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News: Bäume brauchen Halbaffen zum Überleben

Die auf Madagaskar heimischen braunen Lemuren sehen einer ungewissen Zukunft entgegen: Einerseits verlieren sie ihren Lebensraum, da immer mehr Wald zur Gewinnung von Farmland gerodet wird, andererseits werden die Halbaffen selber von den Inselbewohnern gejagt und gegessen. Doch nicht nur das Überleben der Lemuren ist gefährdet, mit dem Rückgang der Tiere drohen auf Madagaskar auch einzigartige Baumarten zu verschwinden.
Seit vor 2000 Jahren die ersten Menschen auf Madagaskar eintrafen, haben sie 97 Prozent der Laubwälder auf der Insel zerstört. Inzwischen sehen die Vereinten Nationen die Wiederaufforstung dieses Trockenwaldes als eines der wichtigsten Naturschutzprogramme weltweit an. Eine Schwierigkeit dabei jedoch ist, daß – im Gegensatz zu den meisten Laubwäldern auf der Erde, in denen verschiedene Tierarten die Samen verteilen – in Madagaskar nur eine Handvoll Spezies die Samen der Laubbäume verbreitet. Das sind vor allem Vögel, Nagetiere und 39 Arten von Lemuren. Damit sind die bedrohten Halbaffen für zehn Prozent der Baumarten in den Trockenwäldern Westmadagaskars die wichtigsten Transportarbeiter (Conservation Biology vom August 1999).

1990 haben Jörg Ganzhorn und seine Kollegen von der Universität Hamburg und dem Deutschen Primatenzentrum in Göttingen sich auf den Weg gemacht, um die Nahrung dieser Samenverteiler zu untersuchen. An verschiedenen Stellen in zusammenhängenden und isolierten Waldstücken beobachtete das Team Lemuren, Nagetiere und Vögel beim Fressen von Früchten und untersuchte auch Ausscheidungen nach Samen. Dabei entdeckten die Forscher, daß zwanzig Baumarten, das sind etwa zehn Prozent der Vielfalt der Wälder, hauptsächlich von den braunen Lemuren verbreitet wurden.

Die Annahme der Wissenschaftler bestätigte sich, daß Wälder in denen die braunen Lemuren zum Beispiel durch Jagd ausgerottet sind, eine signifikant geringere Regeneration solcher Bäume aufweisen, die beim Samentransport von der Mithilfe der Halbaffen abhängig sind. "Unsere Arbeit zeigt, daß ein Wald nicht alle Baumarten beibehalten kann, wenn die Lemuren ausgerottet werden", sagt Ganzhorn. Die Forschungsergebnisse sind ein alarmierendes Zeichen dafür, daß Arten- und Naturschutzprojekte in Madagaskar intensiviert werden müssen.

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