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Impfungen

Australiens Programm gegen Masern wirkt

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit und höchst ansteckend. Wer in Australien nicht impfen lässt, riskiert als Eltern finanzielle Einbußen. Die Drohung wirkt.
Junge liegt mit Masern krank im Bett

Immer wieder kommt es in Deutschland und anderen Industriestaaten zu kleineren Masernepidemien, weil Eltern ihre Kinder bewusst nicht impfen lassen oder die Zweitimpfung vergessen. Besonders gefährdet sind dann auch Menschen, die auf den Herdenschutz angewiesen sind, weil sie aus gesundheitlichen oder altersbedingten Gründen keine Vakzine erhalten dürfen – etwa Kleinkinder oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Dabei sind die Masern keine vermeintlich harmlose Kinderkrankheit, wie gerne von Impfgegnern behauptet, sondern können sehr ernste Spätfolgen wie die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE) verursachen, eine tödliche Gehirnentzündung, die erst mehrere Jahre nach der akuten Masernerkrankung und in einem von 3300 Fällen auftritt. Um der sich ausbreitenden Impfmüdigkeit und -skepsis im Land entgegenzutreten, hat die australische Regierung 2015 ein sehr striktes Programm aufgelegt: Wer seine Kinder nicht gegen die Viren impfen lässt, muss mit finanziellen Einbußen rechnen und erhält weniger staatliche Zuschüsse. Ein Jahr später zieht der zuständige Minister für Sozialdienstleistungen Christian Porter Bilanz – und diese fällt in seinen Augen positiv aus.

Insgesamt stieg die Impfquote von 90 auf 93 Prozent, was ein wichtiger Schritt zur Herdenimmunität ist, die bei 95 Prozent liegt – dann ist gewährleistet, dass sich die Masern nicht weiter ausbreiten und Infektionen vereinzelt bleiben. Unter anderem wurden über 5700 Kinder geimpft, deren Eltern Geldzuschüsse für ihren Nachwuchs erhalten und die sich zuvor auf einer Liste als Impfgegner eingetragen hatten. Die finanziellen Nachteile wogen für diese Familien letztlich doch stärker als etwaige medizinische Einwände. Noch wichtiger waren jedoch 148 000 Impfungen bei Mädchen und Jungen, die bereits einmal Vakzine erhalten hatten, deren Eltern die Zweitimpfung jedoch vergessen hatten. Kritiker dieser Maßnahme zeigen sich von den Resultaten jedoch nicht ganz überzeugt, auch wenn sie zugeben, dass sie letztlich erfolgreich war. Womöglich habe auch die starke Medienaufmerksamkeit dafür gesorgt, dass viele Eltern sich das Problem bewusst gemacht haben und ihre Kinder impfen ließen.

Immer wieder verbreiten Impfgegner, wie schädlich die Vakzine sein können. Das Risiko für einen Impfschaden liegt jedoch bei etwa eins zu einer Million Fälle, während es für Folgeschäden nach einer Infektion ohne Impfung deutlich höher ist. Weit verbreitet ist beispielsweise immer noch der Irrtum, dass Masernimpfungen Autismus auslösen können. Die entsprechende Veröffentlichung wurde jedoch schon vor einigen Jahren wegen grober Fehler zurückgezogen. Verschiedene Studien konnten zudem zeigen, dass hier kein Zusammenhang besteht. In Australien werden Eltern, die ihr Kind aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, nicht sanktioniert. Religiöse oder weltanschauliche Vorbehalte zählen hingegen nicht.

31/2016

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 31/2016

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