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News: Außereheliche Affären

Treue zum Partner ist im Tierreich oftmals ein Fremdwort. Insbesondere in der Vogelwelt sind Seitensprünge an der Tagesordnung. Die Weibchen des Halsbandschnäppers machen in dieser Beziehung keine Ausnahme: Nahezu die Hälfte von ihnen betrügt ihren Gatten und legt in das gemeinsame Nest auch Eier, die ein anderer Vater befruchtet hat. Derartige außereheliche Rendezvous arrangieren die Vogeldamen offenbar selbst - und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem sie am fruchtbarsten sind.
Halsbandschnäpper
Mit flüchtigem Blick betrachtet, ist zu vermuten, dass die meisten Singvögel monogam in festen Beziehungen leben und in trauter Eintracht ihren gemeinsamen Nachwuchs großziehen. Doch der Schein trügt, wie unlängst DNA-Untersuchungen zur Vaterschaft der jeweiligen Nestinsassen an den Tag gebracht haben: Die Kinderschar stammt oftmals keineswegs vollständig vom eigentlichen Partner der Mutter. Vielmehr erweisen sich abhängig von der Art 10 bis 75 Prozent der Weibchen als untreu und gehen heimlich fremd.

Zu diesen "Betrügerinnen" zählen auch die Damen des Halsbandschnäppers (Ficedula albicollis). Mit über 40 Prozent hat ein Großteil von ihnen Affären – typischerweise mit Männchen, die auf ihrer Stirn einen größeren weißen Fleck als der Durchschnitt zur Schau stellen. Offensichtlich werden jene Vogelherren bevorzugt auserkoren, weil sie tendenziell kräftigeren Nachwuchs zeugen. Wie frühere Studien bereits andeuteten, wählen vermutlich die Weibchen ihren Liebhaber aus, doch bislang blieb rätselhaft, wie sie derartige Verabredungen treffen.

Nun widmeten sich Ben Sheldon und seine Kollegen von der University of Oxford jenen außerehelichen Liaisons bei den Halsbandschnäppern. Bei ihrer Forschungsarbeit stellten sie jedoch nicht den untreuen Vogeldamen nach, sondern rollten deren Verhalten anhand der später produzierten Eier auf. Die Weibchen vermögen das bei einer Paarung erhaltene Sperma des Partners aufzubewahren und anschließend die nachfolgenden Eier mit dessen Erbgut zu befruchten. Da jedes gelegte Ei zwischen seiner Membran und Schale Samenzellen einschließt, lassen sich mithilfe von Zählungen genaue Aussagen über die Spermamenge machen, die das Weibchen jeweils eingesetzt hat.

Um die eigentlichen Partner an der Befruchtung der Eier zu hindern, konstruierten die Forscher spezielle Verhütungsmittel für die Vogelmännchen und bestimmten anschließend den Spermagehalt in sechs nacheinander gelegten Eiern der Weibchen, deren Gatte nunmehr "unfruchtbar" war. Auf diese Weise konnten sie nachvollziehen, ob die Halsbandschnäpperdame ihren Ehemann möglicherweise betrogen hatte. Bei neun von 15 Pärchen, fiel die Spermamenge in jedem nachfolgenden Ei ab und deutete darauf hin, dass die Weibchen dem einst gewählten Partner die Treue gehalten hatten.

Doch in den anderen sechs Fällen erhöhte sich der Spermagehalt in mindestens einem der nachfolgenden Eier – ein Umstand, der nahelegte, dass die betreffenden Mütter des Nachwuchses Samenzellen von anderen Männchen als ihrem eigentlichen Nestpartner erhalten hatten. Und wie sich zeigte, war tatsächlich die Größe des männlichen Stirnflecks ausschlaggebend für derartige Seitensprünge: Während Weibchen ihren Partner mit ausgedehntem weißen Farbmal nie betrogen, gingen die meisten Vogeldamen, deren Männchen lediglich einen kleinen Stirnfleck aufwiesen, mindestens einmal fremd.

Für diese Liebesabenteuer passten sie vermutlich auch den günstigsten Zeitpunkt ab, denn die außerehelichen Annäherungen fanden jeweils in der Mitte ihrer fruchtbaren Periode statt. Wie die Ergebnisse andeuten, sind es offenbar die Halsbandschnäpperinnen selbst, welche jene Stelldicheins betreiben, hebt Sheldon hervor. David Westneat von der University of Kentucky äußert sich jedoch kritisch über den Mangel an Verhaltensdaten der nun veröffentlichten Studie. Es bleibe noch immer ausreichend Raum für Spekulationen, wer wirklich die Liaisons außerhalb des Nestes wählt, gibt er zu Bedenken.

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