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SETI: Aus für Außerirdische

Lange Zeit galt das 1977 aufgezeichnete Wow!-Signal als bester Kandidat für einen Kontakt mit Außerirdischen. Nun jedoch steht fest: Der Strahlungspuls war natürlichen Ursprungs.
Ein sehr heller Fleck am Himmel über der Sichel eines düsteren Gesteinsplaneten

Die Wahrheit ist tatsächlich irgendwo da draußen – aber wie sich herausstellte, näher an der Erde als gedacht. 40 Jahre lang spekulierten Laien und Fachleute, ob das vom SETI-Programm entdeckte Wow!-Signal von einer außerirdischen Zivilisation stammte. Der einzigartige Radiopuls, den das Big Ear Radio Observatory in Ohio im August 1977 auffing, passte in das Schema einer interstellaren Botschaft, wie man sie bei SETI erwartete. Nun aber zeigt Antonio Paris vom Center for Planetary Science, dass der Puls wohl natürlichen Ursprungs ist: Wie er in einer Veröffentlichung im »Journal of the Washington Academy of Sciences« berichtet, sendet der kurzperiodische Komet 266P/Christensen exakt die gesuchte Radiostrahlung aus.

Das Wow!-Signal war ein einmaliges, starkes Signal bei 1420 Megahertz – entsprechend einer Emissionslinie des Wasserstoffs, die man wegen ihrer Wellenlänge auch als 21-Zentimeter-Linie bezeichnet. Diese Frequenz gilt innerhalb des Radiospektrums als recht ruhig, es gibt nicht viele Quellen. Deswegen spekulierte man bei der Einrichtung des SETI-Programms, dass außerirdische Zivilisationen ihre Botschaften womöglich in diesem Frequenzfenster senden würden. Anfang 2016 schlugen Paris und sein Kollege Evan Davies jedoch eine natürliche Erklärung für das Wow!-Signal vor: Demnach seien gleich zwei Kometen zur fraglichen Zeit in der Nähe des Teleskop-Sichtfelds gewesen – sie hätten die verräterische Strahlung aussenden können.

Um diese These zu belegen, beobachtete Paris nun den Kometen 266P/Christensen – einen der beiden Hauptverdächtigen – sowie drei andere Kometen. Dabei detektierte er bei allen das Emissionssignal des Wasserstoffs und ist zu dem Schluss gekommen, dass das Wow!-Signal tatsächlich aus dieser Quelle stammte. Die Sonnenstrahlung setzt vermutlich Wasserstoff aus dem Eis des Kometen frei, der eine feine Gashülle um den Himmelskörper bildet. Auch in der Koma des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerasimenko fand die Sonde Rosetta Wasserstoff. Noch nicht klar ist allerdings, weshalb das Wow!-Signal das einzige seiner Art blieb – Kometen und ihre Gashüllen sind im Sonnensystem vergleichsweise häufig.

23/2017

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 23/2017

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