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Bestäuber: Schutzgebiete halten Insektensterben nicht auf

Viele Naturschutzgebiete in Westeuropa sind sehr klein und in einem schlechten Zustand. Das hat auch Folgen für die Insektenarten, die sie bewahren sollen.
Hummeln zählen zur Gattung der Echten Bienen. Sie sind ausgezeichnete Bestäuber, da sie durch ihre lange Zunge gut in tiefe Blüten gelangen. Wie vielen anderen Insekten macht auch ihnen die Zerstörung ihres Lebensraums zu schaffen. 16 Arten gelten in Deutschland als bedroht.
Eine Hummel im Anflug: Bestäuber wie diese sind wichtig für den Erhalt von Ökosystemen. Doch sie stehen stark unter Druck.

Die gute Nachricht zuerst: Britische Naturschutzgebiete bieten einer größeren Artenvielfalt eine Heimat als ungeschützte Flächen. Allerdings verlieren sie auf diesem höheren Niveau genauso viele Wirbellosenspezies wie land- oder forstwirtschaftliche Nutzflächen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Rob Cooke vom UK Centre for Ecology & Hydrology und seinem Team in »Biological Conservation«. Besonders betroffen von den Rückgängen waren demnach Bestäuber wie Bienen und Schwebfliegen.

Die Arbeitsgruppe hatte Daten eines Wirbellosen-Monitorings untersucht, das 1990 begann und ermitteln soll, wie verbreitet Arten in geschützten und ungeschützten Gebieten sind. Die Studie umfasste 1238 Arten von Ameisen, Bienen, Schwebfliegen, Marienkäfern, Spinnen und Wespen. Die Zusammensetzung der Arten änderte sich inner- und außerhalb der Schutzgebiete im untersuchten Zeitraum bis 2018 um jeweils 27 Prozent, wobei jeweils mehr Arten verschwanden als neu hinzukamen. Selbst in den Reservaten nahmen häufigere Arten stärker ab. Cooke und Co fürchten daher zunehmend eine Beeinträchtigung wichtiger Ökosystem-Leistungen, die diese Wirbellosen erbringen, etwa bei der Bestäubung oder Schädlingsbekämpfung.

Immerhin stellte das Team aber auch fest, dass die Zahl der seltenen Arten in Schutzgebieten doppelt so hoch ist wie in ungeschützten Gebieten und dass Bestäuber, die eigentlich nicht ortstypisch sind, viel häufiger vorkommen. Die Schutzgebiete könnten daher zumindest als Trittsteine dienen, über die Arten zum Beispiel wegen des Klimawandels ihre Verbreitungsgebiete verlagern. Umgekehrt kommen viele der am stärksten bedrohten Wirbellosenarten Großbritanniens nicht in den vorhandenen Schutzgebieten vor, was ihren Erhalt erschwert.

Viele Schutzgebiete Großbritanniens sind laut Cooke und Co in einem schlechten Zustand: Sie werden übernutzt, überweidet oder wuchern mit eingeschleppten Arten zu. Viele sind sehr klein und damit Einflüssen benachbarter Felder wie Pestizid- oder Düngemitteleintrag ausgesetzt. Oder es finden wichtige Prozesse wie natürliche Störungen nicht statt, die unterschiedliche Kleinlebensräume schaffen, die wiederum eine Vielzahl verschiedener Spezialisten anlocken. Vieles davon ist auch auf die Situation in Deutschland übertragbar, wo Naturschutzgebiete ebenfalls oft klein ausfallen und inmitten intensiv genutzter Flächen liegen. Eine Studie konnte hier unter anderem zeigen, dass auch Insekten in den Schutzgebieten mit Pestiziden belastet sind.

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