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News: Begnadete Segelflieger

Elegant schweben die anmutigen "Segelflieger" der Südozeane mit ihren starr ausgebreiteten, mächtigen Flügeln scheinbar schwerelos über das Meer. Der Wanderalbatross ist das größte Mitglied seiner aus 14 Arten bestehenden Familie und einer der spektakulärsten Seevögel. Wissenschaftler entdeckten nun signifikante Unterschiede zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Alt- und Jungtieren, die sich vermutlich auf ihr Flugverhalten auswirken.
Mit einer Flügelspannweite von bis zu 3,6 Metern, einer Länge um 1,25 Meter und einem Gewicht von sieben bis zehn Kilogramm ist der Wanderalbatross (Diomedea exulans) einer der größten und schwersten flugfähigen Vögel der Erde. Schon lange wird er als graziöser Meister des aufsteigenden Fluges bewundert. Auf der Suche nach Nahrung nutzt er die gleichmäßig starken ozeanischen Luftströmungen, um gewaltige Entfernungen zurückzulegen. Seine langen, schlanken Flügel minimieren den Luftwiderstand und ermöglichen dem prächtigen Seevogel, mit einem äußerst geringen Energieaufwand in der Luft zu bleiben.

Scott Shaffer und Daniel Costa von der University of California sowie Henri Weimerskirch und seine Kollegen vom Centre National de la Recherche Scientifique untersuchten nun, inwieweit sich der sexuelle Dimorphismus – Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der Größe und des Aussehens – auf das Flugverhalten und die Futtersuche der Wanderalbatrosse auswirkt. An der Brutstätte in Crozet Islands vermaßen die Forscher die Körpergröße, die Flügelspannweite sowie die Oberflächen der Flügel von 56 Tieren, einschließlich erwachsener und junger Vögel von beiden Geschlechtern.

Dabei entdeckten sie bedeutsame morphologische Unterschiede zwischen Männchen und Weibchen, aber auch zwischen Alt- und Jungtieren: Im Vergleich mit den weiblichen Artgenossen sind die männlichen Wanderalbatrosse durchschnittlich schwerer und die Länge sowie die Oberflächen ihrer Flügel sind größer. Als die Wissenschaftler diese Daten bezüglich des Flugverhaltens analysierten, stellten sie fest, dass der Faktor "Flügelbelastung" (Gewicht dividiert durch die Flügelfläche) bei den Männchen signifikant größer ist als bei den Weibchen. Hochgerechnet auf die Jungtiere ergab sich bei ihnen eine geringere Flügelbelastung als bei den erwachsenen Vögeln.

Diese Ergebnisse stimmen mit den verschiedenen Windstärken der Regionen überein, in denen die Wanderalbatrosse der beiden Geschlechter und unterschiedlichen Alters gewöhnlich auf Nahrungssuche gehen: Die männlichen Seevögel jagen ihre Beute typischerweise in extrem windigen subantarktischen und antarktischen Zonen südlich der Brutkolonie in Crozet Islands am 46. Grad südlicher Breite. Aufgrund der größeren Flügelbelastung benötigen sie höhere Windgeschwindigkeiten, um ohne Flügelschlagen in der Luft zu verharren. Die Weibchen neigen hingegen dazu, ihr Futter in subtropischen und tropischen Gewässern im Norden aufzuspüren, wo die Winde schwächer sind. Die Jungvögel suchen ihre Nahrung in weiter nördlichen Regionen, für die noch leichtere Winde charakteristisch sind. Der schwache Wind schafft für die Albatross-Nachkömmlinge ideale Bedingungen, um ihre Flug- und Jagdfähigkeiten während ihrer ersten Monate an der See zu entwickeln.

"Ein männlicher Albatross, der zu weit nördlich auf Beutejagd zieht, stößt wahrscheinlich auf Winde, die zu schwach sind, um einen effizienten Segelflug zu gewährleisten. Aber ein Weibchen hat keine Nachteile, wenn es im Süden bei stärkeren Winden Nahrung sucht", hebt Shaffer hervor. "Vermutlich jagen die beiden Geschlechter an verschiedenen Plätzen, um nicht miteinander um Futter zu konkurrieren oder um den Flächenumfang zu vergrößern, den ein Wanderalbatrosspärchen für die Nahrungssuche abdecken kann."

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