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Ausdauer: Warum Männer bei Marathons häufiger einbrechen als Frauen

Daten von mehr als 20 Jahren Berlin‑Marathon zeigen: Männer erleben Leistungseinbrüche deutlich häufiger als Frauen. Das gilt nicht nur für Freizeitläufer, sondern auch für Profis. Eine mögliche Ursache könnte eine falsche Renntaktik sein.
Läufer nehmen an einem Marathon in Berlin teil, während sie auf einer breiten Straße laufen. Im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen und Zuschauer stehen hinter Absperrungen und feuern die Teilnehmer an. Der Himmel ist klar und sonnig, was auf einen schönen Tag hinweist. Die Läufer tragen sportliche Kleidung und Startnummern.
Die aktuellen Bestzeiten für die klassische Marathon-Distanz von 42,195 km liegen bei 1:59:30 Stunden (Männer) und 2:09:56 Stunden (Frauen).

Männer laufen Marathons im Schnitt schneller als Frauen – ihre Leistung bricht aber deutlich häufiger im Verlauf des Rennens ein. Eine Auswertung von mehr als 870 000 Finishern des Berlin-Marathons zeigt: Männer erleben etwa doppelt so oft einen starken Leistungseinbruch (»hitting the wall«) wie Frauen. Überraschend ist, dass dieser Unterschied selbst bei sehr erfahrenen und schnellen Läuferinnen und Läufern besteht und bei den Schnellsten besonders groß ausfällt. Die Ergebnisse legen nahe, dass nicht nur körperliche Voraussetzungen, sondern auch die gewählte Renntaktik entscheidend sind.

Ein Forscherteam um Aldo Seffrin von der Federal University of São Paulo und Beat Knechtle von der Universität Zürich analysierte die Zieleinläufe von rund 660 000 Männern und 214 000 Frauen beim Berlin-Marathon zwischen 1999 und 2025. Dabei verglich es, wie stark sich die Geschwindigkeit in der zweiten Rennhälfte im Vergleich zur ersten verringerte. Im Schnitt verloren Männer 10,7 Prozent an Tempo, Frauen 8,3 Prozent. Als deutlicher Einbruch galt eine Verlangsamung von mindestens 20 Prozent. Das betraf 17,6 Prozent der Männer, aber nur 9,7 Prozent der Frauen. Somit kamen auf jede Frau mit starkem Einbruch rund zwei Männer.

Der Unterschied zeigt sich in allen Leistungsklassen. Besonders auffällig ist er bei den Schnellsten: Liegt die Zielzeit unter drei Stunden, sind Leistungseinbrüche insgesamt selten, kommen bei Männern aber rund sechsmal so häufig vor wie bei Frauen (1,42 Prozent gegenüber 0,23 Prozent). Detaillierte Zwischenzeiten bestätigen das Bild: Männer halten ihr Tempo weniger gleichmäßig als Frauen. Während von Letzteren 52 Prozent keinen klaren Einbruch im Rennverlauf zeigen, sind es bei den Männern nur 36 Prozent. Auf den letzten fünf Kilometern verlieren Männer zudem deutlich mehr Geschwindigkeit – durchschnittlich etwa 18 Prozent. Frauen büßen hingegen im Schnitt nur rund 13 Prozent ein.

Damit stellt die Arbeit auch eine verbreitete Annahme infrage: dass Erfahrung und hohe Leistungsfähigkeit automatisch zu einer besseren Renneinteilung führen. Zwar sinkt die absolute Zahl der Leistungseinbrüche bei schnelleren Läufern, doch der Unterschied zwischen den Geschlechtern wächst. Das spricht dafür, dass Fehler bei der Tempowahl nicht nur ein Problem von Anfängerinnen und Anfängern sind.

Frühere Studien hatten ähnliche Unterschiede angedeutet, aber meist mit deutlich weniger Daten. Die neue Arbeit zeigt, dass das Muster sehr stabil ist. Warum gerade Männer häufiger einbrechen, bleibt offen. Mögliche Gründe sind Unterschiede im Energiestoffwechsel sowie ein schnelleres Anfangstempo, etwa durch Selbstüberschätzung. Die Autoren vermuten, dass Männer das Risiko eines Leistungseinbruchs verringern könnten, indem sie den Lauf langsamer beginnen und im Lauf des Rennens das Tempo steigern.

  • Quellen

Seffrin, A. et al., Scientific Reports 10.1038/s41598–026–56 334–7

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