Direkt zum Inhalt

Clovis-Kultur: Bestätigung für den alten Indianerfriedhof

Experten sind beruhigt: Im einzig bekannten Grab der urindianischen Clovis-Kultur lag ein Junge seit Jahrtausenden nicht nur per Zufall.
Clovis-Pfeilspitze

Im einzigen bekannten Grab der berühmten nordamerikanischen Clovis-Indianerkultur ist tatsächlich ein junger Mensch aus der Clovis-Zeit begraben worden, melden Forscher aus den USA. Damit legen sie einen jahrzehntelangen Streit wohl endgültig zu den Akten, der sich um die Besiedlungsgeschichte Amerikas nach der Eiszeit gedreht hatte. Die bis vor rund 13 000 Jahren vor allem im Osten Nordamerikas dominierenden Clovis hatten sehr typische Werkzeuge hinterlassen und waren zunächst lange für die ersten Siedler Amerikas und die Vorfahren der Ureinwohner des Kontinents gehalten worden – bis man noch deutlich ältere Spuren anderer Siedler entdeckte. Ein Genvergleich klärte schließlich auf, dass die Clovis über Ecken mit Indianern in Südamerika, aber nicht mit den heute noch in Nordamerika lebenden Indianerstämmen verwandt sind. Dieses Ergebnis wurde allerdings weiter angezweifelt. Hartnäckige Kritiker vermuteten, dass die Knochen eines vermeintlich zu den Clovis gehörenden Kindes, aus der die den Erbgutvergleich genutzte alte DNA extrahiert wurde, nur per Zufall neben Artefakten aus der Clovis-Zeit gelegen hatte.

Dies konnte lange nicht wirklich ausgeschlossen werden: Die Knochen des vor mehr als 12 000 Jahren verstorbenen Kindes waren in Montana in den 1960er Jahren per Zufall in der Anzick-Fundstelle von Bauarbeitern entdeckt, dabei aber zunächst nicht professionell archäologisch dokumentiert worden. Zwar wurde an Ort und Stelle später auch ein typisches Werkzeugdepot gefunden, die rund 100 Knochen- und Steinwerkzeuge waren allerdings auf die Frühzeit der Clovis-Ära, die Knochen des Kindes dagegen einige tausend Jahre jünger datiert worden. Dies hatte Kritikern Nahrung geliefert, die den Anzick-Fund nicht als Clovis-Bestattung akzeptiert hatten. Lorena Becerra-Valdivia von der University of Oxford und ihre Kolleginnen wollten diesen Streitpunkt nun endgültig klären: Sie unterzogen die Fundstücke nun einer erneuten Radiokarbondatierung und stellten zudem mit verschiedenen Reinigungsschritten sicher, dass nachträgliche Verunreinigungen das Ergebnis nicht verfälschen konnten.

Der markante Fundort
Der markante Fundort | Die Stelle auf dem Grundstück der Farm der Familie Anzick ist die einzige bekannte Grabstätte, die sich mit der Clovis-Kultur in Verbindung bringen lässt.

Am Ende korrigieren sie nun mit ihrer Veröffentlichung in »PNAS« die früheren Datierungen, die für Verwirrung gesorgt hatten: Tatsächlich stammen die vor Ort eingesammelten Clovis-Artefakte und die sterblichen Überreste des Anzick-1-Jungen doch aus derselben Zeit von vor knapp 13 000 Jahren. Ganz offenbar waren die Knochen des Jungen im Lauf der Zeit durch oberflächliche Spuren jüngerer Kohlenstoffisotope verunreinigt worden, was zu den falschen älteren Analysen beigetragen hat, schlussfolgern die Forscher. Damit dürfte nun kaum noch anzuzweifeln sein, dass das Erbgut der Clovis-Menschen und das der heute noch lebenden Ureinwohner Nordamerikas deutliche Unterschiede aufweist: Die genetischen Linien der Nordamerikaner sind erst später in jüngeren Einwanderungswellen nachgerückt. Im Norden des Kontinents verdrängten sie dabei das genetische Erbe der Clovis-Vorläufer. Lediglich weiter südlich findet es sich noch im Erbgut.

25/2018

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 25/2018

Lesermeinung

Beitrag schreiben

Wir freuen uns über Ihre Beiträge zu unseren Artikeln und wünschen Ihnen viel Spaß beim Gedankenaustausch auf unseren Seiten! Bitte beachten Sie dabei unsere Kommentarrichtlinien.

Tragen Sie bitte nur Relevantes zum Thema des jeweiligen Artikels vor, und wahren Sie einen respektvollen Umgangston. Die Redaktion behält sich vor, Leserzuschriften nicht zu veröffentlichen und Ihre Kommentare redaktionell zu bearbeiten. Die Leserzuschriften können daher leider nicht immer sofort veröffentlicht werden. Bitte geben Sie einen Namen an und Ihren Zuschriften stets eine aussagekräftige Überschrift, damit bei Onlinediskussionen andere Teilnehmer sich leichter auf Ihre Beiträge beziehen können. Ausgewählte Lesermeinungen können ohne separate Rücksprache auch in unseren gedruckten und digitalen Magazinen veröffentlicht werden. Vielen Dank!

Partnervideos