Direkt zum Inhalt

News: Aus der Bahn geworfen

Wir leben in einer rastlosen Zeit - überall Hektik und Geschwindigkeit. Wenn man ins Weltall blickt, kann man selbst dort einige Objekte entdecken, die von dieser Schnelllebigkeit angesteckt zu sein scheinen: Die so genannten Weglaufsterne durchjagen unsere Milchstraße mit einer extrem hohen Geschwindigkeit, ohne dass es dafür bisher eine sichere Erklärung gab. Die beiden bisherigen Theorien konnten Astrophysiker jetzt bestätigen.
Anders als die meisten anderen Sterne, die der Rotation in der Scheibe unserer Milchstraße gemächlich folgen, gibt es einige Sterne, die mit bis zu 200 Kilometern in der Sekunde durch das All rasen, die "Weglauf-" oder "Fluchtsterne". Etwa einer von zehn jungen Sternen, die durch ihre Farbe in O- und B-Sterne unterteilt werden, haben es so eilig.

Die Frage war bisher, warum das so ist. Eine mögliche Erklärung besagt, dass diese schnellen Sterne aus einem früheren Doppelstern-System herausgeschleudert wurden, als ihr Partnerstern in einer Supernova explodierte. Viele Sterne finden sich zu solchen Systemen zusammen, wo sie sich gegenseitig umkreisen und ihr Schwerpunkt der Brennpunkt ihrer Bahnen ist. "Stirbt" nun einer der Sterne in einer Supernova, so wird der andere aus seiner Bahn geschleudert, wie bei einem Karussell, bei dem eine Kette reißt.

Eine weitere Möglichkeit, wie ein solcher wandernder Stern entstehen könnte, ist die Begegnung mit einem oder mehreren nah vorbeifliegenden Sternen. Dabei könnte der zukünftige Weglaufstern erst in den Gravitationsbereich des anderen Himmelsobjektes eintreten und darauf mit erhöhter Geschwindigkeit wieder herausgeschleudert werden. Ronnie Hoogerwerf und seine Kollegen vom Department of Astronomy Leiden Observatoy bestätigten nun beide Theorien (Astrophysical Journal vom Dezember 2000).

Die Astrophysiker konnten die Spuren verschiedener dieser Fluchtsterne zurückverfolgen, indem sie die sehr genauen Messungen des Hipparcos-Satelliten auswerteten. Dabei entdeckten sie, dass die Weglaufsterne in der Orion-Konstellation AE Aurigae und µ Columbae vor 2,5 Millionen Jahren einen gemeinsamen Treffpunkt hatten, den jungen Sternhaufen mit Namen Trapez. Auf diesen Ort lässt sich auch der seltsame Doppelstern Iota-Orionis zurückverfolgen. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass die zwei Weglaufsterne ehemals ein Doppelsternsystem gebildet haben, das im Trapez mit dem heute noch existierenden Doppelstern Iota-Orionis zusammenstieß und so die heutige Konstellation ermöglichte.

In einem anderen Fall errechneten die Wissenschaftler für einen Zeitpunkt vor einer Million Jahren einen Treffpunkt für den Fluchtstern Zeta-Ophiuchi und den Pulsar PSR J1932+1059. Ein Pulsar ist ein kollabierter Stern, der durch eine Supernova entsteht. Er emittiert einen starken Strahl von Radiowellen. Durch die hohen Drehgeschwindigkeit des Sterns, scheint er zu pulsieren. Die holländischen Astrophysiker glauben, dass Zeta-Ophiuchi auf seine heutige Bahn gebracht wurde, als der Begleitstern seines Doppelsternsystems in einer Supernova explodierte und den Pulsar entstehen ließ.

Hoogerweefs Team hat 18 weitere Sterne auf Wanderschaft untersucht und schließt nun, dass beide bisherigen Erklärungen für deren Entstehung in Frage kommen: Zwei Drittel bringt dabei eine Supernova auf ihren Weg und der Rest beschleunigt durch eine nahe Begegnungen mit anderen Sternsystemen.

Siehe auch

Lesermeinung

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen

Partnervideos