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News: Bedrohte Vielfalt

Korallenriffe gehören zu den artenreichsten und gleichzeitig auch am stärksten bedrohten Lebensräumen. Um Schutzanstrengungen sinnvoll zu bündeln, haben Forscher nun eine Liste von zehn Gebieten erstellt, die für den Erhalt der Riff-Ökosysteme am wichtigsten sind.
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Auf einer Fläche von nur 284 000 Quadratkilometern – viermal so groß wie Bayern – drängt sich unter Wasser ein Artenreichtum, der dem Vergleich mit der Vielfalt tropischer Regenwälder ohne Schwierigkeiten standhält. Wie die terrestrischen Lebensräume sind auch Korallenriffe, die etwa ein Sechstel aller Küsten säumen, durch Umweltveränderungen und den Menschen stark bedroht. So liegen die meisten davon in den Hoheitsgebieten von Entwicklungsländern, wo sie Nahrung, Baumaterialien und Ausgangsstoffe für Medizin stellen müssen. Hinzu kommt der Druck durch Touristen, die in den faszinierenden und farbenprächtigen Riffen tauchen und schnorcheln. Insgesamt gelten dadurch etwa 60 Prozent der Lebensräume als gefährdet.

Um eine wirksame Schutzstrategie entwickeln zu können, müssen Forscher jedoch erst einmal wissen, welche Gebiete denn am wichtigsten für den Erhalt des Ökosystems sind. Callum Roberts von der Harvard University und seine Kollegen wendeten hierfür dieselbe Strategie an wie Norman Myers, als er die Biodiversitäts-"Hotspots" der terrestrischen Lebensräume ausgliederte: Wo ist die Zahl der endemischen – nur dort vorkommenden – und damit besonders anfälligen Arten am höchsten, und welche Regionen sind davon am meisten gefährdet.

Roberts und seine Mitarbeiter analysierten die Verbreitungsmuster von insgesamt 3235 Arten aus vier verschiedenen Tiergruppen: Fischen, Korallen, Schnecken und Krebstieren. Sauber übereinandergelegt, offenbarten die Karten mehrere Zentren, in denen sich die Arten mit beschränkter Verbreitung nur so tummeln. Im nächsten Schritt wiesen die Forscher anhand einer Studie des World Resource Institute von 1998 den jeweiligen Gebieten einen Gefährdungsindex zu und gliederten damit die Top Ten der Korallenriff-Hotspots aus.

Sie beheimaten demnach etwa die Hälfte der Endemiten, wobei sie nur knapp 16 Prozent der globalen Korallenriffe ausmachen. Angeführt von den Philippinen, gefolgt von dem Golf von Guinea vor Westafrika, den Sundainseln und den südlichen Maskarenen reicht die Liste einmal um den Globus bis zu den Schlusslichtern westliche Karibik und Rotes Meer.

Auffällig ist, dass acht der zehn Gebiete eng benachbart zu einem der terrestrischen Hotspots liegen. Die Wissenschaftler schlagen daher vor, die Schutzanstrengungen an Land auf das Meer auszudehnen. Denn marine Schutzgebiete sind bisher noch die Ausnahme – sie bedecken nicht einmal ein halbes Prozent der Ozeanfläche, während auf dem Festland immerhin etwa sechs Prozent der Fläche aus Nationalparks und anderen geschützten Gebieten bestehen. Und der Erfolg solcher Meeresreservate ist belegt: Der Fischbestand an bestimmten Korallenriffen vor der karibischen Insel St. Lucia, seit 1995 teilweise unter Schutz, hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht.

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