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Glaziologie: Beschleunigung des Jakobshavn-Gletschers geklärt?

Der Jakobshavn Isbræ ist nicht nur Grönlands größter Auslassgletscher, sondern auch noch der schnellste. Geowissenschaftler um David Holland von der New York University haben nun womöglich herausgefunden, was die Eiszunge so schnell ins Meer gleiten lässt: zufließendes wärmeres Meerwasser.

Jakobshavn-Gletscher | In den vergangenen 90 Jahren hat sich die Kalbungsfront des Jakobshavn-Gletschers zunehmend zurückgezogen. Die Linie abbrechender Eisberge liegt nun deutlich im oberen Bereich des Fjords, während sie um 1913 noch näher zur Mündung lag. Eis bedeckt zwar weiterhin die Bucht, doch dünnte der Gletscher in den letzten Jahren durch steigende Temperaturen und vor allem durch den Zustrom warmen Wassers an seiner Basis stark aus.
Die aus der Irminger-See bei Island stammenden Warmwasserblasen dünnen demnach den auf dem Ozean schwimmenden Teil des Jakobshavn von unten her aus und fördern dessen Zerfall. Dadurch schwindet zum einen das Widerlager an der Gletscherzunge, was zum anderen verstärkt am gesamten Eiskörper zerrt. Beides zusammen beschleunigte den Gletscherfluss auf maximal 12,6 Kilometer pro Jahr im Zeitraum von 1992 bis 2003 – er gilt als der schnellste Gletscher der Insel. Zuvor hatte sich sein Tempo dagegen seit 1985 noch verlangsamt und der Gletscher an Masse insgesamt zugelegt. Alternative Erklärungen wie die verminderte Reibung durch erhöhten Schmelzwasserzustrom an der Basis des Gletschers schieden dagegen aus, meinen die Forscher.

Tatsächlich taut der Jakobshavn an seiner Oberfläche im Sommer stark ab, was durch die seit Jahren steigenden Temperaturen in der Region verstärkt wird. Doch erwärmte sich die Region nicht sprunghaft um das Jahr 1997, als der Gletscher sich im Jahresvergleich am stärksten beschleunigte. Zu diesem Zeitpunkt erwärmte sich allerdings auch das Wasser des Fjords, in den der Jakobshavn mündet, von durchschnittlich 1,7 auf 3,3 Grad Celsius durch einströmendes Wasser aus Südosten.

Ausgelöst hat diesen Zufluss eine Veränderung der so genannten Nordatlantischen Oszillation – eine langfristige Schwankung der Luftdruckverhältnisse von Island-Tief und Azoren-Hoch –, die im Winter von 1995 auf 1996 von einer positiven Phase mit starken Westwinden in eine negative mit schwächeren Luftströmungen umschwenkte. Dadurch verschob sich das ozeanische Polarfrontensystem, das kalte polare von wärmeren subpolaren Gewässern trennt, weiter nach Westen und erlaubte es, dass sich Zuflüsse aus der Irminger-See grönlandwärts ausbreiteten. (dl)

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