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Kommunikation: Balzgesang im Ultraschall

Mäuse - einige Menschen und Elefanten ergreifen bekanntermaßen das Weite, wenn sie ihrer ansichtig werden. Aber haben Sie diese kleinen, niedlichen Nager auch schon mal singen hören? Vielleicht nicht zum Verlieben, aber auch nicht gerade zum Wegrennen - für Mäusedamen jedenfalls.
Mäuse stehen auf den Geruch ihrer ArtgenossenLaden...
Sowohl Männchen als auch Weibchen vieler Spezies lassen sich eine Menge einfallen, um dem anderen Geschlecht Avancen zu machen: Posen, Duftstoffe, Lockrufe oder sogar Liedern gleichende Tonabfolgen kommen zum Einsatz, um die Angebetete oder den Angebeteten zu bezaubern. Dabei sind Vögel die bekanntesten Vertreter der Paarungssuche durch Gesang. Was uns früh morgens zuweilen den Schlaf, wenn nicht sogar die Nerven raubt, stammt fast ausschließlich von den Männchen. Die Laute der Weibchen sind in erster Linie Kontakt- und Warnlaute.

Während sich Vogeldamen von ihren männlichen Artgenossen akustisch betören lassen, gehen Mäuse ja bekanntlich der Nase nach. Oder spielt etwa die Sangeskunst auch bei ihnen eine Rolle? Denn stumm bleiben liebeshungrige Mäuseriche keineswegs. Vielmehr fiepsen sie im für Menschen nicht hörbaren Ultraschallbereich, sobald ihnen der süße Duft weiblichen Urins in die Nase kommt.

Timothy Holy und Zhongsheng Guo von der Universität von Washington in St. Louis schauten genauer hin: Sie präsentierten ihren männlichen Versuchsnagern Wattestäbchen, die entweder mit weiblichen oder mit männlichem Urin oder einer Kombination von beidem getränkt waren, und nahmen die Reaktionen der Mäusemännchen auf.

Als die Forscher die Aufzeichnung mit einem Sechzehntel der Aufnahmegeschwindigkeit abspielten, vernahmen sie zwitscherähnliche Laute unterschiedlicher Dauer.
Singende MausLaden...
Singende Maus | Ein Mäusemännchen singt im Ultraschallbereich sobald es einer Mäusedame ansichtig wird. Hören sie doch einfach mal zu – über den Medialink.
Das Mäusefiepsen offenbarte sich als komplizierte Tonfolge mit etwa zehn Silben pro Sekunde, wobei dichte Strophen mit Phasen der Stille abwechselten.

Bei einer einzigen Maus konnten die Forscher innerhalb eines 210 Sekunden langen Auftritts 750 verschiedene Silben heraushören, die nicht zufällig, sondern wohl geordnet vorgetragen wurden. "Es stellte sich heraus, dass die Laute sehr viel komplexer und interessanter waren als wir erwartet hatten", bemerkt Holy.

Für die Neurobiologen erfüllen die Mäuselaute eindeutig die Definition eines Liedes: "Erstens, es müssen Silben erkennbar sein – also nicht bloß aneinandergereihte Töne, die sich wiederholen. Und Zweitens sollte eine zeitliche Regelmäßigkeit feststellbar sein – das heißt Motive und Themen, die von Zeit zu Zeit auftreten." Damit steht für die Forscher fest: Mäuse singen im Ultraschall.

Zugegeben, die Gesänge der Männchen sind nicht mit denen von Vögeln, Insekten, Fröschen oder Walen zu vergleichen. Auch ist noch nicht klar, ob die Mäuseriche dadurch einen Vorteil bei der Balz erlangen, wie es auch bei vielen Säugern der Fall ist. Aber ganz abgeneigt scheinen die Mäusedamen der Sangeskunst ihrer Verehrer nicht zu sein.
03.11.2005

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 03.11.2005

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