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Anthropologie: Aufrechtgehen spart Energie

Der für den Menschen typische aufrechte Gang benötigt nur ein Viertel der Energie, die Schimpansen auf vier Beinen verbrauchen. Bewegen diese sich ebenfalls auf zwei Beinen, können auch sie je nach individuellem Gang und Anatomie in der Energiebilanz besser abschneiden als auf allen Vieren, berichten Hermann Pontzer von der Washington-Universität in St. Louis und seine Kollegen.

Schimpanse auf allen Vieren | Aus der Zeit der Bodenkontakte der Füße – je länger, desto günstiger –, dem über Masken erfassten Sauerstoffverbrauch und der über das Körpergewicht abgeschätzten bewegten Muskelmasse errechneten die Forscher die energetischen Kosten des Gehens bei verschiedenen Gangarten. Schimpansen verbrauchen selbst auf allen Vieren die vierfache Energie im Vergleich zu aufrecht gehenden Menschen.
Die Wissenschaftler hatten bei fünf ausgewachsenen Schimpansen zwischen 6 und 33 Jahren und vier Erwachsenen den Energieaufwand gemessen, während sie auf einem Laufband spazierten. Aus der Zeit der Bodenkontakte der Füße – je länger, desto günstiger –, dem über Masken erfassten Sauerstoffverbrauch und der über das Körpergewicht abgeschätzten bewegten Muskelmasse errechneten die Forscher die energetischen Kosten des Gehens bei verschiedenen Gangarten. Außerdem analysierten sie den Zusammenhang zwischen Körperhaltung und Energiebedarf.

Aufrecht gehende Schimpansin | Eine Schimpansin schnitt beim Aufrechtgehen besser ab als auf allen Vieren. Sie machte längere Schritte und kippte das Becken stärker als ihre Artgenossen. Eine ähnliche Veranlagung könnte in der menschlichen Evolution den Wechsel zum aufrechten Gang ausgelöst haben.
Eine Schimpansin, die aufrecht energetisch günstiger lief als auf vier Beinen, zeichnete sich dadurch aus, dass sie ähnlich wie die Menschen die Füße verhältnismäßig lange auf dem Boden hatte. Sie machte also längere Schritte und richtete das Becken stärker auf als ihre Artgenossen.

Eine solche Veranlagung könnte daher frühe Hominiden zum aufrechten Gang animiert haben, erklären die Autoren. Eine kostensparendere Bewegung wäre angesichts kühlerer Klimabedingungen im ausgehenden Miozän und damit womöglich entfernterer Futterquellen wünschenswert gewesen. Damit einhergehen sollte auch eine Verlängerung der Beinknochen, die sich in einigen Skelettfunden von Australopithecus afarensis und Australopithecus africanus sogar zeige, so die Autoren. Dies bestätige die schon länger gehegte Vermutung, der Wechsel zum typischen Zweibeinergang sei eine Energiesparmaßnahme gewesen. (af)

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