Direkt zum Inhalt

News: Aussterbende Sprache in Sibirien entdeckt

David Harrison vom Swarthmore College und seine Kollegen haben in Westsibirien eine Sprache entdeckt, die nur noch von 35 Menschen – der jüngste davon ist 52 Jahre alt – fließend gesprochen wird. Die vorerst auf "Mittel-Tschulim" getaufte Sprache gehört zu einem nur noch aus gut 400 Angehörigen bestehenden Volksstamm an den Ufern des Flusses Tschulim. Die früheren Nomaden leben heute in sechs Dörfern verteilt und sehr durchmischt mit anderen Siedlern russischer Herkunft. Die jüngeren Volksangehörigen sprechen daher überwiegend bis ausschließlich russisch.

"Mittel-Tschulim" gehört offenbar zu den sibirischen Turksprachen, die sich deutlich von Russisch unterscheiden. Sie ist besonders reich an speziellen Ausdrücken für Flora und Fauna sowie Beschreibungen der Umgebungsbedingungen wie dem Wetter, was die Herkunft des Volksstammes als Nomaden widerspiegelt, der sich überwiegend durch Jagen, Fischen und Sammeln ernährt hat.

Harrison entdeckte die Sprache, als er sich im Juli 2003 mit einem Kamerateam nach Westsibirien aufmachte, um Hinweisen in alten Quellen nachzugehen, die auf die Existenz jener Sprache hindeuteten. Er plant nun im nächsten Jahr zurückzukehren, um die grammatikalischen Regeln aufzunehmen und ein Buch mit Kindergeschichten zusammenzustellen, um wenigstens einen Teil der Sprache für die Nachwelt zu überliefern.

Schreiben Sie uns!

Wenn Sie inhaltliche Anmerkungen zu diesem Artikel haben, können Sie die Redaktion per E-Mail informieren. Wir lesen Ihre Zuschrift, bitten jedoch um Verständnis, dass wir nicht jede beantworten können.

  • Quellen
AAAS Annual Meeting, Seattle (12.-16.2.2004)

Partnerinhalte