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News: Beunruhigende Zahlen

Immer wieder warnen Ärzte und Gesundheitsämter vor den Folgen eines unzureichenden Impfschutzes. Krankheiten, die fast schon als ausgerottet galten, sind wieder auf dem Vormarsch, wie der Fall eines kleinen Jungen zeigt, der 1997 in Deutschland an Diphtherie starb. Studien zufolge weisen die Impfpässe von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen große Lücken auf.
Bei einer Impfstatuserhebung durch Chiron Behring wurden insgesamt 5628 Personen im Alter von zehn bis zwanzig Jahren überprüft. Es ging dabei vor allem um die Erkrankungen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung (Polyomyelitis), gegen die bereits im Kindesalter geimpft wird. Diese Impfungen müssen jedoch in regelmäßigen Abständen aufgefrischt werden, was häufig vergessen wird. Dementsprechend besitzen etwa neunzig Prozent der Kleinkinder heute einen wirkungsvollen Impfschutz, während das Bild bei den älteren Kindern und Jugendlichen schlechter aussieht. Nur siebzig Prozent der Befragten sind ausreichend gegen Tetanus und nahezu siebzig Prozent sind auch gegen Diphtherie und Polio geschützt. Dabei zeigte sich kein Unterschied zwischen Jungen und Mädchen. Bedenklich sind die Ergebnisse bei den 18- bis 20jährigen. Hier sind nur noch 51,7 Prozent wirkungsvoll gegen Tetanus, 48,5 Prozent gegen Diphtherie und immerhin 55 Prozent gegen Polio geimpft.

Die Studie zeigt darüberhinaus einen deutlichen Unterschied zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Während in den östlichen Regionen der Impfschutz bei den genannten Krankheiten über achtzig Prozent beträgt, haben nur 62,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den westlichen Landesteilen alle drei Impfungen gegen Tetanus erhalten. Bei Polio sind es 62,8 Prozent und bei Diphtherie sogar nur 59,6 Prozent. Der Grund dafür liegt in der Impfpflicht, die in der DDR bestand.

Eine weitere Studie zeigt, daß es auch bei den Erwachsenen nicht sehr viel besser aussieht. Das Berliner Robert-Koch-Institut berichtet im Epidemiologischen Bulletin vom 8. Januar 1999, daß der Impfschutz gegen Diphtherie in der Bevölkerung nicht ausreicht. In der Altersgruppe der Dreißig- bis Vierzigjährigen haben über vierzig Prozent, bei den 41- bis 60jährigen sogar über sechzig Prozent keinen ausreichenden Schutz. Diphtherie-Erkrankungen sind zwar seit dem zweiten Weltkrieg deutlich zurückgegangen, in den letzten Jahren wurde jedoch wieder ein leichter Anstieg durch eingeschleppte Erreger aus osteuropäischen Staaten verzeichnet. In diesem Zusammenhang ist auch der Tod eines kleinen Jungen aus einer Aussiedlerfamilie in Offenbach zu sehen. Nicht nur, daß das Leben des Kindes nicht zu retten war, außerdem stellte sich heraus, daß auch das medizinische Personal nicht ausreichend geimpft war.

Aus beiden Studien ist abzulesen, wie wichtig auch heute noch ein wirkungsvoller Impfschutz gegen Krankheiten ist, von denen viele annehmen, daß sie ausgerottet sind.

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