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News: Aus eins mach zwei

Eigentümliche Salamander, die nur in einem eng begrenzten Abschnitt im östlichen Mexiko vorkommt, verblüffen nicht nur aufgrund ihrer außergewöhnlichen Körperform: Langgestreckt und nahezu beinlos sind sie optimal an ihre grabende Lebensweise angepasst. Doch wenn die Tiere auch auf den ersten Blick so ähnlich aussehen, dass man sie unweigerlich zur selben Art zählt, haben sie sich nun nach genauerem Hinsehen als Artengemisch entpuppt. DNA-Analysen zeigen, dass sich dahinter mindestens zwei eigene Spezies verstecken, die jeweils enger mit anderen, nicht grabenden Salamandern verwandt sind als untereinander. Sie sind somit ein Lehrbuchbeispiel für konvergente Evolution.
Die Lungenlosen Salamander (Plethodontidae) mögen es eher kühl und feucht. Als sie sich in die tropischen Tieflandregionen ausbreiteten, mussten sie sich daher einen Lebensraum suchen, der ihnen diese Bedingungen bieten konnte. Einige spezialisierten sich auf eine grabende Lebensweise, und im Laufe der Zeit passte sich auch ihre Körpergestalt daran an: Sie verkleinerten die Gliedmaßen und wurden lang und schmal.

Die gestreckte Körpergestalt erreichten sie auf verschiedenen Wegen. Die Gattung Oedipina vermehrte ihre Zahl an Wirbeln. Das ist unter Salamandern recht verbreitet. Lineatriton lineolus jedoch, eine mexikanische Art, behielt die Zahl der Wirbel bei, verlängerte dafür aber jeden einzelnen der Knochen. Der Effekt ist derselbe – die Tiere sind sich äußerlich so ähnlich, dass sie bis 1950 sogar zu einer Gattung zusammengefasst wurden.

Die Strategie von Lineatriton galt bislang für Salamander als einzigartig. Doch genetische Untersuchungen bringen das Bild nun ins Wanken. Gabrieala Parra-Olea von der Harvard University und David Wake von der University of California in Berkeley analysierten drei mitochondriale Gene an Exemplaren verschiedener Populationen. Sie wiederholten die Versuche mehrmals und sammelten immer wieder neue Tiere, weil sie ihren Ergebnissen nicht glauben wollten: Lineatriton lineolus ist nicht eine Art, sondern beinhaltet mindestens zwei, wenn nicht noch mehr. Zur Absicherung kombinierten die Forscher ihre Resultate noch mit anderen Ergebnissen zur Abstammungsgeschichte der Gruppen und erhielten doch jedesmal denselben Stammbaum.

Demnach stammen die neuen Arten noch nicht einmal von einem gemeinsamen Vorfahren ab, der die langgestreckte Gestalt entwickelte. Stattdessen sind sie enger mit verschiedenen Angehörigen der Gattung Pseudoeurycea verwandt, die eine ganz normale Salamandergestalt aufweist, als untereinander. Die langgestreckte Gestalt bei konstanter Wirbelzahl ist also nicht einmal, sondern mehrmals unabhängig voneinander entstanden.

Für Jonathan Campbell von der University of Texas kommen die Ergebnisse nicht ganz so überraschend. Aufgrund kleiner anatomischer Unterschiede hatte er schon länger vermutet, dass es sich um mehrere Arten handelte. Allerdings hielt er sie für eng verwandt. Darum ist für ihn der Fall Lineatriton lineolus eines der besten Beispiele für konvergente Evolution: "Es verblüfft mich, dass sich zwei Dinge unabhängig voneinander entwickelt haben, die so ähnlich aussehen."

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