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Wetter

Außergewöhnlicher Sturm heizt Arktis ein

Es herrscht Polarnacht in der Arktis, und eigentlich sollte es bitterkalt sein. Doch ein kräftiges Tief soll über das Wochenende Tauwetter bis zum Nordpol bringen.
Arktisches Meereis

Deutschland soll in der ersten Februarwoche so etwas wie einen flächendeckenden Hauch von Winter verspüren. Gebietsweise könnte es sogar im Tiefland auch tagsüber zu Dauerfrost kommen. Und womöglich sind dann Teile des Landes kurzzeitig sogar kälter als der Nordpol. Über der Baffin Bay westlich von Grönland hat sich am Mittwoch (31.01.) ein sehr starkes Tief entwickelt, das in der Folge Richtung Island zog und der Insel am Freitag (02.02.) stürmisches Wetter brachte. Mit Windspitzen auf Hurrikanniveau wühlt der Orkan nicht nur das Meer auf, er treibt auch warme Luftmassen weit nach Norden. In seinem weiteren Verlauf drückt der Sturm zu Wochenbeginn selbst am Nordpol die Temperaturen kurzzeitig über den Gefrierpunkt, wie der Klimablogger Robert Scribbler zeigt. In der Arktis herrschen dann stellenweise plus drei bis fünf Grad Celsius statt der üblichen rund minus 30 Grad Celsius.

Temperatursprünge wie diese sind für die Arktis auch im Winter nicht unbekannt, wenngleich sie nur sehr selten vorkommen. 2015 hatte ein derartiger Sturm ebenfalls für kurze Zeit Tauwetter am Nordpol ausgelöst. Seit 1948 wurden bislang aber nur vier derartige Ereignisse aufgezeichnet. Nach Durchzug sinken die Temperaturen normalerweise wieder rasch in den frostigen Bereich.

Prognostizierte Temperaturen rund um den Nordpol
Prognostizierte Temperaturen rund um den Nordpol | Am Montag (05.02.) werden in einem Teil der Arktis mitten im Winter Plusgrade erwartet.

Problematisch für das Meereis der Region wird dagegen der erwartete Wellengang. Der Sturm trieb südlich von Island Wellen mit Höhen von zwölf Metern und mehr vor sich her; im Nordpolarmeer werden immer noch sechs bis acht Meter erwartet. Das reicht aus, um vorhandenes Eis zu zertrümmern, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Schließlich ist die durchschnittliche Bedeckung in den letzten Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, und mehrjähriges dickes Eis verschwand fast vollständig: Es wird durch dünneres, wenig widerständiges einjähriges Eis ersetzt. Wind und Wellen des Sturms brechen die Eisflächen auf und zerstückeln sie, was die Schmelze erleichtert. Umgedrehte Eisschollen weisen dann mit ihrer dunklen Unterseite nach oben und nehmen mit beginnendem Polartag mehr Wärme auf. Und schließlich wühlt der Sturm das Meer auf und bringt dadurch wärmeres, salzigeres Wasser an die Oberfläche, das ebenfalls das Schmelzen fördert. Davon erholt sich das Eis dann doch etwas länger nicht.

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