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Ausgestorbene Arten: Unser Bild vom Dodo war ziemlich falsch

Leider können wir den Dodo nicht mehr lebend erforschen: Er ist ausgestorben. Doch anhand der Knochen lässt sich viel rekonstruieren. Sie zeigen eine Taube wie keine andere.
Ein seitlich liegender Vogelschädel auf einer hellen Oberfläche. Der Schädel zeigt deutlich den langen Schnabel und die Augenhöhle. Der Hintergrund ist dunkel, was den Fokus auf den Schädel lenkt. Die Struktur und Form des Schädels sind klar erkennbar, was auf die Anpassung des Vogels an seine Umwelt hinweist.
Vom Dodo existieren leider nur noch Knochen und andere Überreste. Die Art wurde bereits im 17. Jahrhundert ausgerottet.

Was wir über den ausgestorbenen Dodo (Raphus cucullatus) von der Insel Mauritius wissen, stammte lange nur aus zeitgenössischen Berichten von Seefahrern und wenigen Naturforschern, die die Insel besuchten: Sie zeichneten ein wenig vorteilhaftes Bild eines fetten, eher dummen Vogels, der sich bereitwillig seinen Jägern auslieferte, die ihn bis zur Ausrottung aufaßen. Die wenigen Knochen und anderen Überreste, die bis heute überdauert haben, helfen nun aber, die Biologie der Art umzuschreiben. Eine Arbeit von Sara Citron von der kanadischen University of Lethbridge und ihrem Team zeigt nun, wie die Vögel ihre Umwelt wahrgenommen haben – und wann sie vor allem aktiv waren: Entgegen bisheriger Annahmen streiften die Dodos wohl vor allem nachts durch ihren Lebensraum.

Die Arbeitsgruppe hatte für die Studie einen der beiden einzigen, komplett erhaltenen Schädelknochen eines Dodos – aus dem Naturhistorischen Museum Dänemarks in Kopenhagen – mithilfe eines Computertomografen gescannt und daraus ein dreidimensionales Modell angefertigt. Dadurch konnten die Forscher das Innere des Schädels untersuchen, ohne dieses wertvolle Exponat zu zerstören, und auch den Bereich rekonstruieren, in dem das Gehirn lag. Dieses verglichen sie mit einem Vergleichsmodell des Schädels aus dem Oxford University Museum of Natural History und den Gehirnen von 36 weiteren Taubenarten (darunter die ebenfalls ausgestorbene Schwesterart des Dodos von Rodriguez) sowie anderen Vögeln.

Während sich die Gehirne des Rodriguez-Solitärs (Pezophaps solitaria) und der anderen Tauben ziemlich ähnelten, wich das des Dodos deutlich davon ab. Es zeigte stattdessen größere Übereinstimmungen mit dem von Vögeln wie dem neuseeländischen Kiwi: einem eher nachtaktiven Tier mit gutem Geruchssinn. Entsprechend waren diese Bereiche vergrößert, während das Sehzentrum kleiner ausfiel. Citron und Co leiten daraus ab, dass auch die Dodos wahrscheinlich dämmerungs- und nachaktiv waren und sich bei der Suche nach Nahrung auf Geruch und Gefühl verließen – ihr großer Schnabel könnte dazu gedient haben, taktile Informationen über die Umwelt einzusammeln. Damit wären die Dodos die einzigen bekannten, nachtaktiven Tauben der Erde gewesen.

Ökologisch hätte dies durchaus Sinn gemacht: Vor Eintreffen der Menschen existierten auch große Schildkröten auf Mauritius, die mit den flugunfähigen Tauben um Nahrung konkurrierten. Insgesamt war das Gehirn ähnlich gut entwickelt wie das der anderen Taubenarten, die entgegen der landläufigen Meinung durchaus zu hohen kognitiven Leistungen fähig sind. 

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass der Dodo ein eher agiler Vogel war, der gut zu Fuß seine Heimat durchstreifte. Zudem war er wohl nur saisonal etwas kräftiger: Während der Brutzeit nahm er an Gewicht zu, wenn es darum ging, das einzige Küken zu versorgen. Außerhalb davon nahmen die Tiere dann wieder ab.

  • Quellen

Citron, S. et al., Zoological Journal of the Linnean Society 10.1093/zoolinnean/zlag123, 2026

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