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News: Aus zwei mach eins mach zwei

Es gibt zwei Typen so genannter Seyfert-Galaxien. Zwei Typen, die doch ein und dasselbe sind. Jedenfalls erkannte man, dass allein der Blickwinkel Ursache für die Unterschiede ist. Doch schon wird an dem Konzept gerüttelt, denn so ganz ähnlich sind sich die beiden nun doch nicht. Vielmehr scheinen die einen viel schwächer zu strahlen.
Endlich war man übereingekommen, dass die beiden bislang unterschiedenen Seyfert-1- und Seyfert-2-Galaxien ein und dasselbe sind und sich dem Betrachter nur von unterschiedlichen Seiten zeigen, da scheint dieses 1983 von Joseph Miller (University of California, Santa Cruz) und Robert Antonucci (University of California, Santa Barbara) veröffentlichte Modell wieder in Gefahr zu sein. Dabei zweifelt Hien Tran von der Johns Hopkins University keineswegs daran, dass sich beide Seyfert-Typen nur durch den Blickwinkel unterscheiden, er beobachtete vielmehr, dass es unter den Seyfert-2-Galaxien zwei Typen gibt.

Im Zentrum der Seyfert-Galaxien, die etwa zehn Prozent aller Galaxien ausmachen, befinden sich Schwarze Löcher – ziemlich helle sogar, wie sie sonst nur von den Quasaren übertroffen werden. Wie bei allen aktiven Galaxien rotiert eine flache, Fahrradschlauch-förmige Gas- und Staubwolke um das zentrale Schwarze Loch. Senkrecht dazu schießt das Zentrum zwei Jets mit beinahe Lichtgeschwindigkeit heraus, sodass diese Galaxien Ähnlichkeit mit einem gigantischen Kreisel haben. Während die Seyfert-1-Galaxien so orientiert sind, dass der Beobachter auf der Erde das hell leuchtende Zentrum beobachten kann, wird dieses bei Seyfert-2-Galaxien von dem Gas- und Staub-Torus verdeckt.

Gerade die Seyfert-2-Galaxien machen es den Astronomen also von vornherein nicht leicht, und dennoch ist sich Tran sicher, dass sie sich unterscheiden. Dabei beruft er sich auf die bislang umfangreichste Auswertung der Polarisationsspektren von insgesamt 50 Galaxien dieses Typs. Auf diese Weise lässt sich genau sagen, ob das aufgefangene Licht direkt von seiner Quelle kommt oder im weiteren Umfeld reflektiert – und damit polarisiert wurde. Mithilfe dieser reflektierten Anteile erhielt der Forscher auch dann indirekt Aufschluss über die von den zentralen Schwarzen Löchern abgestrahlten Spektren, wenn die Jets kaum zu sehen waren.

Bei der Hälfte jener Galaxien trifft dann auch genau das zu, was Miller und Antonucci vor beinahe 20 Jahren postulierten: Die Kerne dieser Seyfert-2-Galaxien ähneln denen der Seyfert-1-Typen. Bei der anderen Hälfte ist die typische Signatur allerdings beim besten Willen nicht auszumachen – auch nicht unter den polarisierten Lichtanteilen.

Nun sind  – wie gesagt – gerade die Seyfert-Galaxien recht kompliziert zu betrachtende Objekte, und deshalb verließ sich Tran nicht allein auf die spektroskopischen Eigenschaften und untersuchte eine Reihe anderer Merkmale. Und tatsächlich zeigte sich auch hier, dass es bestimmte Seyfert-2-Typen gibt, die nicht in das hergebrachte Konzept passen. So erschienen sie im Radiowellen-Spektrum beispielsweise kälter und weniger hell. Tran schließt daraus, dass er auf einen Seyfert-Typ gestoßen ist, dessen zentrales Schwarzes Loch weniger aktiv ist als das der anderen – und somit auch die umgebenden Gase und Stäube weniger kräftig aufheizt. So gibt es am Ende womöglich doch wieder zwei Seyfert-Typen.

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  • Quellen
The Astrophysical Journal 554: L19-L23 (2001)

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