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Krebserkrankungen: Bestätigt: HPV-Test sicherer in Krebsvorsorge als Pap-Test

Die Suche nach Erbgut von humanen Papillomviren in Zervixschleim weist sicherer frühe Zellveränderungen nach, die zu Gebärmutterhalskrebs führen könnten, als der verbreitete Pap-Test. Eine kanadische Studie an über 10 000 Frauen bestätigt damit frühere Befunde.

Von einigen Stämmen humaner Papillomviren (HPV) ist bekannt, dass sie bei einer chronischen Infektion Zellen der Gebärmutterschleimhaut entarten lassen können. Bei Vorsorgeuntersuchungen kontrollieren Mediziner daher mittels des Papanicolaou – oder Pap-Tests, ob im Schleimabstrich der Frauen erste Anzeichen von Gewebeveränderungen auftreten.

In der von Eduardo Franco von der McGill-Universität geleiteten Studie erwies sich jedoch die Suche nach viraler DNA um fast vierzig Prozent zuverlässiger hinsichtlich falsch negativer Ergebnisse: Sie entdeckte in 94,6 Prozent der Fälle korrekt präkanzeröse Veränderungen, während der Pap-Test nur in 55,4 Prozent der Fälle richtig lag. Dafür erzeugte der Pap-Test weniger falsch-positive Ergebnisse, der Unterschied betrug hier jedoch nur knapp drei Prozent, wobei beide Verfahren weit über neunzig Prozent Treffsicherheit lagen.

Gebärmutterhalskrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung unter Frauen weltweit und in vielen Entwicklungsländern mangels umfassender Vorsorgeuntersuchungen die häufigste Krebstodesursache: Mehr als vier Fünftel der über 270 000 jährlichen Todesfalle treten dort auf. Siebzig Prozent der durch humane Papillomviren (HPV) ausgelösten Fälle von Zervixkarzinomen gehen auf die beiden Virenstämme HPV-16 und HPV-18 zurück. Sie sind daher auch das Ziel der Impfstoffe Gardasil, das in Deutschland seit Oktober 2006 eingesetzt wird, und Cervarix, das Ende September 2007 zugelassen wurde.

Die Ständige Impfstoffkommission des Robert-Koch-Institutes in Berlin empfiehlt, hierzulande Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren vor dem ersten Geschlechtsverkehr zu impfen. Die Ansteckungsgefahr mit HPV-Viren ist bei sexuell aktiven Personen hoch, doch ist das Immunsystem jüngerer Frauen normalerweise in der Lage, die Infektion erfolgreich zu bekämpfen. Erst mit dem Alter steigt das Risiko der gefährlichen chronischen Infektion, während gleichzeitig das Risiko einer Ansteckung ab dem 30. Lebensjahr sinkt. Nicht alle Betroffenen entwickeln jedoch krankhafte Veränderungen der Gebärmutterhalszellen.

Da sich bei der natürlichen Abwehrreaktion des Körpers kein lebenslanger Immunschutz bildet, soll die Impfung diese Aufgabe übernehmen. In welcher Zeit dafür Nachimpfungen nötig sind, ist bislang nicht untersucht. Gesichert ist nur, dass auch nach fünf Jahren noch ein Schutz besteht. In der entscheidenden Phase-III-Studie an über 20 000 Frauen im Alter von 16 bis 26 Jahren, die zuvor mit keinem der HPV-Typen infiziert waren, hatten Wissenschaftler eine fast hundertprozentige Effizienz nachgewiesen.

Für Frauen, die bereits mit einem der Stämme infiziert waren, lag der Erfolg deutlich niedriger – daher die Empfehlung, Mädchen möglichst früh zu impfen. Die Hoffnung, mit der Vakzine bestehende Infektionen behandeln zu können, erfüllte sich nicht – die Wirkstoffe verhindern nur eine langfristige Neuinfektion. Da die Impfstoffe zwar immerhin die beiden häufigsten Krebsauslöser erfassen, aber nicht weitere, ebenfalls zellverändernde HPV, bleibt die jährliche Krebsvorsorge weiterhin ein wichtiges Instrument gegen die Erkrankung. (af)
19.10.2007

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 19.10.2007

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