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News: Bestechender Mückenschutz

Der Markt hält einiges bereit, um sich unliebsamer Stechmücken zu erwehren. Doch so richtig wirksam scheint kein Mittel zu sein. Wie sehr man sich auch eincremt, häufig genug wagt sich doch ein verwegenes Insekt bis zur Haut vor, um seinen Stachel in die Blut gefüllten Äderchen zu pieksen. Vielleicht gibt es aber bald Abhilfe, denn Wissenschaftler fanden heraus, dass sich wenigstens eine Mückenart vom Öl der Katzenminze vertreiben lässt.
Sommerzeit ist Mückenzeit. Wer in der Nähe eines stillen Gewässers wohnt, weiß davon leidvoll ein Lied zu singen. Zwar gibt es allerlei technisches und chemisches Know-how, um die kleinen Blutsauger vom Leibe zu halten. Aber so mancher Plagegeist trotzt doch Mückennetz, Stromfalle, Insektenspray und Fliegenklatsche. Und wer sich in die freie Natur begibt, ist ohnehin selten mit derartigen Abwehrmaßnahmen ausgestattet.

Da erscheint es schon einfacher, ein wenig Creme aufzutragen, sich einzuölen oder ein Wässerchen aufzusprühen, das die Insekten fern hält. Auch hier ist die Auswahl üppig, wobei die Wirkung zwischen gar nicht und ganz brauchbar variiert. Nun haben Wissenschaftler ein neues Mittel entdeckt – kein künstliches, sondern einmal mehr ein Produkt von Mutter Natur.

Das Öl der Katzenminze (Nepeta) ist's, welches die stechenden Insekten fliehen lässt – oder zumindest eine bestimmte Mückenart, die Gelbfiebermücke Aedes aegypti. Das Pflanzenöl Nepetalacton verleiht dabei dem Kräutergewächs auch seinen charakteristischen Geruch. Nepeta erhielt ihren Namen für ihre stimulierende Wirkung, die sie auf Katzen ausübt.

Aedes aegypti findet den Duft offenbar alles andere als stimulierend, wie die Insektenforscher Chris Peterson und Joel Coats von Iowa State University in ihren Experimenten herausfanden. Sie sperrten 20 der Mücken in eine Glasröhre, an deren einem Ende sie ein wenig des Öls auftrugen. Im ersten Experiment nahmen sie dabei eine einprozentige Lösung des Wirkstoffs, in einem zweiten eine 0,1-prozentige.

So befanden sich denn im ersten Versuch nach zehn Minuten auch nur noch durchschnittlich 20 Prozent der Mücken – im Schnitt also vier – am behandelten Ende der Röhre. Die anderen zogen es vor, zwischen sich und dem Öl einen möglichst großen Abstand zu halten. Bei der geringeren Dosierung des Wirkstoffs waren es 25 Prozent – also etwa fünf Mücken.

Vergleichstests mit der synthetischen Chemikalie DEET (N,N-Diethyltoluamid), die häufig in Mückenschutzmitteln enthalten ist, fielen hingegen wesentlich schlechter aus. Zwischen 40 und 45 Prozent der Tiere hielten sich in der damit behandelten Zone auf. Laut Peterson ist Nepetalacton also rund zehnmal wirkungsvoller als DEET, denn es ist nur ein Zehntel der Substanz nötig, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Zwar prüften die Wissenschaftler die Wirksamkeit lediglich an der Gelbfiebermücke, Peterson ist sich jedoch sicher, dass das Mittel auch bei anderen Mückenarten wirkt. Bereits vor zwei Jahren fanden die gleichen Forscher schon heraus, dass die Katzenminze auch Kakerlaken vertreibt.

Indes ist es unbekannt, was Mücken an dem Öl der Katzenminze so sehr stört. Peterson spekuliert: "Es mag sein, dass es einfach wie ein Reizstoff wirkt, oder sie mögen den Geruch nicht. Aber niemand weiß so genau, warum Insektenschutzmittel funktionieren."

Bislang gab es noch keine Tests zur Verträglichkeit des Öls auf Mensch und Tier. Sollte das Schutzmittel diese jedoch bestehen, so würden Mücken wohl bald blutarmen Zeiten entgegensehen. "Jedes Schullabor hätte die Ausrüstung, den Wirkstoff zu destillieren, und im industriellen Maßstab ist das erst recht leicht."

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