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Neue Naturschutzgebiete: Klimaschutz auf Kosten der Bevölkerung?

Bis 2030 sollen weltweit 30 Prozent der Land- und Meeresflächen unter Schutz stehen. Experten warnen vor einer Umsetzung, die arme Menschen weiter benachteiligt.
Eine Person steht am Ufer eines Sees, mit Blick auf eine beeindruckende Bergkette im Hintergrund. Die schneebedeckten Gipfel heben sich gegen den klaren blauen Himmel ab. Der See im Vordergrund reflektiert das Sonnenlicht, während die Silhouette der Person eine ruhige, nachdenkliche Stimmung vermittelt. Die Landschaft wirkt majestätisch und friedlich.
Eine Frau auf der bolivianischen Insel Isla del Sol blickt über den Titicacasee. Dahinter erhebt sich die Cordillera Real – ein Hochgebirge, mit dem das Leben der Menschen vor Ort eng verbunden ist.

Der weltweite Ausbau von Schutzgebieten für Natur und Artenvielfalt könnte enorme soziale Folgen haben. Je nach Strategie würden mehr als zwei Milliarden Menschen in Gebieten leben, in denen künftig strengere Regeln herrschen – viele davon in Regionen mit niedrigerem Entwicklungsstand. Das zeigt eine Studie, die im Fachblatt »Nature Communications« erschienen ist.

Forschende um den Biologen und Anthropologen Javier Fajardo von der University of Cambridge haben dafür untersucht, wer vom internationalen »30x30«-Ziel betroffen wäre. Dieses wurde 2022 als Teil des globalen Biodiversitätsabkommens der Vereinten Nationen beschlossen und sieht vor, bis 2030 mindestens 30 Prozent der globalen Land- und Wasserflächen unter Schutz zu stellen.

Die Wissenschaftler analysierten drei Szenarien dafür, welche Gebiete dafür ausgewählt werden könnten: Regionen mit besonders hoher Biodiversität, Gebiete mit großer Bedeutung für Wasser- oder Klimaschutz oder Territorien indigener Gemeinschaften.

Dafür kombinierten die Forschenden Karten zu Schutzgebieten mit Datensätzen zu Bevölkerungsdichte, Lebensstandard und Lebensgrundlagen. Erfasst wurden unter anderem der Human Development Index (HDI), das Ausmaß kleinbäuerlicher Landwirtschaft, Viehhaltung und die Nutzung natürlicher Ressourcen wie der Fang von Wildfischen oder das Sammeln von Wildpflanzen.

Das Szenario mit Fokus auf Biodiversität wäre sozial besonders folgenreich. Hier würden rund 2,2 Milliarden Menschen innerhalb neuer Schutzgebiete leben, weitere 2,7 Milliarden in deren Nähe. Viele der betroffenen Regionen liegen nämlich in dicht besiedelten Agrarlandschaften.

Naturprodukte sind für viele Indigene lebenswichtig

Beim Szenario, das indigene Territorien priorisiert, wären deutlich weniger Personen betroffen – allerdings herrschen in diesen Gebieten überproportional schlechte sozioökonomische Bedingungen; rund 61 Prozent der Bevölkerung fallen in die niedrigste HDI‑Kategorie. Zudem sind dort viele Menschen direkt von natürlichen Ressourcen abhängig, die stärker reglementiert würden: Über 90 Prozent der Bevölkerung in tropischen Regionen etwa nutzen Wildpflanzen oder andere Naturprodukte für ihren Lebensunterhalt.

Schutzgebiete könnten den ansässigen Menschen zwar Vorteile bringen, etwa durch stabilere Ökosysteme. Gleichzeitig drohten aber Konflikte um Landnutzung und Einschränkungen traditioneller Lebensweisen.

Die Forschenden plädieren deshalb dafür, diese Faktoren stärker in die globale Naturschutzplanung einzubeziehen. Den Ausbau von Schutzgebieten müssten Entwicklungsprogramme, finanzielle Hilfen und eine stärkere Beteiligung lokaler Gemeinschaften begleiten.

  • Quellen
Favardo, J. et al., Nature Communications 10.1038/s41467–026–71860–8, 2026

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