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Hirnforschung: Bewusstlos bei desintegriertem Gehirn

Während einer Operation unter dem Messer zu erwachen, klingt nach einem Alptraum. Und doch soll dies noch heute etwa einem von tausend Patienten passieren. Grund ist, dass die Mediziner auch nach 160 Jahren anästhetischer Praxis noch immer nicht genau wissen, worin Bewusstlosigkeit eigentlich besteht.

Traditionell gilt als bewusstlos, wer auf intensive Ansprache nicht mit Bewegung reagiert. Doch diese Definition ist problematisch; denn die mangelnde Reaktion kann auch schlicht auf einer Muskelhemmung beruhen. Anthony Hudetz vom Medical College of Wisconsin und seine Kollegen schlagen deshalb eine andere Erklärung für Bewusstlosigkeit vor. Sie geht davon aus, dass jede menschliche Erfahrung stets ganzheitlich ist. Zum Beispiel kann man mit einem gesunden Gehirn nicht die linke Hälfte des Gesichtsfeldes getrennt von der rechten empfinden. Bewusstlosigkeit wäre dann ein Zustand, in dem die Integration der Hirnregionen verloren gegangen ist.

Nach Meinung von Hudetz und Kollegen funktioniert das Gehirn wie ein „small-world-network“: ein System mit wenigen weit reichenden Verbindungen zwischen dicht vernetzten lokalen Zentren. Anästhetika müssten demnach nur die wenigen Fernleitungen kappen, um die Kommunikation zwischen den Hirnregionen zu unterbinden. Bei kleinen simulierten Systemen lässt sich der Integrationsgrad messen. Die Forscher hoffen, dass dies über ein verbessertes EEG auch beim Gehirn gelingt. Damit stünde der Weg zu einer ungefährlicheren Operationspraxis offen.

Vera Spillner

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