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Darmbakterien: Beeinträchtigt eine Geburt per Kaiserschnitt die kognitive Entwicklung?

Einer australischen Studie zufolge können Grundschüler, die auf natürlichem Weg zur Welt kamen, ein wenig besser rechnen, lesen und schreiben als Mitschüler, die per Kaiserschnitt geboren wurden.
Schüler vor der Tafel

Der Weg durch den Geburtskanal der Mutter ist sicherlich nicht angenehm, aber die Strapaze wird offenbar belohnt. Laut einer landesweiten Längsschnittstudie in Australien können Kinder, die auf natürlichem Weg geboren werden, mit acht bis neun Jahren besser rechnen, lesen und schreiben als Kinder, die per Kaiserschnitt das Licht der Welt erblickten.

Ein Team um den Neurowissenschaftler Joel Bornstein von der University of Melbourne verfolgte die Entwicklung von 3666 repräsentativ ausgewählten Neugeborenen bis ins Alter von acht bis neun Jahren. Die per Kaiserschnitt geborenen Kinder schnitten in einer Reihe von Tests zu Grammatik, Rechen-, Lese- und Schreibfertigkeiten etwas schlechter ab, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten.

Auf sozioökonomische Unterschiede zwischen den Eltern wie den Bildungsgrad ließen sich diese Unterschiede nicht zurückführen. Und auch wenn die Mütter, die per Kaiserschnitt niederkamen, in einem schlechteren Gesundheitszustand waren und seltener stillten: Mit diesen und zahlreichen anderen Unterschieden seitens der Eltern ließen sich die schlechteren Testergebnisse im Rechnen und Lesen nicht einmal zu einem Drittel erklären.

Bornstein vermutet deshalb, dass hier noch ein anderer Mechanismus am Werk sein müsse. Bei einer Vaginalgeburt komme das Baby mit Bakterien im Geburtskanal der Mutter in Kontakt. Deshalb entwickle sich die Darmflora des Kindes anders als nach einem Kaiserschnitt. Aus anderen Studien ist bekannt, dass Bakterien im Darm die Entwicklung des Nervensystems – und damit des Gehirns – beeinflussen können.

Trotzdem: Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass ein Kaiserschnitt die schlechteren Testergebnisse tatsächlich verursacht. Denn es ist nicht auszuschließen, dass es noch andere Unterschiede zwischen den Eltern gab, die in der Studie nicht erfasst wurden und die sowohl die Entwicklung des Kindes als auch die Art der Niederkunft beeinflussten.

Ob die Kaiserschnittbabys den Rückstand später noch aufholen können, ist derzeit unklar. Jedenfalls ist ihr Handikap nicht größer als der Unterschied in den Lesefertigkeiten von Jungs und Mädchen. Erstautor Cain Polidano beruhigt besorgte Eltern: "Der Effekt des Kaiserschnitts ist nicht so groß wie der Unterschied, den Sie machen können, indem Sie Ihr Kind anregen und unterstützen."

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