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Sucht: Aus dem Takt durch Alkohol

Chronischer Alkoholmissbrauch verstellt die innere Uhr.
Ein Schlückchen in Ehren?
Schnaps, Wein und Co. können den Biorhythmus gehörig ins Schwanken bringen. Bei Alkoholikern pendeln Körpertemperatur, Hormonspiegel und Blutdruck nicht im üblichen 24-Stunden-Takt, sondern eher unkontrolliert. Forscher der Medizinischen Universität Taipeh in Taiwan fanden nun eine mögliche Ursache: Demnach werden bestimmte Gene, die wichtige physiologische Regelkreise regulieren, bei chronischen Trinkern weniger aktiviert.

Sy-Jye Leu und ihre Kollegen verglichen Blutproben von 22 Alkoholikern vor und nach ihrer ersten Entzugswoche mit dem von zwölf gesunden Probanden. Die Wissenschaftler untersuchten vor allem die Expression von Genen wie Clock1, Bmal1 und Per1, die unter der Regie des suprachiasmatischen Nucleus im Hypothalamus verschiedene Biorhythmen des vegetativen Nervensystems managen. Ergebnis: Im Blut der Alkoholabhängigen fanden sich deutlich weniger RNA-Kopien der "Uhrgene" als bei Gesunden. Auch nach einer Woche Entgiftung hatte die Menge der Boten-RNA kaum zugenommen.

Die Störung der zirkadianen Uhr ist folgenreich: Betroffene zeigen unter anderem vermehrt Schlaf- und Stoffwechselstörungen. Diese können offenbar auch nach einem Entzug noch anhalten und erhöhen so vermutlich die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. (sz)

Huang, M-C. et al.: Reduced Expression of Circadian Clock Genes in Male Alcoholic Patients. In: Alcoholism: Clinical and Experimental Research 10.1111/j.1530-0277.2010.01278.x, 2010.

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