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News: Begleitschäden durch Meningitis

Pneumococcen-Meningitis tötet etwa dreißig Prozent der Betroffenen und hinterläßt jeden zweiten Überlebenden mit schweren dauerhaften Hirnschäden. Allerdings ist es nicht der Verursacher selbst, der diese massiven Schädigungen hervorruft, sondern vor allem eine starke Entzündungswirkung der Infektion, die Gehirnzellen in den Selbstmord treibt.
Diese Erkenntnis beruht auf einer Studie, die in der März-Ausgabe von Nature Medicine veröffentlicht wurde. Versuche an Tieren lassen dabei hoffen, daß wenigstens durch die Blockierung der Zellzerstörung eine Schädigung der Nerven verringert werden könnte, was neue Behandlungsstrategien eröffnen würde.

Jedes Jahr verursacht Streptococcus pneumoniae über 50 000 Meningitis-Fälle in den Vereinigten Staaten, vor allem bei Kindern. Weltweit sterben daran Hunderttausende, während eine noch größere Zahl Lähmungen, Schlaganfälle und Gehörverluste erleidet. Und obwohl Meningitis (Gehirnhautentzündung), die durch andere Bakterien verursacht wird, durch eine Kombination von Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten begrenzt werden kann, helfen diese Mittel nur selten bei Infektion mit Pneumococcen.

Die Spezialistin für Infektionskrankheiten Elaine Tuomanen am St. Jude Children's Research Hospital in Memphis vermutet, daß die Erkrankung Gehirnzellen auf eine bestimmte Weise dazu bringt, Selbstmord zu begehen, der als programmierter Zelltod oder Apoptose bekannt ist. Da Bakterien in der Lage sind, Apoptose in den Eingeweiden zu verursachen, fragte sie sich, ob nicht auch dasselbe mit den Gehirnzellen geschehen sein könnte.

Um dies herauszufinden, infizierte Tuomanen Kaninchen mit S. pneumoniae. Als sie die Tiere mit vollausgeprägter Meningitis untersuchte, fand sie nur die Hälfte der üblichen Anzahl an intakten Nervenzellen in den Gehirnregionen, die von der Meningitis befallen waren. Die sterbenden Zellen zeigten alle Merkmale eines apoptischen Selbstmords. Offensichtlich steuerten Immunzellen die Apoptose, indem sie entsprechende Moleküle absonderten, da Tuomanen dieses teilweise dadurch blockieren konnte, daß sie die Zellen daran hinderte, in das Gehirn zu gelangen.

Durch Injektion von Medikamenten, die den zerstörerische Ablauf von Apoptose in der zerebrospinalen Flüssigkeit – die das Gehirn und das Rückenmark umgibt – aufhalten, konnte Sie einen noch besseren Schutz der gefährdeten Nervenzellen erreichen. Weiterhin litten die behandelten Kaninchen kürzere Zeiten an Komplikationen wie Lähmungen und Schlaganfällen. Tuomanen glaubt daher daß Apoptose-Hemmer eine vielversprechende Waffe gegen Meningitis sein könnten.

Andere Wissenschaftler weisen allerdings diese Hoffnungen als verfrüht zurück, da es ein großer Schritt vom Tiermodell bis zum Menschen ist. Die Ergebnisse sind jedoch von Interesse, da gerade die Standardbehandlung von Meningitis bislang kein Allheilmittel war, so daß ein dringender Bedarf an neuen Heilungsmethoden für Meningitis durch S. pneumoniae besteht.

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