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Mittelalterliche Massengräber: Der verlorene Haufen der Anne de Bretagne

Massengräber aus Rennes erzählen von einer kämpferischen 14-Jährigen und jenen, die ihren aussichtslosen Kampf fochten. Isotopen geben ihnen nun ein Teil ihrer Identität zurück.
Ein gut drei Meter langer Graben enthielt mindestens 28 Skelette

Könige und Kaiser, Fürsten und Generäle – der Lauf der Geschichte wird scheinbar von Anführern geprägt, ihre Namen sind es, die die Chronisten notieren. All die Menschen aber, die im Räderwerk der Mächte ihr Leben ließen, sind bald vergessen. 32 Soldaten, die im Mittelalter in der Bretagne umkamen, erfahren nun eine späte Würdigung. Ein internationales Team aus Fachleuten verschiedener Disziplinen gibt ihnen ein Stück ihrer Biografie zurück: ihre mutmaßliche Herkunft.

Entdeckt wurden die 32 auf dem Gelände des einstigen Jakobinerklosters in der bretonischen Provinzhauptstadt Rennes. Weil dort ein Kongresszentrum entstehen sollte, grub sich das Team von Rozenn Colleter vom Institut national de recherches archéologiques préventives (Inrap) in die Überreste des 1368 gegründeten Konvents, einst die bevorzugte Begräbnisstätte der Aristokratie. Zwischen 2011 und 2013 kamen so 136 Skelette aus dem späten 14. bis 16. Jahrhundert zum Vorschein. Die meisten lagen im ehemaligen Friedhof, viele im Klostergarten, etliche waren aber auch in den Klostergebäuden selbst bestattet worden. Je näher zum Altarraum, desto höher die gesellschaftliche Stellung.

Mindestens 32 Menschen aber fanden außerhalb des Konvents ihre letzte Ruhestätte: Eine Grube barg 4 Skelette, ein gut drei Meter langer Graben gar 28. Vermutlich liegen noch weitere 7 darin, in unzugänglichen Bereichen.

Schriftliche Überlieferungen zu diesen Gräbern fehlen, ebenso aufschlussreiche Fundstücke. Massengräber wie diese enthalten oft die hastig verscharrten Opfer einer Epidemie. Doch in diesem Fall scheint die Menschen ein anderes Schicksal ereilt zu haben. Sie wurden wohl Opfer von Kampfhandlungen. Und wie es nach einer Schlacht üblich war, hat man die Toten aller Habe beraubt.

Berittene Krieger, die vom Pferd gerissen wurden?

Im anthropologischen Labor des Inrap zeigte sich schnell: Alle 32 Tote waren Männer gewesen, drei davon zwischen 15 und 20 Jahren alt, die anderen älter. Viele Skelette trugen Spuren von meist tödlichen Verletzungen durch scharfe oder spitze Gegenstände. Einige im Massengrab Verscharrte hatten wohl frühere Verwundungen überstanden. Schnittmarken an Rücken, Unterarm oder Kopf zeugen von Nahkämpfen, die erbittert mit Messern ausgefochten wurden. Andere hatten offenbar Säbel oder Hellebarden abbekommen. In vier Fällen waren Streiche gegen Knöchel oder Schenkel von unten nach oben geführt worden. Diese Toten könnten Reiter gewesen sein, vielleicht haben Fußsoldaten versucht, sie vom Pferd zu holen.

Ein Vergleich mit anderen im Konvent Bestatteten ergab zudem, dass die 32 größer waren als der Durchschnitt der Zeitgenossen. Es besteht somit kein Zweifel: Diese Männer lebten vom Krieg und waren im Kampf gefallen.

Kämpfer für die jugendliche Herzogin | Die vier Skelette, die zusammen in einer Grube bestattet wurden, gehörten wohl zum Aufgebot der Bretagne. Sie kämpften gegen eine Übermacht. Der Fall Rennes war nur eine Frage der Zeit.

Radiokarbonanalysen von Knochenproben datieren beide Gräber nur recht ungenau in die Mitte des 15. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Immerhin hilft die schriftliche Überlieferung weiter: Chronisten verzeichneten in diesem Zeitraum nur zwei größere Konflikte. Der spätere der beiden fand im Rahmen der Religionskriege (1589-1598) statt. Doch hier wären bei den Gefallenen Schusswunden zu erwarten gewesen – im 16. Jahrhundert trugen Infanteristen bereits Arkebusen und Musketen.

Alles spricht also für den früheren der beiden Konflikte: Die 32 Männer, die vor den Mauern des Jakobinerkonvents in Gruben verscharrt wurden, scheinen tatsächlich bei der Belagerung von Rennes 1491 ihr Leben verloren zu haben. Sie gilt als die Entscheidungsschlacht im französisch-bretonischen Krieg (1487-1491), an dessen Ende eine geschlagene Bretagne nicht mehr verhindern konnte, vom französischen Reich einverleibt zu werden.

Der Hundertjährige Krieg bescherte der Bretagne Autonomie

Zuvor hatten die bretonischen Herzöge über Generation hinweg klug taktiert und ihre Unabhängigkeit gewahrt. Immer streng nach dem Prinzip, dass sich meist ein Dritter freut, wenn zwei sich streiten – in diesem Fall die ewigen Kontrahenten Frankreich und England.

Sie waren von 1337 bis 1453 in einen Dauerkonflikt verstrickt, der vereinfachend meist als Hundertjähriger Krieg bezeichnet wird. Dass Aufmerksamkeit und militärische Ressourcen des französischen Königs durch den Krieg gebunden waren, nutzten die Herzöge der bretonischen Montford-Dynastie, um von Rennes aus nach eigenem Belieben zu schalten und zu walten. Sie hielten sich aus dem Konflikt heraus, und dieser Friede ermöglichte einen wirtschaftlichen Aufschwung. Die Fertigung von Textilien blühte auf, ebenso der Seehandel.

Es versteht sich, dass man das nahe Ende der Dauerfehde nicht gern sah. Wohl deshalb unterstützte die Bretagne Revolten gegen die französische Krone. Die Folge davon: Als der Bretonenherzog Franz II. (1435-1488) ohne männlichen Erben 1487 mit dem Tode rang, erklärte sich König Karl VIII. (1470-1498) mit Hilfe einiger Winkelzüge zu seinem Nachfolger. Doch der Herzog verstand sein Land zu verteidigen und installierte seine Tochter Anne (1477-1514) als Thronerbin.

Franz II. suchte Allianzen jenseits des Ärmelkanals und verbündete sich außerdem mit dem Habsburger Maximilian I. (1459-1519). Der spätere Kaiser des Heiligen Römischen Reichs war ebenfalls ein Gegner Frankreichs. Durch eigene Kämpfe an vielen Fronten war er jedoch zu geschwächt, um nennenswerten Beistand zu leisten, und so musste sich die Bretagne Ende Juli 1488 erstmals geschlagen geben. Karl VIII. erzwang einen Vertrag, der nicht nur die territoriale Unabhängigkeit des Herzogtums beendete. Jede Hochzeit Annes müsse von Paris abgesegnet werden. Als Franz  II. im September starb, war seine Tochter gerade einmal zwölf Jahre alt.

Als Anne den künftigen deutschen Kaiser heiratet, eskaliert der Streit

Doch der Unabhängigkeitskampf schwelte weiter. Zwei Jahre später verstieß Anne gegen das Abkommen und heiratete Maximilian I. Der französische König reagierte prompt und marschierte wie zu erwarten in die Bretagne ein. Vermutlich baute die Herzogin auf ihren habsburgischen Gemahl, doch wieder konnte der nicht genug Kämpfer entsenden. Das ebenfalls habsburgische Spanien sprang zwar in die Bresche, auch aus England kamen Söldner, doch gegen die Übermacht konnten sie nichts mehr ausrichten. Im Januar 1491 war die Bretagne weitgehend von französischen Soldaten besetzt, Anne verschanzte sich in Rennes.

Jene 32 Skelette aus dem Umfeld des Jakobinerkonvents kamen wohl bei den nun folgenden Kampfhandlungen ums Leben. Doch waren sie Freund oder Feind der Herzogin gewesen?

Anne de Bretagne in einem kolorierten Stich | Sie kämpfte für die Unabhängigkeit der Bretagne, doch verlor den Krieg gegen Frankreich. Als Frau des Siegers Karl VIII. wurde sie ungewollt zur französischen Königin.

Die Toten sollen auf Isotopen-Landschaften verortet werden

Seit einigen Jahren schon rücken Physiker und Chemiker den Biografien namenloser Leichen durch Analyse von Isotopen zu Leibe. Diese atomaren Varianten eines chemischen Elements gelangen in jeweils anderen Mengenverhältnissen in den Körper, je nachdem, wo jemand lebte oder aufwuchs. Beispielsweise macht das Isotop Sauerstoff-16 den Hauptteil des Sauerstoffs in der Welt aus, doch kommt auch das Isotop Sauerstoff-18 vor. Beide gelangen über das Trinkwasser in unseren Körper und werden in Gewebe eingebaut. Bestimmt man ihr Mengenverhältnis dort, gewinnt man Rückschlüsse auf die klimatischen und geografischen Bedingungen der Gegend, in der das Wasser gewonnen wurde.

Ein wichtiges Element für die Rekonstruktion der Lebenswelt eines Menschen ist auch Strontium, da seine Isotope Strontium-86 und Strontium-87 in Knochen und Zahnschmelz eingebaut werden. Es wird durch den Verzehr von Pflanzen und Fleisch aufgenommen, und die Konzentrationsverhältnisse in den Hartgeweben entsprechend weitgehend denen in Böden und Gesteinen.

Knochen und Zähne aus archäologischen Grabungen, genauer gesagt deren Struktureiweiß Kollagen, liefern deshalb Hinweise auf die jeweiligen Lebenswelten. Weil sich Zahnschmelz während der Kindheit bildet, Knochengewebe im Turnus von 10 bis 20 Jahren komplett erneuert wird, verrät Ersterer etwas über die Gegend, in der ein Mensch seine ersten Jahre verbracht hat, Knochen etwas über jene, in der er starb.

Freilich benötigt eine solche Rekonstruktion Vergleichswerte. Für Sauerstoff und Strontium gibt es bereits so genannte »Isoscapes« (ein Kunstwort aus englisch isotope und landscape), aus denen man entnehmen kann, welche Konzentrationsverhältnisse an einem gegebenen Ort zu erwarten sind. Die französische Geoarchäologin Klervia Jaouen, derzeit am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, und der Isotopenspezialist Clément Bataille vom Department of Earth and Environmental Sciences der University of Ottawa beschlossen ebenso Schwefel zu berücksichtigen, und zwar das Isotop Schwefel-34. Es ist mit einem Anteil von mehr als 4 Prozent die zweithäufigste stabile Variante, 95 Prozent macht das Schwefel-32-Isotop aus. Die wichtigste Quelle für dieses Element in unserer Nahrung ist das Meer – und Küsten prägen die Bretagne. Wir nehmen Schwefel über Fisch und Meeresfrüchte auf, er wird aber auch in Form von Salzen ins Landesinnere verweht, wo er in Pflanzen eingebaut wird. Daher sinkt die Schwefel-34-Konzentration der Umgebung mit wachsendem Abstand zu den Küsten.

Welches Isotopenverhältnis ist typisch für die Bretagne?

Das Team kombinierte alle drei Isotope, um die Herkunft der Unbekannten von Rennes zu ermitteln. Dazu bedurfte es aber zunächst einer Schwefel-34-Isoscape für Westeuropa. Eine Mammutaufgabe, denn es galt, aus wissenschaftlichen Publikationen Messungen an menschlichen und tierischen Gebeinen zusammenzutragen, und zwar von der mittleren Steinzeit bis in das frühe 20. Jahrhundert. Insgesamt waren es 221 Fundstätten – deren Koordinaten man zum Teil nachrecherchierte – und 2680 Isotopenanalysen, aus denen sich schließlich 187 lokale Durchschnittswerte ergaben.

Um daraus ein Vorhersagemodell abzuleiten, wurden diese mit Faktoren verknüpft, die Einfluss auf die Konzentrationen haben. Dazu gehörte die Entfernung einer Fundstätte zum Meer, Angaben zur Bodenbeschaffenheit und Aerosolniederschlag, Regenmengen und Temperaturen, sogar lokale Schwankungen der Schwerkraft auf Grund von Massenschwankungen. Fernerkundungsdatenbanken und andere Quellen lieferten diese Informationen.

Schließlich fütterte man einen selbstlernenden Computeralgorithmus mit allen Daten. Nun kamen die Verfahren der »multivariaten Regression« zum Einsatz, statistische Werkzeuge, die große Datensätze nach Mustern durchforschen und sie in mathematischen Modellen abbilden. Diese erlauben es dann endlich, für beliebige Orte die in Knochen und Zahnschmelz zu erwartenden Mengen an Schwefel-34 zu berechnen.

Zwei Adlige dienen als Testfall

Wie effektiv die nun verfügbaren Isoscapes für Schwefel, Sauerstoff und Strontium die Wirklichkeit abbildeten, testete das Team an Zähnen aus einer jüngeren Phase des Jakobinerklosters. Sie stammten zum einen aus zwei historisch dokumentierten und bereits untersuchten Gräbern bekannter Personen: Die Adligen Louise de Quengo und Louis de Plessis hatten ihr Leben bekanntermaßen in Rennes oder nahebei verbracht. Dazu kamen Hunde-, Rinder- und Schweinezähne aus dem Müll des Klosterhospitals. Schweine wurden damals in der Stadt selbst gezüchtet, Kühe in der Umgebung. Die Hunde dürften Mitarbeitern gehört haben oder waren Streuner gewesen, jedenfalls ist es unwahrscheinlich, dass sie aus einer weit entfernten Region stammten.

König Karl VIII. | Als er die Stadt Rennes belagern ließ, war der Rest der Bretagne schon so gut wie in seiner Hand. Erst wenige Jahre zuvor hatte er das auf Eigenständigkeit bedachte Herzogtum schon einmal militärisch in die Knie gezwungen.

Werteten die Forschenden jedes Isotop für sich aus, lieferte Sauerstoff-18 die geringste Treffsicherheit. Die Kombination zweier Isoscapes verbesserte das Ergebnis prinzipiell bereits dramatisch, wobei Strontium und Schwefel im Verein das beste Resultat lieferten. Alle drei Isotope zusammen vermochten 98,4 Prozent Westeuropas als Herkunftsgebiete auszuschließen.

Nun galt es, die unbekannten Skelette zu untersuchen. Wie sie im Mai 2021 im Fachmagazin »PLOS ONE« schreiben, widmeten sich die Forscherinnen und Forscher zunächst dem Gemeinschaftsgrab der vier. Drei der Toten hatten demnach im Umkreis von Rennes gelebt. Bei zweien lagen die im Zahnschmelz gewonnenen Mengen an Schwefel-34 knapp unterhalb den Erwartungswerten. Beide waren nur geschätzt 35 beziehungsweise 25 Jahre alt geworden, könnten also bald nach der Pubertät aus einer an Schwefel-34 ärmeren Gegend nach Rennes übersiedelt sein. Das mag schlicht das Inland gewesen sein, die gesamten Daten passen bei dem Älteren der beiden aber auch zum Königreich Aragon oder zu Aquitanien. Im ersten Fall wäre er ein Verbündeter Annes gewesen, im zweiten ein Soldat des französischen Königs. Allerdings lässt sich der geringere Schwefelwert auch ganz anders erklären: Der Betreffende aß vielleicht bloß wenig Fisch, was auch seine Stickstoffisotope nahelegen. Aus dem Meer stammende Kost enthält mehr vom seltenen Stickstoff-15 als solche aus Süßwasser oder von Landlebewesen.

Wurden hier Landsknechte zu Opfern der Belagerung?

Die vierte Person stammte sicher nicht aus der Bretagne und war wohl auch erst in den letzten Jahren ihres Lebens dorthin gekommen. Kandidaten für ihre Heimat wären auf der Basis der Schwefelwerte Gebiete im Norden und im Süden Frankreichs sowie Spanien. Nutzt man alle drei Isotope ergibt sich ein Gebiet südöstlich von Paris.

Warum es diesen Mann nach Rennes verschlagen hat, darauf gibt eine genetische Analyse Aufschluss: Erbgut in seinen Zellen zeigt eine Besonderheit, wie sie seinerzeit in der Bretagne häufig auftrat, auch etwa bei Louise de Quengo – dieser Mann hatte also wohl verwandtschaftliche Beziehungen dorthin. Dass er ebenfalls zum Adel gehörte, legt die Stickstoffisotop-Untersuchung nahe, die für eine an Fleisch reiche Kost spricht. Die beiden letzten Befunde treffen auch für zwei weitere Leichen dieses Grabes zu, während der vierte Tote vermutlich aus einfachen Verhältnissen stammte. Alle vier aber dürften zur bretonischen Armee gehört haben.

»Isoscape« für Schwefel | Die Karte links zeigt die Schwefelisotopenverteilung in Europa. Rechts sind die Isotopenverhältnisse einzelner Individuen dargestellt, aufgegliedert nach den Messwerten aus Zähnen (entspricht der Kindheit des Individuums) und den Knochen (Erwachsenenalter). Der graue Bereich zeigt übliche die Schwefelisotopenwerte der bretonischen Region, wie sie von früheren Studien bestimmt wurden.

Ein sehr uneinheitliches Bild ergaben die Isotopenanalysen der Knochen und – sofern vorhanden – Zähne aus dem großen Grab. Sehr wahrscheinlich hatte keiner der 28 Toten seine Kindheit in der Nähe von Rennes verbracht, auch nicht die letzten Jahre. Insbesondere die Schwefelwerte waren dafür zu niedrig. Mögliche Herkunftsregionen, bevorzugte Nahrung, sozialer Status – für alle diese Aspekte liefern die Analysen individuell ganz unterschiedliche Ergebnisse. Manche könnten aus dem nichtbretonischen Westfrankreich, aus dem französischen Alpenraum, Flandern, England oder sogar aus der Schweiz stammen. Theoretisch könnten sie Landsknechte des spanischen Königs oder des Habsburgers Maximilian gewesen sein. Allerdings, so argumentiert das Team, hätten Söldner eher unabhängig von den regulären Truppen gekämpft, wären also wohl auch nicht gemeinsam mit deren Gefallenen begraben worden. Der Schluss liegt nahe, dass im Massengrab ausschließlich Soldaten des Königs Karl VIII. liegen. Dass es weit mehr sind als im bretonischen Gemeinschaftsgrab, war vielleicht eben diesen Herkünften geschuldet: Wer vor Rennes fiel, aber aus einer nahen Gegend kam, wurde eher in seine Heimat überführt.

Wie viele Tote die Belagerung insgesamt kostete, ist nicht überliefert. Jene 32 waren das Töten gewohnt, hatten sicherlich selbst schon Leben genommen. Das Opfer, das die vier Bretonen bereit waren zu bringen, es erwies sich als vergeblich. Annes Lage war von vornherein aussichtslos gewesen. Zwar verfügte sie wie ihr Feind über eine gut ausgebildete Berufsarmee, zudem über Söldner. Doch der Krieg gegen Frankreich drei Jahre zuvor hatte tausende Soldaten gekostet. Zudem lief einer ihrer Generäle zum Feind über und sie verlor einen wichtigen Verbündeten. So nahm sie bald Verhandlungen auf, die im Jakobinerkloster geführt wurden. Die Herzogin widerrief ihre Ehe mit Maximilian I. und verlobte sich noch im November in der Kathedrale von Rennes mit Karl VIII.

Sie war nun Königin von Frankreich. Als ihr Mann an den Folgen eines Unfalls 1498 starb, heiratete sie gemäß der geschlossenen Vereinbarungen dessen Nachfolger, nicht ohne erneut zu verhandeln und dabei Freiheiten für die Bretagne herauszuholen. Wieder begann eine Phase wirtschaftlichen Aufschwungs. Erst gut drei Jahrzehnte später wurde der Herzogentitel an die französische Krone gebunden, die Autonomie der Bretagne war endgültig Geschichte.

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