als archäologische Funde aus den benachbarten Regenwäldern. Vier Jahrtausende später zeigt sich eine mehrere tausend Jahre anhaltende Lücke in der Besiedlungsgeschichte, die chilenische Archäologen als Silencio Arqueologico bezeichnen. Was war geschehen?

Lautaro Núñez von der Universidad Católica del Norte in San Pedro de Atacama untersuchte nun zusammen mit Martin Grosjean von der Universität Bern und Isabel Cartajena von der Universidad de Chile in Santiago die Besiedlungsgeschichte der Atacama-Region genauer. Die Forscher werteten 39 neue archäologische Fundstätten aus unterschiedlichen Höhenlagen von 2400 bis 4500 Meter aus und verglichen sie mit klimatischen Daten.

Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen klimatischen Veränderungen und menschlicher Besiedlung: Während der Eiszeit herrschten in Nordchile noch ähnlich trockene Bedingungen, wie wir sie auch jetzt vorfinden. So fallen heutzutage in der tiefer gelegenen Region Salar de Atacama jährlich weniger als 20 Millimeter Niederschlag, das Hochland des Altiplano bringt es auch nur auf 200 Millimeter – Bedingungen, die wenig einladend sind.

Doch vor 14 000 Jahren begann das Klima Nordchiles zunehmend feuchter zu werden und erreichte ein Optimum zwischen 13 000 und 9500 Jahren vor unserer Zeit. Der heute knochentrockene Salar de Atacama war damals mit relativ dichtem Pflanzenwuchs gesegnet, die Küstenlinien der heutigen Salzseen lagen bis zu 70 Meter höher. Und genau zu dieser Zeit dehnten prähistorische Jäger hier ihre Reviere aus.

Doch der klimatische Segen reichte nur für ein paar tausend Jahre. Vor 9000 Jahren begann eine Periode erneuter Trockenheit, die den Menschen wieder vertrieb. Der Zeitraum des Silencio Arqueologico endete erst, als vor 4500 Jahren erneut der Mensch seinen Fuß in die Atacama-Wüste setzte.

Damit erklären klimatische Veränderungen nach Ansicht der Forscher eindeutig die um 2000 Jahre verzögerte Eroberung der Atacama-Wüste und ihr Verlassen 4000 Jahre später. Die Besiedlung der Neuen Welt verlief wohl doch nicht so schnell, wie bisher vermutet. Denn das Klima hat ein entscheidendes Wörtchen mitgeredet.

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