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News: Betont verständlich

Man kennt seine Pappenheimer: Feinste Nuancen in Tonfall und Lautstärke signalisieren den Inhalt der Botschaft genau, sei es ein schreiendes Baby, ein bellender Hund oder eine maunzende Katze. Kommunikation ohne wirkliche Sprache - einfach, aber effektiv.
Hauskatze Tortie
"Miau" tönt es morgens in der Küche. Der leicht quengelnde Unterton macht deutlich: "Ich habe Hunger. Mach eine Dose auf und servier mir mein Frühstück!" Das lässt sich ein Katzenbesitzer natürlich nicht zweimal sagen, drohen ihm doch beleidigte Blicke und stundenlanges Ignorieren. Nur kurze Zeit später wieder: "Miau!" Schon wieder Futter? Nein, diesmal ist ausgiebiges Kuscheln erwünscht. Und wer kann dieser Aufforderung schon widerstehen...

Ein "Wort" mit vielen Bedeutungen – wie nur gelingt es den Vierbeinern, uns Menschen so genau mitzuteilen, was sie wollen? Alles eine Frage der richtigen Betonung, sagt Katzenliebhaber Nicholas Nicastro von der University of Chicago. Begeistert von der einfachen Ausdrucksweise mit derart differenziertem Inhalt näherte er sich der Verständigung zwischen Katze und ihrem Menschen von wissenschaftlicher Seite: Er spielte Versuchspersonen hundert verschiedene Miaus vor und ließ sie diese nach Dringlichkeit und Zufriedenheit einstufen [1].

Legt demnach unser Stubentiger Nachdruck auf die zweite Silbe – also das "au" –, dann will er etwas jetzt und sofort. Möchte er hingegen seine Zuneigung bekunden, beginnt er einem besonders betonten "Mi". Mit einem solchen Laut sicherten sich vielleicht einst die ersten Hauskatzen ihre zukünftige Heimstatt, vermutet Nicastro. Als er hingegen in einem Zoo in Pretoria afrikanische Wildkatzen aufzeichnete, war von einschmeichelndem Maunzen nichts zu hören: "Diese Katzen klangen ständig verärgert. Falls sie nach Zuneigung suchten, drückten sie sich nicht sehr geschickt aus."

Vielleicht kein Wunder bei ihren Lebensumständen. Doch wie sieht es eigentlich umgekehrt aus? Schließlich reden wir ja mit unseren Hausgenossen – und welcher Tierhalter zweifelt schon daran, dass Hund, Katze oder Wellensittich ihn verstehen!

Allerdings ist dies kein Gespräch unter Erwachsenen, im Gegenteil: Die Stimme klingt danach, als würden wir uns an Kinder richten – die Tonlage ist höher und der Ausdruck gefühlvoller. Reden Mütter mit ihren Sprösslingen, kommt aber noch ein weiteres Merkmal hinzu: Sie betonen die Vokale stärker, offenbar um den Kleinen das Sprechen beizubringen.

Solche Ambitionen haben wir bei unseren tierischen Mitbewohnern nicht, zumindest wenn es sich um Hunde und Katzen handelt, berichten Denis Burnham von der University of Western Sydney und seine Kollegen [2]. Vielleicht ist das bei Papageien anders, aber die gehörten nicht zu den Versuchsteilnehmern.

In einem weiteren Punkt aber ähnelt die Kommunikation doch sehr der Unterhaltung mit kleinen Kindern: Auch Fiffi, Mitzi oder Piepsi richten sich bei weitem nicht immer danach, was ihnen gesagt wurde.

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