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Sternbild Orion: Beteigeuze wird wieder heller

Eigentlich sollte es die Astronomie-Party des Jahrhunderts werden. Doch nun sieht es mehr und mehr so aus, als müsste sie vertagt werden - vielleicht sogar um 100 000 Jahre.
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Der Rote Riese Beteigeuze scheint erstmals seit Monaten wieder heller zu werden. Darauf deuten unter anderem Aufnahmen eines Teams um Edward Guinan von der Villanova University im US-Bundesstaat Pennsylvania hin, das den Stern seit Wochen genau beobachtet. Demnach hat Beteigeuze sein Minimum zwischen dem 7. und 13. Februar erreicht. Seit Mitte des Monats legt der Riese im Sternbild Orion hingegen wieder an Helligkeit zu, schreibt die Gruppe um Guinan.

Damit schwinden die Hoffnungen, dass Beteigeuze in absehbarer Zeit in einer Supernova explodieren könnte. Dieses Szenario hatten Wissenschaftler und Medien in den vergangenen Monaten intensiv diskutiert. Da der Rote Riese »nur« 700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wäre sein gewaltsamer Untergang ein einmaliges Himmelsschauspiel. Für einige Tage würde die linke Schulter des Orions heller strahlen als der Vollmond und wäre sogar tagsüber sichtbar.

Seit Monaten bezeichnen viele Experten dieses Szenario jedoch als Wunschdenken. Zwar wird Beteigeuze irgendwann in einer Supernova enden, bis dahin kann es allerdings noch 100 000 Jahre dauern. Die ungewöhnlich starke Verdunklung der vergangenen Monate hat wahrscheinlich weniger spektakuläre Ursachen: So könnten zeitweise ungewöhnliche kühle Gaskammern die Oberfläche des Sterns dominiert haben, was ihn dunkler erscheinen lassen würde, wie Wissenschaftler der Südsternwarte ESO vor Kurzem verkündeten. Außerdem fängt möglicherweise eine Staubwolke einen Teil des Lichts ab.

Dass Beteigeuze nun wieder heller wird, spricht aus Sicht von Astronomen stark für solch profane Erklärungen. »Die aktuelle Helligskeitsschwäche ist wahrscheinlich kein Vorbote des ausstehenden Kollapses (in einer Supernova)«, schreibt etwa ein Team um Robert Gehrz von der University of Minnesota in einer aktuellen Astronomen-Mitteilung.

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Beteigeuze im Januar und Dezember 2019 | Die eine Seite des Roten Riesen hat sich deutlich verdunkelt, wie diese Aufnahmen mit dem Hochleistungsinstrument SPHERE am Very Large Telescope in Chile zeigen.

Darauf deuten aus Sicht des Teams auch Infrarotmessungen hin. In diesem für Menschen unsichtbaren Bereich des Lichtspektrums gebe Beteigeuze derzeit noch genauso viel Strahlung ab wie bei Messungen in der Vergangenheit, berichten Gehrz und Kollegen. Demnach wäre es einzig das sichtbare Licht, das weniger geworden ist. Das spreche für natürliche Schwankungen an der Oberfläche des Sterns – und nicht für ein prinzipielles Schwächeln des Feuerofens in seinem Inneren.

Was genau mit Beteigeuze in den vergangenen Monaten vor sich ging, wird Astronomen sicherlich noch eine Weile beschäftigen. Fest steht, dass er eine historische Schwächephase durchmachte: Anfang Februar erreichte er nur noch eine Magnitude von +1,614, der niedrigste je gemessene Helligkeitswert des Roten Riesen. Nun jedoch ist er wieder auf +1,556 mag geklettert. Ob sich dieser Trend fortsetzt, werden die nächsten Wochen zeigen.

09/2020

Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum - Die Woche, 09/2020

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