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Kleinplaneten im September 2026: Nausikaa strahlt besonders hell

Nach dem rekordverdächtigen Vormonat sind im September immerhin noch acht helle Kleinplaneten zu sehen. Einer von ihnen wird so leuchtstark wie seit 15 Jahren nicht mehr.
Ein grauer Asteroid mit unregelmäßiger Form und zahlreichen Kratern schwebt vor einem schwarzen Hintergrund. Die Oberfläche zeigt deutliche Unebenheiten und Vertiefungen, die auf eine komplexe geologische Geschichte hinweisen. Das Bild vermittelt einen Eindruck von der Beschaffenheit und Struktur des Asteroiden im Weltraum.
Im Sonnensystem befinden sich Tausende nur wenige Kilometer große Kleinkörper, die in Amateurteleskopen üblicherweise nur als Lichtpünktchen erscheinen. Vesta ist einer der massereichsten unter ihnen und wird nur noch vom Kleinplaneten Ceres übertroffen. Im September ist sie bereits mit dem Fernglas leicht zu beobachten.

Nachdem im August zehn Planetoiden heller als die 10. Größenklasse waren – und damit nach unserer etwas willkürlichen Definition zur Gruppe der hellen Kleinplaneten gehörten –, sind es im September immerhin noch acht. Von diesen steht jedoch nur Nausikaa in Opposition zur Sonne, allerdings unter ausgesprochen günstigen Bedingungen. Während für die Beobachtung der hellen Kleinplaneten schon ein kleines Fernrohr mit rund sechs Zentimetern ausreichend ist, benötigt man für die lichtschwächeren, aber dennoch günstig stehenden Asteroiden Honoria und Roxane ein Instrument mit 10 bis 20 Zentimetern Durchmesser. Mit Geographos kommt im September erneut ein Apollo-Asteroid in die Reichweite gut ausgerüsteter Amateure. Beim Besuch von Bella bei der Spiralgalaxie NGC 7741 ergibt sich vielleicht ein interessantes Fotomotiv. Alle Zeitangaben beziehen sich auf Mannheim.

Helle Kleinplaneten

Der Zwergplanet (1) Ceres baut seine Sichtbarkeit am Morgenhimmel nur langsam aus. Er ist im Sternbild Zwillinge zu finden und zunächst noch 8,9 mag hell. Am Monatsende leuchtet er bereits mit 8,6 mag. Im September verlagern sich seine Aufgangszeiten von 01:16 Uhr MESZ auf 23:56 Uhr.

(2) Pallas wandert weiter in vorwiegend südlicher Richtung durch das Sternbild Walfisch. Sie nähert sich ihrer Oppositionsstellung, die sie im nächsten Monat durchlaufen wird. Das macht sich auch in ihrer Helligkeit bemerkbar, die im Verlauf des Monats von 8,8 auf 8,3 mag ansteigt. Ihre höchste Position im Süden, die Kulmination, erreicht Pallas Anfang September um 04:29 Uhr MESZ und am Monatsende schon um 02:24 Uhr.

Am 23. September verlässt (3) Juno das Sternbild Adler und tritt in den Schützen über. Leuchtet sie am Monatsanfang noch mit 9,6 mag, so fällt dieser Wert bis Ende September wieder auf die 10. Größe ab. In diesem Zeitraum verlagert sich ihre Kulminationszeit von 22:31 Uhr MESZ auf 20:38 Uhr.

Ebenso wie Pallas ist auch (4) Vesta im Sternbild Walfisch zu finden. Anfang September überquert sie den Meridian mit 7,2 mag noch um 04:47 Uhr MESZ. Bis zum Ende des Monats nimmt ihre Helligkeit merklich auf 6,6 mag zu. Sie steht um 02:39 Uhr im Süden und sollte dann bereits mit einem Fernglas leicht zu sehen sein.

(9) Metis kommt am 28. August im Sternbild Wassermann in Opposition zur Sonne und leuchtet mit 9,2 mag – ein eher durchschnittlicher Wert. Je nach Umständen kann die Oppositionshelligkeit um knapp eine Größenklasse über oder unter diesem Wert liegen. Während sich ihre Kulminationszeiten im September von 01:30 Uhr MESZ auf 23:08 Uhr verschieben, sinkt ihre Helligkeit im September auf 9,8 mag ab.

Die Oppositionsperiode von (18) Melpomene im Sternbild Schütze geht in diesem Monat zu Ende. Noch ist sie 9,8 mag hell, wird aber bereits in der zweiten Monatsdekade wieder lichtschwächer als 10 mag. Sie überschreitet die Mittagslinie Anfang September um 21:23 Uhr MESZ.

Am letzten Tag des Monats steht (192) Nausikaa im Sternbild Fische der Sonne gegenüber (siehe »Schlangenlinie«). Mit 8,4 mag wird sie dabei außergewöhnlich hell. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber dem Monatsanfang mit 9,2 mag. Der Zeitpunkt ihrer maximalen Höhe verlagert sich im September von 03:30 Uhr MESZ auf 01:16 Uhr. Die diesjährige Opposition von Nausikaa ist bemerkenswert, denn der Asteroid wird nur alle paar Jahre überhaupt einmal heller als 10 mag – bisweilen bleibt er sogar schwächer als die 11. Größe. Noch seltener sind Oppositionen, bei denen Nausikaa heller als 9 mag wird. Eine Helligkeit von 8,4 mag erreichte sie zum letzten Mal im Jahr 2011. Noch ein wenig leuchtstärker wird sie erst im Jahr 2052 werden, dann sogar bis zu 8,2 mag.

Diese großen Helligkeitsunterschiede sind ihrer Bahn um die Sonne geschuldet: Die Bahn ist mit einer Exzentrizität von = 0,245 stark elliptisch und um 6,8 Grad gegen die Ekliptik geneigt (Inklination). Für einen Umlauf benötigt Nausikaa 3,73 Jahre. Der knapp 100 Kilometer große Himmelskörper wurde am 17. Februar 1872 von dem österreichischen Astronomen Johann Palisa an der Marine-Sternwarte Pola (heute Pula, Kroatien) entdeckt und nach einer Figur der griechischen Mythologie benannt.

Schlangenlinie |

Im Verlauf seiner Oppositionsbewegung beschreibt der Asteroid (192) Nausikaa am Himmel eine Schleife. Diese s-Form ist kein echtes physisches Bahnverhalten, sondern ein Projektionseffekt, der aufgrund der Relativbewegung zwischen der Erde und einem Himmelskörper im Sonnensystem auftritt und nicht immer so gut sichtbar ist wie bei Nausikaa.

Die Beobachtungszeit von (324) Bamberga im Grenzgebiet der Sternbilder Schütze und Steinbock endet ebenfalls in diesem Monat. Nur in der ersten Septemberwoche ist sie noch heller als 10. Größe und kulminiert um 22:53 Uhr MESZ.

Lichtschwächere Kleinplaneten

Neben Nausikaa entdeckte Johann Palisa am 26. April 1884 an der Universitätssternwarte in Wien auch den Kleinplaneten (236) Honoria. Benannt wurde der knapp 80 Kilometer große Himmelskörper nach einer römischen Göttin. Am 13. September kommt Honoria im Sternbild Fische in eine sehr günstige Opposition zur Sonne und verfehlt mit 10,7 mag den größtmöglichen Wert nur um eine zehntel Größenklasse. In ungünstigen Fällen wird der Planetoid kaum heller als 13 mag. Seine Umlaufbahn ist um 7,7 Grad gegen die Erdbahn geneigt und mäßig elliptisch (= 0,19). Für eine vollständige Umrundung der Sonne braucht er 4,68 Jahre. Am 2. September passiert Honoria den Stern Kappa Piscium (κ Psc, 4,9 mag) in nur drei Bogenminuten östlichem Abstand. Sechs Tage darauf, am 8. September, kommt sie HIP 115476 (6,3 mag) bis auf 8,5 Bogenminuten nahe. Bei diesen Begegnungen sollte Honoria gut identifiziert werden können.

Eine Entdeckung des französischen Astronomen Auguste Charlois ist der Planetoid (317) Roxane, den er am 11. September 1891 am Observatoire de Nice fand. Die Bahn des nur knapp 20 Kilometer großen Asteroiden hat eine Inklination von = 1,77 Grad und ist mit = 0,086 nur leicht exzentrisch. Seine Umlaufzeit beträgt 3,46 Jahre. Am 18. September steht Roxane an der Grenze der Sternbilder Wassermann und Fische in einer vorteilhaften Opposition zur Sonne. Mit 11,7 mag verpasst auch sie den maximal möglichen Wert nur ganz knapp. Bei weniger günstigen Oppositionen sind es nur rund 13 mag. Besonders einfache Gelegenheiten zum Aufsuchen des lichtschwachen Planetoiden ergeben sich an drei Tagen im Monat: Am 9. September befindet sich Roxane 4,5 Bogenminuten nordöstlich des Sterns HIP 117881 (7,6 mag) und am 20. September 3,0 Bogenminuten südöstlich von HIP 117112 (7,3 mag). Am engsten ist jedoch die Passage von 20 Piscium (20 Psc, 5,5 mag) am 17. September. Dann trennen die beiden Himmelskörper lediglich 1,5 Bogenminuten. Benannt wurde der Planetoid übrigens nach der ersten Frau Alexanders des Großen.

Interessante Begegnungen

Im September ereignen sich relativ wenige enge Begegnungen zwischen Planetoiden und anderen Himmelsobjekten. Das Highlight ist hier die bereits erwähnte sehr enge Passage von Roxane an 20 Piscium (20 Psc, 5,5 mag) am 17. September – nur einen Tag bevor sie ihre günstige Oppositionsstellung erreicht. Bereits am 11. September kann (89) Julia (11,6 mag) lediglich vier Bogenminuten südöstlich von Rho Geminorum (ρ Gem, 4,2 mag) leichter aufgefunden werden. Ein Fotomotiv ergibt sich vielleicht am Abend des 24. September: Dann befindet sich (695) Bella (11,9 mag) fünf Bogenminuten westlich der Spiralgalaxie NGC 7741 (11,4 mag).

Enge Begegnungen zwischen Kleinplaneten und anderen Himmelsobjekten

Erdnahe Kleinplaneten

Am 12. August kommt der Apollo-Asteroid (1620) Geographos wieder einmal in eine nennenswerte Erdnähe. Er passiert unseren Planeten dann in einem Abstand von 0,17 Astronomischen Einheiten (25,4 Millionen Kilometern). Im März 2008 und im August 2019 kam er der Erde sogar noch rund sechs Millionen Kilometer näher. Den geringsten Abstand im Zeitraum von 1900 bis 2200 erreichte er im August 1994. Dabei näherte er sich unserem Planeten bis auf fünf Millionen Kilometer und strahlte mit einer Helligkeit von 9,6 mag.

In diesem Jahr werden es lediglich 13,7 mag sein, und das auch erst ab Ende August. Trotzdem sollte sich der Asteroid mit Teleskopen ab 25 Zentimetern Öffnung visuell oder auch auf fotografischem Weg aufspüren lassen. Im Beobachtungszeitraum bewegt er sich vom Sternbild Widder in die Fische und weiter in das Sternbild Andromeda. Dabei passiert Geographos den Stern Hamal (α Ari, 2,0 mag) am 29. August nördlich in einem Abstand von 20 Bogenminuten und Delta Andromedae (δ And, 3,3 mag) am 14. September in 20 Bogenminuten südlicher Distanz. Am 9. September befindet er sich 6,5 Bogenminuten südlich des Sterns HIP 5034 (6,2 mag).

Leuchtende Spur |

In der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2026 gelang es Manfred Simon, den kurz zuvor entdeckten Apollo-Asteroiden 2026 KT2 einzufangen. Die Aufnahmen zeigen seine Bewegung über den Himmel sowie deutliche Helligkeitsschwankungen, die auf eine schnelle Rotation und eine unregelmäßige Form hindeuten. Zum Zeitpunkt der Beobachtung befand sich der Asteroid in etwas mehr als der doppelten Mondentfernung; seine größte Annäherung hatte er bereits einige Stunden zuvor erreicht.

Geographos wurde am 14. September 1951 am Mount-Palomar-Observatorium entdeckt. Seinen Namen erhielt er zu Ehren der National Geographic Society, einer US-amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Geografie. Der zigarrenförmige Himmelskörper ist nur wenige Kilometer groß und umläuft unser Zentralgestirn einmal in 1,39 Jahren. Seine Bahn ist stark elliptisch (= 0,34) und um 13,3 Grad gegen die Ekliptik geneigt.

Eine für Mannheim gültige topozentrische Ephemeride des Kleinplaneten findet sich in der Tabelle. Grundsätzlich empfiehlt es sich, tagesaktuelle Ephemeriden zu verwenden. Diese lassen sich zum Beispiel unter http://www.minorplanetcenter.net/iau/MPEph/MPEph.html erstellen.

Positionsmessungen von Planetoiden sind für eine Verbesserung ihrer Bahnelemente von großer Bedeutung. Weitere Hinweise zur Auswertung erfolgreicher Beobachtungen finden sich auf der Website der Fachgruppe Kleine Planeten der Vereinigung der Sternfreunde: www.kleinplanetenseite.de.

Topozentrische Ephemeride des Planetoiden (1620) Geographos |

für 00:00 Uhr MESZ

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