Kleinplaneten im Juli 2026: Flora besucht einen galaktischen Nebel

Im Juli sind sieben Kleinplaneten heller als die 10. Größenklasse und erfüllen damit unser etwas willkürlich gewähltes Kriterium als »hellerer« Kleinplanet. Vier davon stehen in diesem Monat in Opposition zur Sonne: Flora und Melpomene am Monatsanfang, Juno und Bamberga folgen zum Ende des Monats. Während diese Planetoiden bereits in Teleskopen ab sechs Zentimetern Öffnung leicht zu sehen sind, benötigt man für die lichtschwächeren Objekte schon ein Instrument mit 10 bis 20 Zentimetern Durchmesser. Unter diesen können im Juli vor allem Liberatrix, Nephthys und Ara besonders vorteilhaft beobachtet werden. Ein heller erdnaher Kleinplanet hat sich erst wieder für den nächsten Monat angekündigt. Im Juli können etliche Begegnungen zwischen Asteroiden und anderen Himmelsobjekten verfolgt werden, darunter der Besuch von Irene bei zwei Kugelsternhaufen. Mit Nemesis steht auch ein weniger bekannter Kleinplanet recht nahe bei einem ziemlich hellen Stern im Sternbild Schütze. Alle Zeitangaben beziehen sich auf Mannheim.
Helle Kleinplaneten
Am 18. Juli wechselt (2) Pallas von den Fischen in das Sternbild Walfisch. Sie ist zunächst noch 9,9 mag hell und steigt um 01:42 Uhr MESZ über den Horizont. Bis zum Ende des Monats hat ihre Helligkeit auf 9,5 mag zugenommen, und ihr Aufgang verfrüht sich auf 00:17 Uhr. Mitte Juli befindet sich Pallas drei Grad westnordwestlich des deutlich helleren Asteroiden Vesta.
(3) Juno ist im Sternbild Adler zu finden, steht dort am 26. Juli in Opposition zur Sonne und positioniert sich damit am Himmel unserem Heimatgestirn gegenüber. Sie leuchtet dann mit 9,1 mag am Himmel, nach anfänglich 9,6 mag zum Monatsbeginn. Ihre Kulminationszeit, der Zeitpunkt, zu dem sie die größte Höhe im Süden erreicht, verlagert sich im Juli von 03:24 Uhr MESZ auf 01:03 Uhr.
Am Morgenhimmel ist (4) Vesta im Sternbild Walfisch zu sehen. Im Monatsverlauf steigt ihre Helligkeit von 8,1 mag auf 7,8 mag an. Im gleichen Zeitraum verlagert sich ihre Aufgangszeit von 02:03 Uhr MESZ auf 00:29 Uhr. Die lichtschwächere Pallas ist Mitte Juli rund drei Grad entfernt.
(8) Flora erreicht am 9. Juli im Sternbild Schütze ihre Oppositionsstellung zur Sonne und leuchtet dabei 8,9 mag hell. Anfang Juli kulminiert sie noch mit 9,3 mag um 02:21 Uhr MESZ; am Monatsende ist ihre Helligkeit schon wieder auf 9,6 mag gesunken, und sie steht um 23:46 Uhr im Süden. Flora passiert am 22. Juli den Stern HIP 93423 (6,2 mag) nordwestlich in einem Abstand von nur drei Bogenminuten (siehe »Kurs auf die Galaxis«). Fünf Tage später ist sie leicht in der Nähe von HIP 92931 (5,9 mag) aufzufinden.
In den ersten Monatstagen wird (14) Irene wieder lichtschwächer als 10. Größe und überquert den Meridian, eine gedachte Linie am Himmel, die vom Nordpunkt am Horizont über den Zenit bis zum Südpunkt verläuft, um 00:15 Uhr MESZ. Am 2. und am 27. Juli begegnet sie jeweils einem Kugelsternhaufen.
Bereits am 8. Juli finden wir (18) Melpomene im Sternbild Adler genau der Sonne gegenüber. Sie wird dabei 8,9 mag hell – ein eher durchschnittlicher Wert. Am 14. Juli wechselt sie ins Sternbild Schild (siehe »Kurs auf die Galaxis«). Zu Beginn des Monats beträgt ihre Helligkeit 9,1 mag, am Monatsende leuchtet Melpomene mit 9,2 mag. Im Juli verlagert sich ihre Kulminationszeit von 02:08 Uhr MESZ auf 23:37 Uhr.
(324) Bamberga wird zu Beginn der zweiten Monatsdekade direkt an der Grenze der Sternbilder Mikroskop und Steinbock wieder heller als 10 mag. In Letzterem steht sie am 28. Juli in einer recht günstigen Opposition zur Sonne und wird 9,3 mag hell. Bamberga kann bei ihren Oppositionen zwar noch gut 1 mag heller werden, wie zuletzt im Jahr 2013, sie kann aber auch rund drei Größenklassen lichtschwächer erscheinen, wie im vergangenen Jahr. Mitte Juli überschreitet sie den Meridian noch um 02:48 Uhr MESZ und am Monatsende schon um 01:34 Uhr. Am 22. Juli sollte sie knapp zehn Bogenminuten südlich des Sterns HIP 102414 (6,5 mag) gut aufzufinden sein.
Lichtschwächere Kleinplaneten
Am 22. Juli steht der Asteroid (125) Liberatrix im Sternbild Schütze in einer ausgesprochen günstigen Opposition zur Sonne. Er leuchtet dann mit dem größtmöglichen Wert von 12,1 mag. In ungünstigen Fällen erreicht er allerdings lediglich die 13. Größenklasse. Die rund 48 Kilometer große Liberatrix umrundet unser Zentralgestirn auf einer um 4,7 Grad gegen die Ekliptik geneigten und nur leicht exzentrischen Bahn (e = 0,08) einmal in 4,54 Jahren. Die Entdeckung des Planetoiden, dessen Name so viel wie »die Befreierin« bedeutet, gelang dem französischen Astronomen Prosper-Mathieu Henry am 11. September 1872 am Pariser Observatorium. Es war seine erste von insgesamt sieben Kleinplanetenentdeckungen. Am Tag ihrer Opposition befindet sich Liberatrix bloß zwei Bogenminuten nördlich des recht lichtschwachen Sterns HIP 98759 (9,8 mag). Bereits am 13. Juli passiert sie den Stern mit der unhandlichen Bezeichnung TYC 5752-587-1 (8,7 mag) im Sternbild Steinbock in einem Abstand von vier Bogenminuten. Bei diesen Gelegenheiten sollte sie etwas einfacher aufzufinden sein.
Am 25. August 1889 entdeckte der am Litchfield Observatory in New York wirkende, deutsch-US-amerikanische Astronom Christian Heinrich Friedrich Peters den Kleinplaneten (287) Nephthys. Es war der letzte von insgesamt 48 Asteroiden, die Peters fand. Er benannte ihn nach der ägyptischen Totengöttin Nephthys. Die Bahn des rund 60 Kilometer großen Himmelskörpers weist nur eine sehr kleine Exzentrizität auf (e = 0,02) und ist um 10 Grad gegen die Ekliptik geneigt. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt der Asteroid 3,61 Jahre. Am 1. August steht Nephthys direkt an der Grenze der Sternbilder Wassermann und Steinbock der Sonne gegenüber und wird 10,9 mag hell. Ihre Oppositionshelligkeiten schwanken allerdings üblicherweise zwischen 10,7 mag und 11,5 mag. In diesem Jahr befindet sich Nephthys zu diesem Zeitpunkt 4,5 Bogenminuten nordöstlich des leicht veränderlichen roten Riesensterns HIP 101988; am 22. Juli passiert sie HIP 102738 (7,7 mag) im gleichen Abstand.
Am 6. Juli kommt der Asteroid (849) Ara in eine ziemlich günstige Opposition zur Sonne. Er wurde erst am 9. Februar 1912 von dem russischen Astronomen Sergei Iwanowitsch Beljawski am Krim-Observatorium in Simejis als Erster von insgesamt 36 entdeckt. Zum Zeitpunkt der Opposition steht er im Sternbild Adler und verpasst seine größtmögliche Helligkeit mit 11,8 mag nur um eine zehntel Größenklasse. Die Umlaufbahn von Ara um die Sonne ist allerdings recht exzentrisch (e = 0,20), sodass sie in ungünstigen Fällen rund 2 mag schwächer erscheinen kann. Mit fast 20 Grad ist ihre Bahn auch recht stark gegen die Ekliptik geneigt und wird einmal in 5,58 Jahren durchlaufen. Die rund 80 Kilometer große Ara wurde übrigens nicht nach den gleichnamigen Papageien benannt, sondern nach der American Relief Administration (ARA), einer US-amerikanischen Hilfsorganisation zur Bekämpfung der Hungersnot in Europa und Russland nach dem Ersten Weltkrieg. Am 30. Juni steht sie lediglich eine Bogenminute westlich des Sterns HIP 93764 (7,3 mag) und am 10. Juli in nur wenig größerer Distanz zu dem lichtschwächeren HIP 93081 (9,6 mag). An diesen Tagen sollte Ara aber gut aufzufinden sein.
Interessante Begegnungen
Der Monat Juli bietet uns zahlreiche Begegnungen von Planetoiden mit helleren Sternen und anderen Himmelsobjekten. Die zunächst noch recht helle (14) Irene passiert in diesem Monat zwei Kugelsternhaufen. Am 2. Juli finden wir sie sieben Bogenminuten nordnordwestlich von NGC 6325 (10,2 mag), einem recht schwierig zu beobachtenden Vertreter seiner Klasse. Etwas größer und auch heller ist NGC 6284 (9,0 mag), an dem Irene am 27. Juli in einem Abstand von 4,5 Bogenminuten südöstlich vorbeizieht; mit nur noch 10,6 mag ist sie dann allerdings schon deutlich lichtschwächer geworden. Schließlich finden wir (8) Flora nur einen Tag nach ihrer Opposition rund 11 Bogenminuten südlich des kleinen galaktischen Nebels GN 19.12.0. Die Bezeichnung stammt aus dem zwischen den Jahren 1985 und 1990 erschienenen »Atlas galaktischer Nebel« von Thorsten Neckel und Hans Vehrenberg, an dem auch der Autor beteiligt war. Wem gelingt eine Aufnahme des kaum bekannten Himmelsobjekts?
Das mit Abstand hellste Objekt in der Liste der engen Begegnungen ist der Stern Tau Sagittarii (τ Sgr, 3,3 mag). An ihm zieht am 12. Juli die vier Tage zuvor in günstiger Opposition stehende (128) Nemesis (11,3 mag) vorbei. Es ist eine besonders günstige Gelegenheit, diesen Kleinplaneten einmal aufzusuchen.
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