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Forschungsfinanzierung: Aufregung über Belohnungsprogramme für Wissenschaftler

Biotechfirmen bieten für Erwähnungen in Veröffentlichungen Gutscheine und andere Geschenke. Das sorgt jetzt für Kritik. Zu Recht?
Münze als EntscheidungshilfeLaden...

Zitiere und kassiere – das war die Botschaft, die viele biomedizinische Forscherinnen und Forscher einer Rundmail des Unternehmens Cyagen entnahmen. Cyagen verkauft unter anderem Stammzellen und Versuchstiere mit definierten Eigenschaften an Labors. Das Angebot des Unternehmens: Fachleute, die mit Versuchstieren aus dem Sortiment des Unternehmens forschen, können bei der Veröffentlichung der Ergebnisse Einkaufsgutscheine bekommen – wenn sie das Produkt in ihrem Artikel erwähnen.

Die Wortwahl des Schreibens sorgte für einige Aufregung, denn Zitierungen im Quellenteil solcher Veröffentlichungen sind in der Wissenschaft eine harte Währung, die über Karrieren entscheidet. Die begehrten Nennungen einfach zu kaufen, das wäre eine völlig neue Qualität.

Tatsächlich jedoch ist diese Sorge unbegründet. Die Gutscheine gibt es dann, wenn Produkt und Unternehmen im Artikel erwähnt sind und man das Unternehmen darauf aufmerksam macht. Je renommierter das Fachjournal, desto wertvoller die Belohnung: Eine Publikation in "Nature" wäre etwa 4100 Euro wert, eine in "Cell" 3200 Euro und so weiter, abhängig vom Impact-Faktor der Zeitschrift, einer Maßzahl für ihren Einfluss.

Das kann man als Productplacement werten, andererseits ergibt es gerade bei spezielleren biotechnischen Produkten Sinn, präzise Angaben über deren Herkunft zu machen. Nach dieser keineswegs abwegigen Interpretation bietet das Unternehmen sogar einen Anreiz für transparentes, reproduzierbares Arbeiten, zumal in letzter Zeit viele für die Forschung wichtige Antikörper als unbrauchbar in die Kritik geraten sind. Uneigennützig ist das natürlich nicht – Cyagen präsentiert die Erwähnungen gerne als Referenz auf seiner Webseite.

Damit ist das Unternehmen keineswegs allein – vergleichbare Bonusprogramme gibt es auch bei anderen Unternehmen, die Material für die biomedizinische Forschung vertreiben. Viele von ihnen offerieren Geschenke der einen oder anderen Art. Andere, so wie der Hersteller Novus Biologicals, bieten Einkaufsgutscheine vergleichbar denen von Cyagen, ohne dass sich darüber jemand aufregen würde.

Bleibt die Frage nach der Transparenz. Stellen solche Vergünstigungen einen Interessenkonflikt dar? Viele Fachzeitschriften verlangen, finanzielle und andere Einflüsse kenntlich zu machen, die die Forschung beeinflusst haben könnten. Fallen in diese Rubrik auch Gutscheine für die verwendeten Antikörper? Da gehen die Meinungen auseinander. Zwei vom "Science Magazine" befragte Forscher jedenfalls sehen keinen Bedarf: Einen Einfluss, der auf die Ergebnisse der Forschung einwirken könnte, sehen sie nicht. Und damit auch keinen Interessenkonflikt.

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