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Außerirdisches Leben: In der Venusatmosphäre gibt es wahrscheinlich doch kein Phosphin

Der Hinweis auf Alien-Mikroben in der Wolkendecke der Venus hatte im Jahr 2020 für Schlagzeilen gesorgt. Die NASA hat den Fund bislang allerdings nicht bestätigen können.
Der Planet Venus, von der Sonne beschienen
Die Venus ist mit einer durchschnittlichen Sonnenentfernung von 108 Millionen Kilometern der zweitinnerste und mit einem Durchmesser von gut 12 100 Kilometern der drittkleinste Planet des Sonnensystems.

Gibt es Leben auf anderen Planeten, vielleicht sogar in unserem eigenen Sonnensystem? Diese Frage ist wahrscheinlich fast so alt wie die Menschheit. Wäre es doch ein unfassbarer Zufall, wenn sich nur auf der Erde Atome zu Organismen zusammengefunden hätten, die atmen, sich bewegen und teilweise sogar sprechen können. Entsprechend erregen Hinweise auf außerirdische Biomoleküle auch über Fachkreise hinaus große Aufmerksamkeit – so etwa im Jahr 2020: Damals berichteten 19 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Fachjournal »Nature Astronomy«, sie hätten Phosphin-Gas (PH3) in der Wolkendecke der Venus entdeckt. Das Team hatte es mit Teleskopen von der Erde aus nachgewiesen. Das Molekül, das aus einem Phosphor- und drei Wasserstoffatomen besteht, ist auf der Erde als Stoffwechselprodukt von Bakterien bekannt und könnte deshalb auf biologische Prozesse in den Venuswolken hindeuten, also auf Leben.

Aber nun sagt die NASA: alles Quatsch! Auf der Venus gibt es kein Phosphin. Mit der Flugzeugsternwarte »SOFIA« haben Forscher und Forscherinnen im November 2021 zur Überprüfung der Phosphin-These auf drei Flügen nach Spuren des Gases am Venushimmel gesucht. Das Stratosphären-Observatorium für Infrarot-Astronomie ist ein fliegendes Teleskop an Bord einer umgebauten Boeing 747-SP, das die US-amerikanische Raumfahrtbehörde gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt hat. Dank seiner hohen spektralen Auflösung ist es in der Lage, Phosphin in großen Höhen der Venusatmosphäre, etwa 75 bis 110 Kilometer über dem Boden – der gleichen Region, in der die ursprüngliche Entdeckung gemacht wurde –, und mit einer räumlichen Abdeckung über die gesamte Venusscheibe hinweg zu erkennen.

Doch das Team von der NASA und vom DLR fanden keine Anzeichen von Phosphin in der Venusatmosphäre. Wenn dort überhaupt Phosphin vorhanden sei, so heißt es in einer entsprechenden Mitteilung, dann seien es maximal 0,8 ppb (parts per billion) Phosphin – viel weniger als die ursprüngliche Schätzung. In der Zwischenzeit haben zwar auch die britischen Forscher ihren zunächst gefundenen Wert von 20 ppb Phosphin nach unten korrigiert, halten aber am Fund des Gases fest.

Bereits im Juli 2021 hatte ein Team um den Planetenastronomen Geronimo Villanueva vom Goddard Space Flight Center die Originaldaten noch einmal geprüft, fand jedoch keine Hinweise auf Phosphin. Seine Analyse ergab, dass das seltene Spurengas mit Schwefeldioxid verwechselt worden sein könnte, das in der Venusatmosphäre reichlich vorkommt.

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