Beobachtungstipp: Sternbedeckungen durch den Mond im September 2026

Die interessanteste Sternbedeckung durch den Mond ist in diesem Monat ohne Zweifel diejenige des Sterns Epsilon Arietis (ε Ari) im Sternbild Steinbock kurz vor Mitternacht am 29. September. Beim Eintritt um 23:45 Uhr MESZ – für einen Standort von 50 Grad nördlicher Breite und 10 Grad östlicher Länge – steht der Mond 36 Grad hoch, beim besser zu verfolgenden Austritt um 00:23 Uhr, dann bereits am 30. September, sogar rund 41 Grad.
Der für das bloße Auge als 4,7 mag heller Lichtpunkt erscheinende Stern ist zudem ein enges Paar, das sich in Teleskopen ab einer Öffnung von circa zehn Zentimetern in zwei fast identisch aussehende, weiße Komponenten auftrennen lässt. Beide Sterne gehören zur Spektralklasse A, es sind also große und heiße Sterne. Die hellere Komponente hat eine scheinbare Helligkeit von 5,2 mag, die schwächere eine von 5,6 mag. Ihr gegenseitiger Abstand beträgt aktuell 1,3 Bogensekunden und liegt damit nahe am maximal möglichen Wert ihrer rund 700-jährigen Umlaufbahn. Zeitweise schrumpft dieser Abstand aus Sicht der Erde auf nur 0,2 Bogensekunden – dann verschmelzen sie im Amateurteleskop untrennbar zu einem einzigen Objekt. Das nächste Mal geschieht dies zum Ende des Jahrhunderts – bis dahin bleibt ε Ari also ein lohnendes Objekt, auch ohne Mondbedeckung!
Der Eintritt findet am hellen Mondrand statt und ist daher nicht einfach zu verfolgen: Am besten sucht man den Stern etwa eine halbe Stunde vor seiner Begegnung mit der Mondscheibe auf und beobachtet ihn bei hoher Vergrößerung, bis er schließlich auf die hellen Mondberge trifft. Führt man das Teleskop weiter nach, muss man darauf achten, den Austritt nicht zu verpassen. Er zeigt sich gut sichtbar am unbeleuchteten Rand unseres Trabanten. Das Schauspiel beginnt um 00:23 Uhr am 30. September. Wie immer hängt der genaue Moment wegen der relativ geringen Entfernung zum Mond vom genauen Beobachtungsplatz ab und kann innerhalb Deutschlands um mehrere Minuten variieren. Da die beiden Komponenten des Doppelsterns ein immerhin mehr als eine Bogensekunde großes Paar bilden, kann es sein, dass man die hellere Komponente Sekundenbruchteile vor der schwächeren wahrnimmt!
Auch die Bedeckung des 5,3 mag hellen Eta Cancri (η Cnc) im Sternbild Krebs verdient eine Erwähnung. Der Stern ist recht hell, und der Mond ist am frühen Morgen des 8. September im letzten Viertel und zu elf Prozent beleuchtet. Eigentlich gute Beobachtungsbedingungen, doch der Mond steht beim Eintritt noch unter dem Horizont, und selbst beim gut sichtbaren Austritt um 03:40 Uhr erreicht er lediglich eine Höhe von knapp sechs Grad über dem Nordnordosthorizont. Aus diesem Grund ist diese Bedeckung im Westen Deutschlands kaum zu sehen, anders als im Osten, wo der Mond schon etwas höher klettert. η Cnc befindet sich rund 1,5 Grad nordwestlich des bekannten Sternhaufens der Krippe (lateinisch: Praesepe, Messier 44). Er wird auch als Bienenkorb-Haufen bezeichnet.
Im Lauf der Nacht nähert sich der Mond dem Sternhaufen und bedeckt zum Morgen mehrere seiner Sterne der 6. und 7. Größenklasse. In Mitteleuropa setzt zu diesem Zeitpunkt leider schon die helle Morgendämmerung ein. Beobachter im Westen Deutschlands können versuchen, mit dem Teleskop einige dieser Bedeckungen nahe dem Mondsüdpol zu verfolgen. Darunter ist auch eine streifende Bedeckung des Sterns 42 Cancri (42 Cnc, 6,8 mag). Sie ist entlang einer Linie zwischen Ulm und Freiburg sichtbar. Weitere streifende Ereignisse betreffen AD Arietis (AD Ari, 7,4 mag) am 2. September gegen 00:34 Uhr in Bayern und Sachsen sowie HIP 15267 (7,3 mag) am 3. September gegen 01:54 Uhr im Westen Niedersachsens und in Schleswig-Holstein. Solche Beobachtungen, bei denen der Mondrand den Stern mehrfach bedecken und wieder freigeben kann, erfordern eine sorgfältige Planung. Wir empfehlen dazu das freie Programm Grazprep (grazprep.com), mit dem auch die begleitenden Grafiken erstellt wurden.
Zwei Planeten werden in diesem Monat ebenfalls vom Mond bedeckt: Jupiter am 8. und Venus am 14. September. Während die Jupiterbedeckung von Europa aus unsichtbar bleibt, lässt sich die der Venus immerhin am Taghimmel verfolgen. Näheres dazu kann dem aktuellen Planetenlauf entnommen werden.
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