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Europäische Völker: Basken stammen von frühen Farmern ab

Unter den Völkern Europas stechen die Basken nicht nur mit ihrer eigentümlichen, nicht indoeuropäischen Sprache heraus. Nun scheint ihr Ursprung geklärt: Basken sind die letzten Ur-Farmer des alten Kontinents.
Baskenmütze

Für Historiker, Sprachwissenschaftler und Paläogenetiker hat unter allen Volksstämmen Europas das kleine Volk der Basken einen besonders schillernden Ruf: Niemand weiß, warum es derart anders ist als andere. Offenbar handelt es sich um ein Reliktgruppe von Ureuropäern, die übrig blieb, während der Rest des Kontinents von frischen Einwanderern besiedelt wurde. Fraglich war aber bisher, von welchen Menschen die urbaskische Linie einst ausging – waren es altsteinzeitliche Jäger oder womöglich Abkömmlinge der ersten Bauern Europas aus dem beginnenden Neolithikum?

Neue Genuntersuchungen bringen nun Licht ins Dunkel: Tatsächlich stimmen die typischen baskischen Gensignaturen mit denen von Menschen überein, die vor etwa 3500 bis 5500 Jahren auf dem Gebiet des heutigen Katalonien gelebt hatten: Ihre Überreste waren dort in der El-Portalón-Höhle konserviert worden. Diese Alt-Iberer stammten in direkter Linie von den frühen Farmern ab, die vor gut 8000 Jahren im Zuge der neolithischen Revolution die Landwirtschaft aus dem Nahen Osten über das Donaubecken nach ganz Südeuropa mitgebracht hatten.

Die Neolithiker mit ihrer neue Technik hatten dann über Jahrtausende hinweg umwälzenden Erfolg und verdrängten die frühen Wildbeuterkulturen der europäischen Altsteinzeit in die Randgebiete des Kontinents. Dann aber verschwanden sie und ihre genetischen Ahnen allmählich und wurden durch neue Gene und Menschen ersetzt, wie man seit einigen Jahren durch immer ausgefeiltere Genanalysen von modernen und längst ausgestorbenen menschlichen Populationen weiß.

Die Basken scheinen nach den neuen Studien jedenfalls eine der übrig gebliebenen Gruppen der frühen Farmer zu sein, die direkt von alten westeuropäischen Jungsteinzeitmenschen abstammen. Schon früher hatte man verschiedene Überlegungen angestellt, in denen Basken als Überbleibsel eines nicht indoeuropäischen "Urvolks" Europas galten. Baskisch ist eine der sehr wenigen nicht indoeuropäischen Sprachen im heutigen Europa – und Sprachwissenschaftler hatten bereits vermutet, dass viele der ältesten überlieferten Namen von Flüssen oder Bergen auf einer Sprache beruhen, die ihre Wurzeln in der vaskonischen Sprachfamilie hat.

36/2015

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 36/2015

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