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Sars-CoV-2: Bedroht Corona auch Wale und Robben?

Sars-CoV-2 könnte einige Meeressäuger womöglich sogar einfacher infizieren als den Menschen. Wie gefährdet sind Delfine, Robben, Wale und Seeotter wirklich?
Belugawale im SozialverbandLaden...

Schon bald nach dem Ausbruch der Coronakrise haben Forscher auch Wild- und Haustiere in den Blick genommen: Können sie sich mit dem Virus anstecken, erkranken und den Erreger womöglich weitertragen? Studien haben bald gezeigt, dass etwa Katzen sich tatsächlich anstecken – auch Großkatzen in Zoos. Hunde sind in geringerem Maß empfänglich für Sars-CoV-2, sowie auch Kaninchen, Goldhamster, Frettchen und Nerze, im Gegensatz etwa zu Meerschweinchen, Schweinen und Hühnern. Es besteht eine Meldepflicht für positiv getestete Haustiere, nicht aber die Pflicht zum Coronatest für Haustiere. Denn: Recht klar ist auch, dass Hunde oder Katzen keine Rolle bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 spielen.

Deutlich weniger gut untersucht waren bisher aber Tiere, die im Meer leben. Dass auch die sich anstecken können, ist nicht weit hergeholt: Wale und Robben infizieren sich bekanntermaßen mit verwandten Viren wie den Gamma-Coronaviren. Und es ist denkbar, dass Sars-CoV-2-Erreger über verunreinigte Abwässer in den Lebensraum der marinen Säugetiere gelangen. Dies haben jetzt Wissenschaftler um Saby Mathavarajah von der Dalhousie University im kanadischen Halifax für eine im Fachmagazin »Science of The Total Environment« erschienene Studie herauszufinden versucht.

In ihrer Studie haben die Forscher zunächst bei verschiedenen marinen Säugetieren untersucht, ob ihre Zellen die typischen ACE2-Rezeptoren tragen, an denen Sars-CoV-2 bei der Infektion andockt. Bei 15 Arten ist dies der Fall: Unter anderem bei einigen Arten von Robben, aber auch beim Amazonasdelfin (Inia geoffrensis), der nördlichen Unterart des Seeotters (Enhydra lutris kenyoni), dem Pottwal (Physeter macrocephalus) und dem Beluga (Delphinapterus leucas). Tatsächlich könnten manche dieser Tiere sogar anfälliger für eine Sars-CoV-2-Infektion sein als der Mensch, wie die Autoren in ihrer Studie schreiben. Dies ergibt sich nach Modellanalysen der Bindestärke von Sars-CoV-2-Andockstellen an die leicht unterschiedlichen ACE2-Varianten der Tiere. Die Analyse nimmt dabei an, dass eine stärkere Bindung des Virus mit der Infektionsgefahr korreliert und zieht Rückschlüsse aus der Zusammensetzung der ACE2-Proteinkette von bekanntermaßen stark infektionsgefährdeten Arten (wie etwa dem Menschen) und weniger gut infizierbaren (wie dem Hund). Demnach sollten zum Beispiel Minkwale insgesamt zwar infektionsgefährdet sein, dies aber weniger als zum Beispiel Walrosse.

Ohnehin ist umstritten, ob die Erreger in gefährlichen Mengen in den Lebensraum der Meerestiere gelangen können. Die Forscher um Mathavarajah vermuten, dass das Virus in ungeklärten Abwässern in für eine Infektion ausreichend hoher Kozentration vorkommen kann. Immerhin sei nachgewiesen, dass infizierte Menschen Sars-CoV-2-RNA mit dem Kot ausscheiden. In bestimmten Situation entstehe so eine Gefahr: Etwa, wenn Abwasser wie in Alaska in flache Lagunen geleitet wird, in denen größere Populationen von Belugas heimisch sind. Soziale Tiere wie Delphine oder Robben würden dann oft in engem Kontakt untereinander stehen und könnten daher das einmal eingeschleppte Virus womöglich unter sich in der Population verbreiten.

Der vom Nachrichtenportal »Mongobay« dazu befragte Epidemiologe David Larsen von der Syracuse University gibt sich skeptisch: Zwar könnte Virus-RNA aus dem Kot Infizierter über das Abwasser ins Meer gelangen, dort werde das Virus aber rasch stark verdünnt. Es sei »ziemlich weit hergeholt«, dass marine Säugetiere sich unter Wasser mit Covid-19 anstecken, so Larsen, der zuletzt eine Studie über Coronaviren in Abwässern geleitet hat. Immerhin aber sollte in Betracht gezogen werden, dass auch Meeressäuger sich mit dem Virus infizieren können, vielleicht jedoch eher in Zoos bei engem Kontakt mit infiziertem Personal.

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