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Erkältung: Auf die Nase kommt es an?

Forscher entdeckten sechs typische Mikroben-WGs in der menschlichen Nase. Je nachdem, welche Bakterien den Ton angaben, machte ein Erkältungsvirus die Freiwilligen mehr oder weniger krank.
Ein Mann im Bademantel liegt im Bett und schneuzt in ein Taschentuch.

Wenn uns eine Erkältung besonders heftig erwischt, könnte das an den Kleinstlebewesen in unserer Nase liegen. Je nachdem, wie sich die Mikrobengemeinschaft in der Nase zusammensetzt, verstopft ein viraler Infekt die Atemwege bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger stark. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Wissenschaftler aus Finnland und den USA jetzt in den »Scientific Reports« veröffentlichten. Menschen mit vergleichsweise vielen Staphylokokken in der Nase litten demnach unter den stärksten Erkältungen, auch wenn alle mit demselben Erkältungsvirus infiziert wurden.

Das Team um den Mediziner und Erkältungsforscher Ronald Turner von der University of Virginia inventarisierte zunächst die Bakteriengemeinschaften in den Nasen von rund 150 Versuchspersonen. Bei den gesunden jungen Erwachsenen waren sechs Cluster von vorherrschenden Bakterienstämmen oder -gattungen besonders verbreitet, darunter am häufigsten Staphylokokken und eine Kombination aus Corynebacterium und Alloiococcus. Nun infizierten die Forscher die Freiwilligen mit einem Erkältungsvirus und verfolgten die körperlichen Reaktionen unter anderem anhand der Menge der Viren in den Nasensekreten.

Tatsächlich schienen die vorherrschenden Bakterien in der Nase eine Rolle dabei zu spielen, »wie man auf das Virus reagiert und wie krank man wird«, so Turner. Aus dem Ergebnis sei zwar nicht zu schließen, dass die Mikroorganismen die unterschiedlich starken Symptome direkt beeinflussten, denn beide könnten auch eine dritte, gemeinsame Ursache haben, wie Erbanlagen oder Umwelteinflüsse. Indem die Forscher die Mikrobiome auch nach der Infektion überprüften, konnten sie aber ausschließen, dass das Virus selbst oder die Erkältung das Mikrobiom entscheidend veränderten.

Turner und andere Mitglieder des Forschungsteams erhielten nach eigenen Angaben Mittel von DuPont, dem Hersteller eines in der Studie verwendeten Probiotikums. Nichtsdestotrotz stellten sie fest: Die Einnahme eines Probiotikums wirkte sich in ihrem Experiment weder auf die Erkrankung noch auf die Bakteriengemeinschaft aus. Andere Formen der Intervention, etwa direkt in die Nase gesprühte Probiotika, könnten jedoch bei Infektionen der oberen Atemwege von Vorteil sein, spekulieren die Forscher. Die Wechselwirkung zwischen Erkältungsviren und dem Mikrobiom in der Nase sei noch weitgehend unerforscht.

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