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News: Auf verworrenen Pfaden

Für Schlagzeilen in der Boulevardpresse sorgen meist nur Asteroide, die (angeblich) direkt auf die Erde zurasen und Tod und Verderben bringen. Dabei sind die Bahnen ihrer harmlosen Gesteinskollegen ganz in unserer Nähe eigentlich viel interessanter: Auf hufeisenförmigen oder noch verschlungeren Pfaden bewegen sich manche Asteroide um die Sonne, eingefangen in ein kompliziertes Wechselspiel der Gravitation von Erde und Sonne. Erst jetzt können Wissenschaftler mit einem neuen Modell erklären, wie es zu diesen verwickelten Bahnen kommt. Und sie können uns beruhigen: Keiner der Himmelskörper auf exotischen Wegen droht, mit der Erde zu kollidieren.
Die meisten Asteroide ziehen ihre Bahnen um die Sonne im wesentlichen unbeeindruckt von der Schwerkraft der Planeten. Manche werden jedoch von deren Gravitation erfaßt und zeigen dann ein recht seltsames Verhalten. In einfachen Fällen kann sich so ein Asteroid zum Beispiel immer recht nahe an der Erdbahn um die Sonne halten. Zunächst wandert er ein gutes Stück vor der Erde um unseren Stern, wobei er sich schneller bewegt als der Planet. Jahr für Jahr wächst so sein Vorsprung, bis er sich schließlich von hinten der Erde nähert. Statt mit ihr zu kollidieren, wird er jedoch langsamer und dreht schließlich sogar um. So einen "hufeisenförmigen" Weg nimmt anscheinend der Asteroid Cruithne, dessen sehr exzentrische und im Vergleich zur Ebene des Sonnensystems stark geneigte Umlaufbahn jedoch mit den üblichen Theorien nicht beschrieben werden kann.

Ein Team um Fathi Namouni vom Queen Mary and Westfield College in London entwickelte darum mit den Bahndaten dieses Asteroiden ein neues Modell für die Wege solcher Himmelskörper (Physical Review Letters vom 27. September 1999, Abstract). Die Forscher entdeckten dabei gleich mehrere neue Klassen von Bewegungen. Zur Überprüfung ihrer Theorien berechneten sie die Bahnen von drei bekannten Asteroiden hunderttausend Jahre in die Vergangenheit und in die Zukunft. Wie sich herausstellte, beschreibt das Modell die Trajektorien sehr genau. Außerdem wechseln die Asteroide im Laufe der Zeit zwischen den verschiedenen Bewegungsklassen, so daß sie nach und nach verschiedene Verhaltensmuster zeigen.

Bei der "rückläufigen Satellitenbewegung" kann ein Asteroid einen Planeten langsam in großer Entfernung umwandern – bis zur halben Distanz zwischen Planet und Sonne. Cruithne scheint diese Klasse mit einem modifizierten "Hufeisen" zu verbinden. Asteroide mit solch stark exzentrischer Bahn können nach den Berechnungen zeitweise vom Planeten in einen recht stabilen Orbit gezwungen werden, den sie tausende Jahre einhalten, bis sie sich irgendwann doch verabschieden. Einer der untersuchten Asteroide hat so die Erde rund 35 000 Jahre begleitet, bevor er in den Weiten des Raumes entschwand.

Nach Aussage von Namouni sind die Bahnen der beschreibenen Asteroiden allesamt stabil, so daß sie keine Gefahr für die inneren Planeten darstellen. Er vermutet, daß noch mehr Himmelskörper entdeckt werden, deren Bahnen sich in die neuen Klassen einordnen lassen. Vielleicht bewegen sich einige davon sogar in Bereichen, in denen noch niemals jemand nach Asteroiden gesucht hat.

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