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Kleinplaneten im April 2026: Ungewöhnliche Flaute am Monatsende

Asteroiden gehören aufgrund ihrer winzigen Größe zu den unauffälligen Himmelsobjekten. Es sind mittlere oder größere Hobbyinstrumente erforderlich, um sie verfolgen zu können. Hier erfahren Sie, welche dieser Objekte im April Schauwerte bieten.
Ein großer, unregelmäßig geformter Asteroid schwebt im Weltraum, umgeben von einem Sternenhintergrund. Der Asteroid zeigt eine raue, kraterartige Oberfläche. Im Hintergrund ist ein schwacher Lichtschweif zu sehen, der möglicherweise von der Reflexion des Sonnenlichts stammt. Die Szene vermittelt ein Gefühl von Weite und Isolation im Universum.
Asteroiden und Planetoiden im Sonnensystem – wie der in dieser künstlerischen Darstellung gezeigte Asteroid – stammen typischerweise aus dem Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter. Im April befindet sich mit dem Asteroiden Davida auch einer in scheinbarer Nähe zu einer attraktiven Galaxie.

Im April sind mit Iris, Eunomia und Massalia noch drei Kleinplaneten heller als 10,0 mag und zählen damit nach unserer etwas willkürlichen Definition zu den hellen Kleinplaneten. Sie lassen sich bereits mit kleinen Fernrohren ab sechs Zentimetern Öffnung beobachten. Im Verlauf des Monats lichtet sich dieses Angebot allerdings: Nach dem ersten Monatsdrittel bleibt davon nur noch Massalia übrig; sie verschwindet aber bereits zur Monatsmitte ebenfalls aus dieser Gruppe. So müssen wir uns bis in den Mai hinein mit lichtschwächeren Planetoiden zufriedengeben.

In diesem Monat verdienen neben Proserpina vor allem die besonders günstig stehende Bertha und Burgundia besondere Erwähnung. Um Letztere beobachten zu können, sollte das Teleskop jedoch einen Durchmesser von mindestens 15 Zentimetern haben.

Neben zwei sehr eng beieinanderstehenden Doppelsternen, die mit handelsüblichen Teleskopen kaum zu trennen sind, wird auch noch die Galaxie NGC 3245 im Sternbild Kleiner Löwe (lateinisch: Leo Minor) von einem Kleinplaneten besucht. Mit Anteros hat sich ein hellerer, erdnaher Planetoid erst wieder für den nächsten Monat angekündigt. Alle Zeitangaben beziehen sich auf Mannheim.

Helle Kleinplaneten

Anfang April erreicht der Planetoid (7) Iris seinen höchsten Stand am Himmel, die sogenannte Kulmination, und ist mit 9,7 mag um 22:51 Uhr MESZ Ortszeit noch gut zu beobachten. Er bewegt sich dabei durch das eher unscheinbare Sternbild Sextant (lateinisch: Sextans). Am Abend des 2. April ist Iris weniger als fünf Bogenminuten südwestlich des Sterns 13 Sextantis (13 Sex, 6,5 mag) leicht zu finden. In der zweiten Monatsdekade wird der Planetoid wieder lichtschwächer; seine scheinbare Helligkeit überschreitet 10,0 mag, sodass er dann nicht mehr zu den besonders hellen Vertretern seiner Art zählt.

(15) Eunomia steht am 25. März im Sternbild Becher (lateinisch: Crater) in einer recht ungünstigen Opposition zur Sonne und wird dabei nur 9,9 mag hell. In der ersten Monatswoche sinkt ihre Helligkeit bereits wieder auf 10,0 mag ab. Die höchste Stellung im Süden erreicht sie um 00:33 Uhr MESZ.

Asteroid Eunomia im Becher | Anfang April ist der Asteroid (15) Eunomia aus dem mittleren Hauptgürtel im Sternbild Becher zu finden. Während seiner Opposition am 25. März erreicht er eine Helligkeit von 9,9 mag und lässt sich bereits mit einem kleinen Teleskop beobachten.

Nachdem sich (20) Massalia im März in Opposition befand, verliert auch sie im April rasch an Helligkeit. Sind es zu Beginn des Monats noch 9,4 mag, so fällt dieser Wert bis zur letzten Aprildekade auf 10,0 mag ab. Massalia bewegt sich im Sternbild Jungfrau und kulminiert Anfang des Monats um 00:43 Uhr MESZ und zur Monatsmitte vor Mitternacht um 23:33 Uhr mit einer Helligkeit von 9,8 mag.

Lichtschwächere Kleinplaneten

Ebenfalls im Sternbild Jungfrau lässt sich der Kleinplanet (26) Proserpina finden. Er steht am 4. April in Opposition zur Sonne und wird etwa 10,5 mag hell. Je nach Beobachtungsbedingungen kann Proserpina bis zu 0,3 mag heller, aber auch rund 1 mag lichtschwächer sein. Am Abend des 5. April befindet sie sich gut zehn Bogenminuten nördlich des sehr engen Doppelsterns 46 Virginis (46 Vir, 6,1 mag) und lässt sich dadurch vergleichsweise leicht aufspüren.

Der etwa 95 Kilometer große Himmelskörper umrundet unsere Sonne einmal in 4,33 Jahren auf einer Bahn, die nur leicht exzentrisch (e = 0,09) und wenig gegen die Ekliptik geneigt ist (i = 3,55 Grad). Er wurde am 5. Mai 1853 von dem deutschen Astronomen Karl Theodor Robert Luther an der Sternwarte Düsseldorf entdeckt. In der römischen Mythologie ist Proserpina die Tochter von Ceres und Jupiter.

Auch (154) Bertha lässt sich im April gut beobachten. Sie erreicht ihre Opposition am 25. des Monats, ebenfalls im Sternbild Jungfrau. Mit 11,5 mag ist sie dann so hell wie überhaupt nur möglich. Unter ungünstigen Bedingungen reduziert sich ihre Helligkeit auf knapp 13,0 mag.

Die Bahn des knapp 200 Kilometer großen Kleinplaneten ist nur wenig exzentrisch (e = 0,08), mit 21 Grad jedoch beträchtlich gegen die Ekliptik geneigt. Das führt dazu, dass seine Bahn am Himmel Deklinationswerte zwischen –50 und +50 Grad erreichen kann. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt Bertha etwa 5,71 Jahre.

Entdeckt wurde Bertha am 5. November 1875 von dem französischen Astronomen Prosper-Mathieu Henry am Observatorium in Paris. Benannt wurde der Kleinplanet wahrscheinlich nach Berthe Martin-Flammarion, der Schwester des ebenfalls französischen Astronomen Camille Flammarion. Dessen Name findet sich in Form des Kleinplaneten (1021) Flammario ebenfalls am Himmel wieder. Bertha hat im April leider keine engen Begegnungen mit helleren Sternen. Als Aufsuchhilfe kann der nur wenig leuchtkräftigere Stern TYC 5561-248-1 (11,0 mag) dienen, den Bertha am 25. April in einem Abstand von 2,5 Bogenminuten nördlich passiert.

Am 18. April erreicht schließlich der Planetoid (374) Burgundia im Sternbild Jungfrau seine Opposition zur Sonne. Er wurde bereits am 18. September 1983 von dem französischen Astronomen Auguste Charlois in Nizza entdeckt. Burgundia verfehlt ihre maximal mögliche Helligkeit von 11,9 mag nur um eine zehntel Magnitude. Bei ungünstigen Oppositionen wird sie nicht heller als 13,0 mag. Der nach der französischen Region Burgund benannte Himmelskörper kann am 12. April etwas leichter gefunden werden. Der Planetoid zieht an diesem Tag fünf Bogenminuten nordöstlich des Sterns HIP 67 069 (6,9 mag) vorbei.

Die nur 45 Kilometer große Burgundia benötigt rund 4,63 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Ihre Bahnexzentrizität ist mit e = 0,08 ebenfalls gering, und die Neigung gegen die Ebene der Erdbahn beträgt 8,99 Grad.

Interessante Begegnungen

Der Planetoid (40) Harmonia ist nach seiner Opposition am Jahresanfang mittlerweile ziemlich lichtschwach geworden. Am 6. April lässt er sich trotzdem noch einmal leichter auffinden – Harmonia nähert sich dem Stern 37 Geminorum (37 Gem, 5,7 mag) dann auf nur zwei Bogenminuten in nordwestlicher Richtung. Am 20. April finden wir sie knapp fünf Bogenminuten nordwestlich von 52 Geminorum (52 Gem, 5,8 mag).

Ein besonders spannendes Ereignis findet am Abend des 13. April statt: Dann befindet sich der 11,5 mag helle Asteroid (511) Davida lediglich 1,5 Bogenminuten westlich von der kleinen linsenförmigen (lentikulären) Galaxie NGC 3245 (10,8 mag) im Sternbild Kleiner Löwe. Diese wird als S0-Galaxie klassifiziert – ein Übergangstyp zwischen elliptischen und Spiralgalaxien. Als solche besitzt sie zwar eine ausgeprägte, dickere Zentralregion (englisch: bulge) und eine flache Scheibe, zeigt aber keine sichtbaren Spiralarme. Ihre Entfernung zu unserem Milchstraßensystem beträgt knapp 60 Millionen Lichtjahre, und mit einer Ausdehnung von rund 55 000 Lichtjahren ist sie etwa halb so groß wie dieses. Als aktive Galaxie weist sie einen sehr leuchtkräftigen Kern auf – angetrieben durch ein massereiches Schwarzes Loch, das Materie verschlingt. In der Umgebung von NGC 3245 befindet sich noch eine Reihe weiterer, allerdings ziemlich lichtschwacher Galaxien. Vielleicht ergibt sich aus diesem Ereignis ja ein interessantes Fotomotiv?

Enge Begegnungen zwischen Kleinplaneten und anderen Himmelsobjekten | Die Tabelle gibt die Zeiten, Himmelsorte und weitere Daten von Begegnungen der Kleinplaneten mit anderen Objekten wieder.

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