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News: Aufgeblasene Planetenschlucker

'Die Großen fressen die Kleinen' - Was im Geschäftsleben und im Süßwasseraquarium stimmt, trifft anscheinend auch im Weltall zu. Wenn sich Sonnen-ähnliche Sterne ihrem Lebensende nähern, blähen sie sich auf und verschlucken Planeten in nahen Umlaufbahnen. Anhand neuer Spektralanalysen schätzen Astronomen, daß sich etwa vier bis acht Prozent der Sterne in unserer Milchstraße einen oder mehrere Riesenplaneten einverleibt haben.
Möglicherweise gibt es in unserer Galaxie 100 Millionen Sterne, die der Sonne ähneln und in geringen Entfernungen von riesigen Gasplaneten umlaufen werden. Hinweise auf über ein Dutzend davon haben Astronomen in den letzten Jahren bereits entdeckt. Sie wiegen mehr als der Planet Jupiter in unserem Sonnensystem, aber nicht genug, um im Inneren ein eigenes Fusionsfeuer zu entzünden.

Da es bislang nicht möglich ist, die Himmelskörper direkt zu beobachten, sind Wissenschaftler darauf angewiesen, deren Anwesenheit aus Bahnschwankungen des Zentralstern zu folgern oder andere indirekte Verfahren anzuwenden. Mario Livio und Lionel Siess vom Space Telescope Science Institute haben zum Beispiel die spektrale Zusammensetzung des Lichtes analysiert und dabei Hinweise auf Planeten gefunden, die es schon gar nicht mehr gibt.

In der Spätphase ihres leuchtenden Lebens dehnen sich Sonnen-ähnliche Sterne zu Roten Riesen auf und erfassen dabei Planeten in der unmittelbaren Umgebung. Wenn des Opfer eine Masse wie Jupiter oder sogar noch mehr hat, wirkt sich diese Einverleibung deutlich auf den Stern und seine weitere Entwicklung aus.

Der Rote Riese gewinnt die freiwerdende Gravitationsenergie, bläht sich noch stärker auf und leuchtet heller. Dabei stößt er Materiehüllen ab, die stark im infraroten Bereich strahlen. Zusätzlich überträgt der Planet sein Drehmoment auf den Stern, der dadurch schneller rotiert. Ein Großteil des Gesamtdrehmoments von Sternsystemen ist in der Bewegung von Riesenplaneten gespeichert – so verfügen zum Beispiel in unserem Sonnensystem Saturn und Jupiter zusammen über 98 Prozent des Drehmoments. Schließlich fanden Livio und Siess in den Sternspektren Spuren des chemischen Elements Lithium, das unter den Bedingungen im Sterninneren normalerweise zerstört wird. Frisch verschluckte Planeten liefern dann den Nachschub.

Etwa vier bis acht Prozent der Sterne in der Milchstraße weisen diese drei Merkmale auf, schätzen die beiden Astronomen. Dieser Anteil stimmt gut überein mit den Hochrechnungen, wieviele Sterne wohl Riesenplaneten mit niedrigen Umlaufbahnen besitzen. Unser Jupiter ist zu weit von der Sonne entfernt, als daß sie ihn eines Tages verschlingt. Doch die Entdeckungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß es wohl durchaus große Planeten gibt, die ihrem Zentralstern noch näher sind als die Erde der Sonne. Und die dürften früher oder später ein gefundenes Fressen für den sterbenden Mutterstern sein.

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